AC Nachklapp

Teil 1: Die taktischen Schlüsselsituationen der beiden Cup-Rennen. Warum Alinghi zweimal bestraft wurde.

Der 33. America´s Cup ist vorbei. Gott sei Dank! Nach langer Warterei ging es dann doch recht kurz und schmerzlos. Die Amerikaner gewannen locker 2:0. Durch die Überlegenheit ihres Flügels. Aber auch durch taktische Fehler des Alinghi Teams.

Alinghi (blau) beginnt die fünfminütige Vorstartphase etwa auf Position 1. Blau sollte eigentlich an Position 2 nahe die modifizierte Eintauchlinie zwischen Boje 2 und dem Startboot befinden, um vor dem Bug von BMW Oracle (gelb) durchzukommen.

Die Konfrontation war schon unerwartet intensiv beim ersten Aufeinandertreffen der beiden Monster-Multis. Eigentlich wollte die Wettfahrtleitung aus Sicherheitsgründen ein direktes Aufeinandertreffen der 90 Fußer vermeiden. Sie veränderte deshalb den klassischen Match Race Start.

Start der Eintauchphase. Alinghi hat erst Position 1 an der Startline erreicht. Tonne 2 ist links nicht im Bild. BMW Oracle segelt mit optimalem Speed © BMWO.Gilles Martin-Raget

Zur eigentlichen Starttonne 1 wurde eine weitere Marke 2 ausgelegt, die dem blauen Boot ein früheres Eintauchen in die Startzone ermöglichen und die Passage vor dem Gegner erlauben sollte.

Normalerweise segeln beide Boote nach dem Eintauchen aufeinander zu und dabei sentsteht das klassische Dial up Manöver. Es ist eine Folge der Regel-Situation. Weil gelb Wegerecht hat, muss blau ausweichen. Blau wendet, das Wegerecht wechselt (Lee vor Luv) und blau luvt danach in den Wind in der Hoffnung, dass gelb sich als Luvboot nicht freihalten kann. Beide Boote drehen also hoch, daher der Name Dial up.

Bei der Auslosung erwischte Alinghi die blaue Seite. Aber Ernesto Bertarelli war spät dran an der Linie. Zu Beginn der Eintauchphase befand er sich an Position 1, hätte aber schon an Position 2 sein sollen, um vor BMW Oracle passieren zu können.

Die Linie lag zudem etwas schief, weil der Wind nach links gedreht hatte. Und James Spithill brachte seinen Trimaran mit maximaler Fahrt und optimalem Timing zur Eintauchposition. Das machte für Bertarelli die Passage vor dem Bug von „USA“ noch schwieriger. Auf der „Alinghi“ stellte man spät fest, dass es nicht klappt. Zu spät. Das sagen jedenfalls die Schiedsrichter.

Penalty für blau. Alinghi weicht in Position 3 zu spät aus, sagen die Schiedsrichter.

In Position 3 halten beide Boote aufeinander zu. Wichtig ist, dass gelb, also der Trimaran von BMW Oracle eine gewisse Zeit Kurs hält und Alinghi die Möglichkeit zum Ausweichen gibt. Sonst würde im Falle einer Kollision gelb bestraft.

Die Schiedsrichter entscheiden: Bertarelli hätte in Position 3 eher die Wende einleiten, oder schon in Position 2 mit einer Halse reagieren können.

Die kritische Frage ist: was ist zu spät? Beim klassischen Match Race taucht die Frage immer wieder auf. Wenn man zum Beispiel mit H-Booten segelt, laufen die Manöver deutlich träger ab als mit wendigen J 22 Yachten. „Zu spät“ gibt reichlich Spielraum zum Interpretieren.

Erfahrungswerte spielen eine Rolle. Diese gab es aber für die Monster-Multis nicht. Deshalb erschien die Entscheidung der Schiedsrichter im ersten Cup-Match sehr hart.

Die Umpire haben aber offenbar eine sehr große Sicherheitszone festgelegt. Vermutlich haben sie die Teams vorher darüber informiert, dass sie zu große Nähe nicht zulassen werden. Eine Kollision würde in Totalschäden resultieren.

Beschwerden gab es nach der Entscheidung wenig. Das hat damit zu tun, dass Alinghi trotz des verpatzten Vorstarts optimal über die Linie kam.

Die Analyse erfolgt im zweiten Teil der vierteiligen kleinen Taktik-Serie: Wie es den Schweizern gelang, sich aus der misslichen Lage zu befreien.

Carsten Kemmling

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Carsten Kemmling

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