THE TRANSAT: Start am Montag – älteste Einhandregatta über den Atlantik in Neuauflage

Alleine gegen den Wind

Transat, Atlantik, Einhand

Die Macif, Vorzeige-Renner dieser TRANSAT beim Start zum Warm-Up vor St. Malo © transat

Für Solo-Segler die „Mutter aller Regatten“: 1960 von den Legenden Sir Francis Chichester und Blondie Hasler ins Leben gerufen, bringt THE TRANSAT (vormals OSTAR) eine feine Auswahl der renommiertesten Hochsee-Regattasegler an den Start.

Am Montag, 2. Mai geht’s los: Um 15:30 Uhr (deutsche Sommerzeit) werden 25 EinhandseglerInnen in vier Bootsklassen vor dem britischen Plymouth auf eine theoretisch 3.500 Seemeilen Nonstop-Reise geschickt. Ihr Ziel wird zum zweiten Mal nach der Erstausgabe im Jahre 1960 der „Big Apple“ New York sein.

Alle vier Jahre ausgerichtet, macht die Einhand-Transatlantik-Regatta aus unterschiedlichen Gründen seit jeher Furore: Wegen ihrer markanten und berühmten Teilnehmer, wegen der innovativen Rennyachten, auf denen dieselben mehr oder weniger rasant über den Atlantik braus(t)en und nicht zuletzt wegen der herausfordernden Bedingungen, die auf den nördlichen Atlantikrouten um diese Jahreszeit vorherrschen.

Es ging um einen Halfpence

Angeblich wetteten der gerade geadelte Francis Chichester und Blondie Hassler um einen Halfpence, wer schneller von Großbritannien nach New York segeln könnte. Andere behaupten, Hasler hätte die Idee zu einer Einhand-Regatta über den Atlantik schon Ende der Fünfziger-Jahre ausgegoren… wie auch immer, zur ersten Ausgabe des OSTAR (Observer Singlehanded Trans Atlantic Race) im Jahre 1960 zeigten allen Unkenrufen zum Trotz 115 Segler ernsthaftes Interesse, 50 Voranmeldungen wurden eingereicht, acht Boote meldeten offiziell und fünf segelten über die Startlinie.

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Die Gipsy Moth von Sir Francis Chichester nach ihrem Sieg 1960 © transat

Sir Francis Chichester kam schließlich auf seiner Gipsy Moth III als erster OSTAR-Sieger in New York an und brauchte 40 Tage, 12 Stunden und 30 Minuten für die theoretisch 3.500 Seemeilen lange Reise. Der langsamste Teilnehmer war erst nach 73 Tagen an der Mündung des Hudson Rivers angekommen.

Chichester notierte auf hoher See damals einen Satz in sein Logbuch, der bis heute Programm bleiben sollte: „Jedes Mal wenn ich New York direkt anpeilte, blies der Wind aus exakt derselben Richtung. Er kam immer von vorne – es war zum Verzweifeln.“

Aufgrund der weltweiten Medienaufmerksamkeit glaubten alle Beteiligten an einen weiteren Erfolg der Transatlantik-Regatta. Weg frei für eine Serie, die bis heute alle vier Jahre zelebriert wurde (nur 2012 setzte das Rennen aus) und den großen Helden des Hochseesegelsports den „Roten Teppich“ zu Ruhm und Ehr’ ausrollte.

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Die französische Segellegende Eric Tabarly nach seinem Sieg 1964 © transat

Eric Tabarly auf seinen Pen Duicks (Monohull und Trimaran), Geoffrey Williams, der erste auf einem vollständig gebrandeten Profi-Boot (Sir Thomas Lipton), Bill Howell auf seinem 39 Meter langen „Vendredi 13“-Dreimaster, Alain Colas, Philippe Poupon, Loick Peyron (der das Rennen drei Mal gewann), Francis Joyon, Michel Desjoyeaux, Florence Arthaud, Ellen MacArthur und und und… die Liste der legendären Sieger und Platzierten könnte seitenlang fortgeführt werden.

Und was gab es nicht alles für Abenteuer, die auf den langen Kreuzschlägen durch den nördlichen Atlantik erlebt wurden. Sagenhafte Rettungsaktionen, bei denen Ärzte im dichten Nebel vom Hubschrauber ins Wasser sprangen, um zu delirierenden Skippern an Bord ihrer havarierten Yachten zu schwimmen; U-Boote, die beschädigte Schiffe in Schlepp nahmen; ein zu junger Segler, der laut den Statuten noch nicht mitmachen durfte und dennoch außer Konkurrenz hinter dem Feld hersegelte und ein völlig verstörter David Sellings, dessen Yacht 1988 von 60 Walen tagelang begleitet, schließlich angegriffen und versenkt wurde. Es gab (glimpflich abgelaufene) Begegnungen mit Eisbergen und Growlern, mehrere Kenterungen von Mehrrumpf-Rennern, Mastbrüche, brennende Schiffe, zerstörte Bootsrümpfe nach Kollision mit Treibgut oder Walen und Walhaien… kurz: THE TRANSAT (wie das Rennen heute heißt) ist ein quicklebendiger Mythos. Und das nicht ohne Grund.

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Thomas Coville will auf seinem Trimaran Sodebo ebenfalls den Streckenrekord angreifen © transat

Die größten Herausforderungen

Denn wer die TRANSAT-Route segeln will, muss sich nicht nur mit talentierten Gegnern unter den Mitseglern messen, sondern wird sich auch an knallharten Wettersystemen und Windbedingungen aufreiben. Nicht nur deshalb übernimmt der uralte Sportler-Spruch „Dabeisein ist alles“ gerade bei der TRANSAT eine Schlüsselrolle. Seit jeher wird jedem, der im Ziel ankommt, höchster Respekt gezollt. Ganz egal, ob er ganz oben auf dem Treppchen steht oder erst anlegt, wenn dasselbe schon längst wieder weggeräumt wurde.

Die größte Herausforderung dieser Regatta ist nicht die lange Nonstop–Strecke von (theoretisch) 3.500 Seemeilen, sondern ganz eindeutig die Route: THE TRANSAT wird im nördlichen Bereich des Atlantiks gesegelt, also fernab von den bei Cruisern beliebten „Barfuß-Routen“. Vom Südwesten Englands bis zur US-Ostküste erwarten die Segler – insbesondere um diese Jahreszeit – teils höchst ungemütliche Wetterlagen wie Stürme, dichter Nebel, ungemütliche Kaltfronten und Tiefs, die eines nach dem anderen über die Flotte der Einhandsegler hinweg ziehen. Dabei wehen die Winde übrigens nicht zwingend immer von West oder Süd-West-West, doch rein statistisch betrachtet ist die TRANSAT die Langstreckenregatta mit dem höchsten Anteil an Kreuzkursen.

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Vincent Riou jagt seinen IMOCA ohne Foils gegen den Wind © transat

Die SkipperInnen haben zudem eine knifflige Routenwahl zu treffen. Sie können nördlich, oberhalb der meisten Wettertiefs, die von West nach Ost ziehen, ihr Glück versuchen. Doch dort erwarten sie Eisschollen oder sogar Eisberge und auf Höhe von Neufundland oder Nova Scotia so dichter Nebel, in dem man die buchstäbliche Hand nicht mehr vor den Augen sieht. Man könnte auch südlich segeln, doch dort addieren sich einige Hundert Seemeilen zu dem geraden, rechnerisch idealen Direktkurs. Außerdem warten im Süden unberechenbare Flautenabschnitte, die Ankunftszeiten bekanntlich ziemlich verzögern können.

Um nochmals die Statistiken zu bemühen: Die meisten Skipper haben bisher den möglichst direkten, mittleren Kurs gegen die vorherrschenden Winde gewählt. Vorausgesetzt aus den Wettertiefs wurden keine ausgemachten Stürme. Was auf diesen Kursen gegen Wind und Welle den Seglern und ihren Yachten abverlangt wird, ist für „Normal-Atlantik“-Segler kaum nachvollziehbar…

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Anna-Maria Renken will als erste deutsche Frau die TRANSAT finishen © transat

Die Elite am Start

Die 25 Einhandsegler der diesjährigen TRANSAT-Ausgabe starten in den Bootskategorien Class 40, Multi 50, IMOCA und Ultimes. Die von den Franzosen dominierte Flotte bietet einige der ganz Großen des Hochsee-Regattasports auf. Wie etwa Loick Peyron, der auf der Original-Pen Duick II, mit der Tabarly die zweite OSTAR-Ausgabe gewann, unter den gleichen Bedingungen, also mit Sextant und ohne GPS in weniger als 27 Tagen nach New York gelangen will. Oder Youngster und Vendée Globe-Sieger Francois Gabart, der auf seinem Trimaran-Monster „Macif“ einen neuen Streckenrekord aufstellen will. Armel le Cleac’h will vor der im Herbst startenden Weltumseglungsregatta Vendée Globe seine Foils auf dem IMOCA „Banque Populaire“ einem ultimativen Härtetest unterziehen, genauso wie Sebastien Josse auf „Baron de Rothschild“. Vincent Riou will dagegen seine IMOCA PRB ohne Foils unter Beweis stellen und Thomas Coville möchte auf dem Trimaran „Sodebo“ endlich und endgültig seine Havarie-Pechsträhne, die ihn in den letzten Jahren arg beutelte, hinter sich lassen.

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Isabelle Joschke segelt auf ihrer Class 40 erstmals eine Einhand-Transatlantik-Regatta © transat

Aus deutscher Sicht ist die Teilnahme der Deutsch-Französin Isabelle Joschke interessant: Die erfolgreiche Figaro-Skipperin versucht sich erstmals auf einer Transatlantikregatta in der Class 40. Und Anna-Maria Renken, derzeit die einzige Hochseeregattaseglerin, die unter Deutscher Flagge startet, will auf der Class 40 „Nivea“ bei ihrer Einhand-Premiere im Atlantik vor allem „heil ankommen“. Renken hat übrigens nur eine deutsche Vorgängerin bei THE TRANSAT respektive OSTAR: Im Jahr 1968 nahm die deutsche Fremdsprachen-Sekretärin Edith Baumann (26) mit ihrem Trimaran Kola III als erste Frau an dem Rennen teil. Sie wurde samt Hund von ihrem auseinander fallenden Trimaran abgeborgen und trat danach seglerisch nie wieder in Erscheinung.

THE TRANSAT Website (mit Tracker und Virtual Race)

 

Kurzes On-Board-Video von Francois Gabart auf “Macif”, kurz nach dem Start zum Warm-Up vor St. Malo

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
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Ein Kommentar „THE TRANSAT: Start am Montag – älteste Einhandregatta über den Atlantik in Neuauflage“

  1. avatar marsha sagt:

    Bill Howell segelte den Cat “Golden Cockerel”. “Vendredi 13” war von Yves TErlain

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