TP52 WM Renn Analyse: Warum die Strafe gegen “Azzurra” verhängt wurde

Im Eifer des Gefechts

Vasco Vascotto ärgert sich auf Videobildern, das seine “Azzurra” bei der TP52 WM im Zweikampf mit “Ran” mit einem Penalty bestraft wurde.

Ritt auf dem Bugspriet bei der TP52 WM vor Miami

Ritt auf dem Bugspriet bei der TP52 WM vor Miami. © Rick Tomlinson/52 SuperSeries

Die TP52 Klasse mag tief gefallen sein nach dem Ausstieg von Audi aus der MedCup Serie. Aber vielleicht fühlt es sich auch nur an, weil sei einmal ganz oben war. Die besten Segler der Welt maßen sich mit dem Sportgerät darunter deutsche Teams wie auf “Container” und “All4One”, die nun nicht mehr dabei sind.

Nun versuchen die Eigner mit der SuperSeries eine Rennserie am Leben zu halten und haben bei der WM vor Miami acht Boote an die Startlinie bekommen. Vorne duellierten sich wie erwartet die neueren Designs “Ran” und “Azzurra”, “Quantum” kann mit dem ein wenig älteren Schiff schon schwieriger mithalten und dahinter kommt der namenlose Rest der Flotte.

Die Annäherung zwischen "Ran" (r.) und "Azzurra".

Die Annäherung zwischen “Ran” (r.) und “Azzurra”. Die Italiener (l.) erhalten einen Penalty.

Das Duell an der Spitze war in Miami dennoch spannend. Erst auf der letzten Vorwind rutschte “Ran” von Skype Erfinder Niklas Zenström den Italiener in Luv drüber und gewann die WM mit einem Punkt Vorsprung.

Besonders gut dokumentiert ist ein Vorfall zwischen den beiden Kontrahenten zu Beginn der Regatta. Das Video vom Leetonnenmanöver zwischen “Ran” und “Azzurra” zeigt, wie die Italiener von den Schweden klar ohne Wegerecht erwischt werden.

"Ran" hät von rechts auf "Azzurra" zu

“Ran” hät von rechts auf “Azzurra” zu und zwingt die Italiener zur Halse.

Azzurra-Taktiker Vasco Vascotto moniert im Interview allerdings, dass er im Eifer des Gefechts locker vor dem Gegner hätte passieren können, wenn der nicht permanent seinen Kurs geändert hätte. Was sich nach einem ersten Blick auf das Video wie eine faule Ausrede anhört, ist beim zweiten Blick nicht so weit hergeholt.

Wer Wegerecht erhalten möchte und dabei seinen Kurs ändert, muss nach Regel 16.1 dem anderen Boot die Möglichkeit geben, sich freizuhalten. Diese Regel ist immer kritisch und wird jeweils entsprechend verschiedener Bootsklassen und Geschwindigkeiten anders ausgelegt. Die Jury auf dem Wasser hat in diesem Fall eine Strafe gegen die Italiener verhängt und damit das Backbord-Steuerbord Vergehen geahndet.

Die Kurslinie von "Ran" (r.) beschreibt eine Kurve

Die Kurslinie von “Ran” (r.) beschreibt eine Kurve. Ab wann will “Ran” den Gegner gerade noch erwischen, wann ist es ein Ausweichmanöver?

TP 52 SuperSeries

Ergebnisse

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „TP52 WM Renn Analyse: Warum die Strafe gegen “Azzurra” verhängt wurde“

  1. avatar Dreiundzwanzig sagt:

    Der interviewer scheint voreingenommen- oder er hat einfach einen sehr guten Witz gehört bevor er zum Azzura taktiker gekommen ist…

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  2. avatar Regelfutzi sagt:

    Carsten, Du weiß es doch besser. Warum formulierst Du so unpräzise? Laß Deine Leser doch mal schlauer werden und verwirre sie nicht. Das liest sich wie Glücksspiel unter freiem Himmel – ist aber ganz klar aufzulösen:
    Zwischen beiden Booten gilt Regel 10 schon länger andauernd.
    Das Wegerechtsboot heißt so weil es Wegerecht hat und auch seinen Kurs ändern kann, wenn es mag.
    Nur: Es gibt eine Falle für das Wegerechtsboot – wenn es Regel 16.1 verletzt.
    16.1 setzt aber nicht Regel 10 außer Kraft!. Es gelten dann beide Regeln gleichzeitig.
    Schenkt man den Aufzeichnungen Glauben, dann hat Azurra das Wegerecht (10) von Ran beeinträchtigt, weil Ran in seiner Kurswahl eingeschränkt wurde. Folglich wurde Azurra bestraft.
    Gleichzeitig hat Ran Azurra gem. 16.1. den Raum gegeben um wegzuhalsen. Wie man sehen kann. Also wurde 16.1. nicht verletzt.
    Hätte Ran so dicht an Azurra manövriert, dass Azurra technisch nicht hätte weghalsen können, dann hätte man zusätzlich Ran bestrafen müssen. Ebenso wenn es zur Kollision mit Schaden geführt hätte.

    Ran hat es perfekt gemacht, smart in die gute Position steuern, im richtigen Moment defensiv wegziehen und die Jury ihren Job machen lassen. Dafür sind die dort vor Ort, dafür sind sie ausgebildet.

    Wer solch ein teures Schiff fährt könnte aber auch mal darüber nachdenken einen wirklich Regelkundigen an Bord zu nehmen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 20 Daumen runter 3

    • avatar Christian sagt:

      @Regelfutzi: Wenn Ran es “perfekt gemacht” hat (was ich auch so sehe): Warum forderst du dann einen “wirklich Regelkundigen” an Bord? Den hatten sie doch offensichtlich.

      Azurro hingegen hat ein bisschen viel gewollt und dann alles verloren… aber auch dieser Poker hat weniger mit Regelunkenntnis zu tun, eher mit dem Ausreizen derselben. Das kann halt auch mal schiefgehen.

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  3. avatar Willii Gohl sagt:

    Lieber Cartsen Kemmling, können wir diesen Satz mal erläutert bekommen:
    “Was sich nach einem ersten Blick auf das Video wie eine faule Ausrede anhört, ist beim zweiten Blick nicht so weit hergeholt.”, insbesondere den zweiten Teil des Satzes?
    Regelfutzi hat die Situation aus meiner Sicht übrigens sehr gut analysiert. Kompliment.
    Besonders der Hinweis darauf, dass beide Regeln gleichzeitig gelten, ist richtig.
    Und mit dem “Regelkundigen” hat er doch wohl jemanden, der auf der “Azzura” sein sollte, gemeint.
    Übrigens, wer Vasco kennt, wundert sich weder über die Situation, noch über seinen Kommentar. Gleichwohl bleibt er einer der Top-Segler der Szene.
    Willii Gohl

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  4. avatar Schlaufuxx sagt:

    Wer Vasco Vascotto kennt, weiss dass er immer alles will und das ganze währendessen und anschliessend an Land mit viel italienischem Temperament untermalt und rechtfertigt.
    Ich kann mich Regelfutzi nur anschliessen. Sehr gut erklärt !
    Ran hat Azzura zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit genommen, sich Freizuhalten. Ende !
    Die Taktik, vor einem Zusammentreffen, höher zu fahren und zu beschleunigen, um später mit Speed tief zu fahren, ist völlig üblich und wird von Vasco genauso gerne angewandt.
    Ich hatte mal das Vergnügen mit Rumpelstilzchen Vasco in selber Situation, aber eben umgedrehten Positionen.
    Da hat er dann ganz eloquent erklärt, warum wir nicht hätten versuchen dürfen vorne durch zu kommen.
    Ausserdem darf man nicht vergessen, dass Vasco einen 4stelligen Tagessatz für seine Dienste berechnet und, wie im Profisport üblich, Fehler im nachhinein gerne schön redet.

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