Transat Jacques Vabre: 10.000 Kilometer nonstop auf der Kaffeeroute

Der lange Weg

Am Sonntag wird vor Le Havre der Startschuss zur längsten aller Nonstop-Transatlantikregatten fallen. 42 Zweihand-Teams werden in vier spektakulären Schiffskategorien dabei sein: Class 40, IMOCA, Ultime und Multi 50.

Die Transat Jacque Vabre (TJV) gilt auf diesem Parcours (der bereits zum zweiten Mal gesegelt wird) vom französischen Le Havre nach Itajai in Brasilien als die längste Trransatlantik-Regatta, die jemals nonstop gesegelt wurde.

Transat Jacques Vabre,

Die “Arkema” im Tiefflug © arkema

Von der Seine- bis zur Itajai-Mündung werden die Zweierteams ohne Zwischenstopp theoretische 5.400 Seemeilen segeln, wobei in der Praxis nochmals 10 bis 15% hinzukommen dürften. Die langsamsten Boote („Class 40“) werden ca. 25 Tage für die TJV brauchen, die schnellsten („Ultime“) unter 10 Tage.

Auf so einer Monsterstrecke spielen nahezu alle Faktoren, die das Hochseesegeln so spannend aber auch diffizil machen, eine gleichwertige Rolle: Bootsgeschwindigkeit, Bootshandling und Manöver, Schlafmanagement der Segler, Taktik und Robustheit der Rennboote sind wichtige Faktoren im Gesamtgefüge der Regatta. Doch kann jeder einzelne dieser Faktoren durch einen einzigen ungleich gewichtigeren, weil nur schlecht vorhersehbaren zunichte gemacht werden: das Wetter und dabei insbesondere der Wind.

Über eine Strecke, die knapp ein Viertel des Erdumfanges misst, müssen die Teams mit allen nur möglichen Kapriolen der Wettergötter rechnen und jedes Mal richtig reagieren. Am meisten gefürchtet: Die innertropische Konvergenzzone, vulgo der Kalmengürtel im Bereich zwischen dem zehnten südlichen und dem zehnten nördlichen Breitengrad.

Dort können die glorreich errungenen Vorsprungsmeilen der Führenden plötzlich dahinschmelzen wie Butter in der Äquatorsonne, dort kann sich mit der richtigen Portion Glück (oder eben Pech) das Blatt vollständig wenden.

Schlüsselstellen auf dem Atlantik

Doch auch zuvor und danach warten eine Menge Unwägbarkeiten auf die Segler. Bereiche, in denen selbst die Erfahrenen Fehler machen oder schlicht Pech haben. Den ersten Schwerpunkt dürften viele Skipper auf den Ausgang des Ärmelkanals legen. Beim Taktieren, wie nah (oder fern) man sich von der Küste halten sollte, beim Einbeziehen bestimmter Verkehrstrennungsgebiete und natürlich zwischen Dutzenden Containerriesen, Frachtschiffen, Fischereiflotten und Supertankern werden Akzente gesetzt.

Danach steht die Biskaya auf dem Programm, wo bei Durchzug des einen oder anderen Tiefs alle Boote reichlich durchgerüttelt werden können. Am Kap Finisterre muss – je nach Wetterlage – die exakt richtige Entscheidung getroffen werden: Wäre es besser weiter westlich sein Windglück zu suchen oder ist die Landseite vor Portugal begünstigt?

Egal wie, es gilt so schnell wie möglich in den Passatwinden (die meistens stabil bis zu 20 Knoten Windstärke bieten) zu segeln. Fast alle modernen Hochsee-Regattabootsklassen sind heute genau darauf ausgerichtet: Gennaker hoch und ab geht die Lucy auf raumen oder tiefen Kursen.

Transat Jacques Vabre, Macif,

Die Macif wurde eigentlich für Einhand-Hochseerekordjagden gebaut. Doch bei der TJV läutet es zur Generalprobe, noch zu zweit… © macif

Etwas südlich der Kapverden beginnt der gefürchtete Kalmengürtel, der je nach Wetterlage zwischen 300 und 600 Seemeilen lang ist. Hier werden die Nerven der Segler strapaziert: Lange Flauten mit killenden Segeln werden von plötzlich auftretenden, völlig unberechenbaren Böen gewürzt. Hektik für eine Viertelstunde, in der oft genug mehr zu Bruch geht als in einer Sturmfahrt auf der Biskaya und dann wieder: Stille, Ruhe… als hätte jemand Öl ins Wasser gegossen.

Poker in der Flaute

Zwischen dem Ende des Kalmengürtels und dem Kap Frio nördlich von Rio de Janeiro dürfte erneut der Bootsspeed eine wesentliche Rolle spielen. In diesem Streckenabschnitt sind eher frische Winde angesagt. Während die letzten 400 Seemeilen hinunter nach Itajai einigen Seglern wiederum Kopfschmerzen bereiten werden: die häufig im südlichen Atlantik auftretenden Tiefs im Mix mit unzähligen Fischerbooten und Treibnetzen können dem „Spiel“ nochmals eine neue Wendung geben.

Die TJV, von vielen auch die „Kaffeeregatta“ genannt, weil auf den alten Kaffeerouten gesegelt wird und folgerichtig der langjährige Hauptsponsor ein Kaffeehersteller ist, zählt zu den prestigeträchtigsten Regatten in der französischen Hochseeszene.

Dieses Jahr richten Profisegler, Freizeitskipper, Fans und Medien ihr Augenmerk vor allem auf zwei Aspekte: 1. Werden Francois Gabart (Sieger Vendée Globe auf IMOCA) und Pascal Bidégorry ihren nagelneuen, riesigen Trimaran Macif schon so weit im Griff haben, dass sie als erstes Schiff in Brasilien ankommen? 2. Werden die fünf mit Foils ausgestatteten IMOCA den Vorschusslorbeeren gerecht und können den Rest der Flotte durch Höchstgeschwindigkeiten dank „angehobenem Bug“ düpieren?

 Eckdaten Transat Jacques Vabre

  • 226 Teams haben bisher bereits am TJV teilgenommen. Der Teilnehmerrekord war übrigens 2007, als 60 Teams bzw. Boote dabei waren, darunter allein 30 Class 40 (dieses Jahr: nur 14)
  • Referenzzeiten: Die schnellste Class 40 schaffte die Strecke in 20:21:41 Tagen; der schnellste Mehrrumpfer aus der Kategorie Multi 50 brauchte 14:17:40 Tage; der schnellst Einrumpfer (IMOCA) 17:00:41 Tage und als schnellster Renner überhaupt steht bis dato eine MOD 70 in den Annalen der TJV: 11:05:03 Tage.

Die Kategorien

Class 40, Monorumpf ; 12,19 Meter (40 Fuß) lang, 4,50 Meter breit, Segelfläche am Wind: 115 qm, 14 teilnehmende Yachten.

IMOCA, Monorumpf, 18, 28 Meter (60 Fuß) lang, 5,85 Meter breit, Segefläche am Wind: ohne Limit, (Masthöhe wurde begrenzt, Kiel standardisiert, es dürfen nur neun Segel mitgenommen werden). 20 teilnehmende Yachten, darunter Stars wie Alex Thomson, Armel Le Cleac’h, Jean-Pierre Dick, Sebastien Josse, Yann Elies. Die TJV wird von den IMOCA-Skippern als ultimativer Material- und Bootstest für die Vendée Globe 2016 (auf IMOCA einhand nonstop um die Welt) verstanden.

Multi 50

Mehrrumpfboote, die maximal 15,24 Meter lang (50 Fuß) und max. 15,24 Meter breit sein dürfen. 4 teilnehmende Yachten

Ultime

Die Riesen der Hochsee. Länge zwischen 21,33 Meter (70 Fuß) und 32 Meter (105 Fuß). Breite max. 23 Meter. Höchstzuässige Überwasserhöhe: 120% der Rumpflänge. Ansonsten keine technischen Einschränkungen. 4 teilnehmende Yachten, „Macif“ mit Skipper Francois Gabart, der als jüngster Sieger aller zeiten die letzte Vendée Globe für sich entscheiden konnte und mit dem „Macif“-Trimaran hauptsächlich Einhand-Hochseerekorde jagen will.

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Transat Jacques Vabre: 10.000 Kilometer nonstop auf der Kaffeeroute“

  1. avatar Breizh sagt:

    Heute ist sie also gestartet die TJV. Aber leider hier nicht viel Neues zur Regatta, den Booten, den Teilnehmern und insbesondere nicht zu den deutschen Teilnehmern bzw. Nicht-Teilnehmern. Was ist los mit dem deutschen Teilnehmern? Wieso ist die Beteiligung so mau? Fragen über Fragen zu denen wir vielleicht noch Antwort kriegen?
    Wieso nehmen eigentlich keine Figaros teil, deren Saison müsste doch zu Ende sein? Und über den Teich kommen die doch auch.

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