Transat Jacques Vabre: “Hugo Boss” geborgen – Ausfallquote bei 40,5 Prozent

"Zu zerbrechlich"

Der IMOCA “Hugo Boss” ist in den Hafen von La Coruna geschleppt worden. 17 von 42 Teams haben jetzt schon aufgegeben. Noch nie waren es so viele. 

Hugo Boss, Thomson

© Hugo Boss

Der Brite Alex Thomson und sein spanischer  Co-Skipper Guillermo Altadill konnten ihre “Hugo Boss” erfolgreich bergen und haben sie in den spanischen Hafen La Coruna gebracht. Dabei ist immer noch nicht klar, wie groß der strukturelle Schaden ist.

Thomson blickt noch einmal auf die Kenterung zurück und sagt: “So etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich schlief und wachte plötzlich in einem umgedrehten Boot auf, das sich schnell mit Wasser füllte.” Aber nun, da das Boot wieder sicher im Hafen sei, könne sich das Team wieder voll und ganz der Vendée Globe Kampagne widmen. “Wir haben schon vorher Probleme überstanden, und ich bin genauso entschlossen wie zuvor, erfolgreich zu sein.”

Hugo Boss, Thomson

Alex bei der Arbeit. © Hugo Boss

Thomson erhält die volle Unterstützung seines CEO Stewart Hosford. “Wir sind sehr froh, dass das Schiff wieder am Steg liegt und werden nun hart daran arbeiten, die Probleme aus dem Weg zu schaffen, um das Trainingsprogramm so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Unser Fokus liegt nach wie vor auf der Vendée Globe.”

Kein Einzelfall

Das Schicksal der “Hugo Boss” ist kein Einzelfall. 17 von 42 Teams haben schon aufgegeben. Das entspricht einem Prozentsatz von 40,5 und das ist deutlich mehr als zuvor beim Transat als bis zu 25 Prozent der Flotte nicht ankamen.

Die Organisatoren weisen aber darauf hin, dass es schwer ist einen übergeordneten Grund dafür zu finden. So seien die Ausfälle unterschiedlicher Natur. Natürlich weise der Abbruch von vier der fünf Neubauten darauf hin, dass sie zu zerbrechlich gebaut seien.

Jean Pierre Dick, der mit der neuen “St-Michel Virbac” umdrehen musste sagt: “Ich bin sehr enttäuscht, aber wir müssen konstruktiv weiter arbeiten, um mit den Booten einmal sicher bei 100 Prozent segeln zu können. Dabei beschäftigen wir uns mit den Designern jetzt schon mit der Version 2.0  Das sind alles noch Prototypen. Wir müssen sie entwickeln. Und wir wussten, dass wir viel lernen müssen mit dieser Generation der Foiler Yachten. Wir arbeiten schon für die Zukunft.”

Foiler gibt Gas an der Spitze

Auf der anderen Seite zeigt aber “Banque Populaire”, dass das Team offenbar schon deutlich weiter ist als die Konkurrenz. Armel Le Cléac’h und Erwan Tabarly haben bis zu den Azoren gewartet und dann richtig Gas gegeben im Dreikampf um die Spitze. In drei Tagen segelten sie parallel zum führenden Vincent Riou mit der “PRB” gut einen Knoten schneller und nahmen ihm 60 Meilen ab.

In den Doldrums ist der Vorsprung gerade wieder verloren gegangen. Da mögen die Schwächen des Foilers bei wenig Wind aufgedeckt worden sein. Aber Le Cléac’h gelingt es offenbar schon, die Flügel von “Banque Populaire” gewinnbringend einzusetzen.

“Macif” zieht davon

Das scheint auf den ersten Blick auch für den Zweikampf der großen Tris an der Spitze zu gelten, auf die die 60 Fußer zeitweise bis auf 200 Meilen heran gefahren waren als sie lange in der Flaute lagen. “Macif” ist ja ebenfalls mit einem Foil ausgestattet. Aber diese Tragfläche kommt nur mit Wind von Steuerbord zum Einsatz. Das andere Foil ist nicht rechtzeitig fertig geworden. Aber bisher kam der Wind überwiegend von der anderen Seite.

So scheint es wirklich fast so, als hätte Vendée Globe Sieger Francois Gabart mit seinem älteren Gegner “Sodebo” gespielt. Er blieb lange Zeit nahe bei Thomas Coville und zog nun nach den Doldrums vorbei. Sinn würde diese Taktik durchaus machen, da “Sodebo” wie beim Two Boat Testing ein guter Gradmesser ist, um Informationen über das Potenzial des eigenen Neubaus zu erhalten. Denn der wurde ja eigentlich für den einsamen Kampf gegen die Uhr gebaut.

Gabart überholte Coville vor einem Tag und hat nun bei der Annäherung an die brasilianische Küste schon einen Vorsprung von 90 Meilen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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