Transat Jacques Vabre: Tri „Arkema“ gekentert, Boxenstopp für „Macif“, „mare“ Zweite

Hektisches Wochenende

TJV, Macif

Gabart und Desjoyeaux auf dem Weg zum Boxenstopp nahe Cascais © delaunay

Zunächst Startverschiebung für alle wegen Sturm, dann Abbruch für die Class 40 und „Abwettern“ im Schutzhafen, Kenterung, Reparaturen… die TJV bietet alles, außer Langeweile!

Die Favoriten Gabart und Desjoyeaux lagen auf ihrer IMOCA „Macif“ souverän in Führung, als sie „gegen irgendetwas, das nicht sichtbar etwa einen halben Meter unter der Wasseroberfläche trieb “ mit ca 12 kn Geschwindigkeit krachten. „Das Steuerbord-Ruderblatt ist zu stark beschädigt, um damit über den Teich zu segeln!“ machte Vendée Globe-Sieger Gabart seinem technischen Team an Land über Funk klar. Und gab gleich den Nothafen an, den sie anlaufen werden: Peniche im Norden von Cascais, Portugal.

Wie professionell das „Macif“-Team aufgestellt ist, wurde in den folgenden Stunden mehr als deutlich: Techniker und Ersatz-Ruderblatt wurden eingeflogen, Boot und Technikteam kamen etwa gleichzeitig in Peniche an, das Ruderblatt wurde ausgewechselt und um 14 h segelten Gabart und Desjoyeaux gestern wieder los.

Rein rechnerisch lagen sie da noch auf Rang 4, mittlerweile haben sie sich wieder „eingefädelt“, sind in unmittelbarer Nähe zu ihren wichtigsten Konkurrenten „Safran“ (derzeit in Führung) und “PRB“ und pflügen mit einem Bootsspeed von 16,2 kn Richtung Madeira.

arkema, TJV

Kenterten letzte Nacht 200 sm westlich von Lissabon: Arkema © tjv

Kenterung in drei Sekunden

Weniger Glück hatten Lalou Roucayrol und Mayeul Riffet auf ihrem Trimaran Multi50 „Arkema“. Sie kenterten gegen 22h Ortszeit ca. 200 sm westlich von Lissabon. Bei eigentlich moderaten Wind- und Wellenbedingungen bauten sich gerade einige Böen auf, die von der Crew nicht richtig eingeschätzt wurden.

„Unter Gennaker reagierten wir gleich bei der dritten oder vierten Böe wohl zu langsam, und schon war’s um uns geschehen! Die Kenterung Dauerte nicht länger als 3 Sekunden“ beschrieb Roucayrol später die Situation. Die beiden Segler blieben an Bord und warteten zurzeit im Inneren des Bootes die Nacht über auf Rettungsteams.

„Die Situation war nach der Kenterung schnell unter Kontrolle, es gab offenbar keine gravierenden Schäden am Rumpf, die „Arkema“ schwimmt stabil“ ließ die Regattaleitung heute Morgen verlauten. „Was uns jedoch richtig sorgte, war Yann Eliès auf „Fenetra A Cardinal“ , unsere direkten Konkurrenten!“ beschrieb Riffet.

Fast überfahren

Denn die fuhren mit relativ knappem Abstand – aber im Dunkeln eben nicht auf Sichtweite – sozusagen Matchrace mit Arkema. „Nur wenige Sekunden nach der Kenterung haben wir Ellies unsere Position durchgegeben – und tatsächlich: Sie segelten nur mit ein paar Hundert Metern Abstand an uns vorbei, boten Hilfe an, die wir ablehnten und rasten dann weiter.

Das hätte auch richtig „ins Auge gehen können!“  Letzte Meldung von Bord: „Das Meer ist ruhig, vielleicht können wir mit Hilfe eines Schleppers die „Arkema“ sogar auf See wieder aufrichten. Es scheint keine größeren Schäden an Bord zu geben…“

TJV

Ziemlich beschädigt: Steuerbord-Ausleger Maitre Jacques nach Havarie © MJ

Nur wenige Stunden zuvor kollidierte der Multi50 „Maitre Jacques“ (Skipper Loic Fequet und Contin) mit einem Gegenstand im Meer. Der Trimaran wurde schwer am Steuerbord-Ausleger beschädigt, kann aber selbständig bis zum nächsten Nothafen segeln!

Riechers weiter auf Rang 2

Die Class-40-Flotte startete nach ihrem Sicherheitsstopp in Roscoff, wo sie das x-te Tief der letzten Wochen abwetterten, gestern im Morgengrauen erneut Richtung Brasilien. Die deutsche „mare“ mit Jörg Riechers und Pierre Brasseur wurde auf Rang drei mit 25 Minuten Abstand zum Schwesterschiff “GDF Suez”, das als Erstes im Nothafen einlief, auf den Weg geschickt. Inzwischen hat “mare” aber die zweitplatzierten Spanier auf ihrer “Tales” überholt.

Mit nunmehr 15-17 kn Windgeschwindigkeit können die Class-40-Segler auf der Rückseite des letzten Tiefs ohne größere Probleme durch die Biskaya eilen; das spanische Cap Finisterre dürfte nochmals mit klassischem Kap-Effekt für diffizile Strömungs- und Windverhältnisse sorgen, doch die Meteorologen sagen eher abflauende Winde für die Passage vorher.

Angeführt wird das 26-Boote starke Feld der Class 40 weiterhin von “GDF Suez” mit Sebastien Rogues als Skipper, doch Jörg Riechers konnte auf der „mare“ bereits einige Seemeilen gegenüber seinem Konkurrenten aufholen. Der Rückstand beträgt 21 Meilen.

Es bleibt also spannend beim TJV – in jeder Hinsicht!

Tracker

TJV, mare

Riechers weiterhin souverän auf Rang 2 mit angriffslustigem Blick nach vorn © TJV

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Michael Kunst

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4 Kommentare zu „Transat Jacques Vabre: Tri „Arkema“ gekentert, Boxenstopp für „Macif“, „mare“ Zweite“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Da schreibt Ihr einen Artikel über Müll im Ozean und dann hört man wieder von Kollisionen mit UFOs auf See. War das früher auch schon so, oder gibt es mehr Segler oder mehr Unrat im Wasser? Kollisionen mit UFOs scheinen nach meinem Gefühl schon fast zum “guten Ton” zu gehören. Sowas passiert ja scheinbar laufend.

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  2. avatar Friedrich sagt:

    Viel Müll gibts auf jeden Fall. Aber mal ehrlich: Kann irgendjemand bei Nacht wirklich unterscheiden, ob der Knall von dem Aufprall eines Rumpfanhangs an ein UFO oder vom Bruch des Foils schlicht wegen dynamischer Überlastung stammt? Mir brechen da in letzter zeit ein paar zu viele Kiele und Ruder wegen irgendwelcher Ufos. Ich fürchte da knackt auch häufiger mal was weg, was einfach nicht stabil genug war.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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