Transat Jaques Vabre: Anna-Maria Renken berichtet von Bord der “Gust Buster”

Harte Tage auf See

Anna-Maria Renken (r.) und Jakica Jeshi auf der Class 40 von Celox Sailing. © Celox

Mann, Mann, Mann – die zweite Front hat uns vor einer Stunde ausgespuckt und wir haben endlich etwas Ruhe. Die letzten drei Tage waren hart – physisch und psychisch.

Das Boot reagiert bisher sehr gut auf den starken Wind, und wir gewinnen immer mehr Vertrauen. Dennoch läuft die Welle teilweise so verquer, dass ein Großteil der Energie beim Bewegen an Bord draufgeht.

Auf den Eimer gehen dauert jedes Mal zehn Minuten – Rettungsweste runter, Smock ausziehen, Büxen runter, Eimer positionieren und ausbalancieren zwischen den Füßen, ordentlich festhalten. Mit Glück erledigt die durch das Springen des Bootes enstehende Gravitation den Rest von allein. Dann wieder alles Retour und aufpassen, dass der verdammte Eimer nicht umkippt.

Gut – mehr Information diesbetreffend ist wohl nicht erforderlich. Vielleicht gibt das einen kleinen Eindruck von tausenden, die das Ganze hier nicht unbedingt leichter machen.

 

Die "Gust Buster" auf dem Weg über den Atlantik. © Celox

Vor zwei Tagen schrieb Anna:

Wir freuen uns über unsere Position und werden relativ konservativ weiterfahren. Jetzt ist erstmal ne Runde schlafen angesagt und dann geht’s in die nächste Front.

Bisher gab’s nicht viel Gelegenheit zum Schreiben – wir sind nur am Rotieren gewesen. Start & Ärmelkanal waren nicht gerade Enspannungsprogramm. Bis heute hatten wir jede Minute irgendwas zu tun und wenn nicht, dann sind wir auf unserem Bohnensack zusammengeklappt.

Das Boot an sich ist nicht das Kräftezehrende, sondern vielmehr die Tatsache, dass es gerade mal ein paar hundert Meilen auf dem Buckel hat. Alles ist neu und bedarf intensiven Testens, wofür bisher keine Gelegenheit war. Auch wenn die Ausrüstung etc. sehr gut ist, ist ständig irgendwas abzuarbeiten, weil viele Dinge ihre Schwächen nunmal erst unter Belastung zeigen.

So dringt permanent Wasser in die Crashbox ein durch die schwierig zu versiegelnde Wasserstagsverbindung zum Rumpf. Bis gestern hat nur ein Autopilot funktioniert (heute endlich beide!!). Der Watermaker ist launisch und funktioniert nur unter milden Umständen, da andernfalls ständig Luft in das System drängt.

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18 Kommentare zu „Transat Jaques Vabre: Anna-Maria Renken berichtet von Bord der “Gust Buster”“

  1. avatar Stump sagt:

    Das Beschreiben des Umgangs mit den verschiedensten Ausscheidungsprodukten zieht sich durch ihre Artikel. Ansonsten aber sehr interessant.

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  2. avatar Grünvorneid sagt:

    Zitat: “Wir freuen uns über unsere Position und werden relativ konservativ weiterfahren.”

    Sorry, Anna, dass ich Dir Unrecht getan habe. Was ich für Unfähigkeit hielt, war also in Wirklichkeit Taktik. Dann viel Spaß beim “relativ konservativ weiterfahren”!

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    • avatar stefan sagt:

      ….nun ja, immerhin sind die beiden mit ihrer konservativen Taktik immer noch im Rennen. Wogegen sich 30% der Teilnehmer schon verabschiedet haben.

      …ich halte das für die richtige Taktik in einem Boot, das nagelneu ist und mit dem keine ausführlichen Tests gemacht werden konnten.

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  3. avatar sailor sagt:

    Schade, dass AMR auch hier wieder öffentlich betont, dass Jaka keine Ahnung hat und sie das Boot allein fahren MUSS. Irgendwie fehlt es der Dame an Teamgeist…….

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    • avatar Owe sagt:

      Das halte ich für eine interessante Interpretation, oder beziehst du dich auf einen anderen Artikel?

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      • avatar Owe sagt:

        Sorry, hab die zweite Seite erst jetzt gefunden. Als Juristin hätte sie vielleicht etwas mehr Diplomatie lernen können.

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  4. avatar T.K. sagt:

    Mensch Kinners, der Artikel ist doch ok – kein Sonnebrillenbild, kein Akkermannsches Victoryzeichen.
    So ist das doch sympatisch!

    Und mal ehrlich – Ich habe nicht die Eier (bin aber ein Mann) um das was Sie da gerade macht durchzuziehen.

    Wer der hier Anwesenden traut sich das denn zu – sicher die wenigsten – wenn sie ehrlich sind.

    Chapeau!

    BTW: bin weder verwandt noch verschwägert noch pflege ich geschäftliche Beziehungen oder Beziehungen irgendeiner Art zu Frau Renken. Ich kenne Sie nicht einmal persönlich.

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  5. avatar C.H. sagt:

    Immerhin eine Erklärung dafür, warum so manche Frau lieber die riskante achteraus (Florence Arthaud) Variante benutzt. Hoffentlich hat AMR auch ein wasserdichtes Handy dabei.

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  6. avatar hanseatic sagt:

    Und wieder hat sich einer abgemeldet. Die Briten auf Concise 2 halten mit delaminiertem Rumpf auf die Azoren zu und berichten von 64knts Wind, die sie auf die Mütze bekommen haben. Da geht’s ja richtig zur Sache. Insofern zahlt sich das “konservative” Segeln von A&J bisher wohl aus – wenn das so weitergeht kommen die beiden – dank der zahlreichen Ausfälle – noch in den top-five in CR an ;-). Zumindest konnte bisher größerer Bruch vermieden werden. Warum allerdings für knapp 20mls der Rückwärtsgang eingelegt wurde und jetzt ein deutlicher Schlag nach Ost gesegelt wird erschließt sich mir – bei dem vorhandenen Wetterbild – noch nicht ganz. Vielleicht kann Carsten da ja mal nachhaken. Ansonsten Anna pur: wenig diplomatisch, sehr direkt in der Ausdrucksweise und keine Spur von Aufgeben. Wenn sie dieses TJV zu Ende segelt dürfte sie mächtig dazugelernt haben und hat sich allen Respekt verdient – egal für welchen Platz. Also – schauen wir mal 😉

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    • avatar Wilfried sagt:

      du sprichst mir aus dem Herzen. Die Wettertaktik sieht zumindestens auf dem Tracker komisch aus, weil sie weder die Front gekreuzt haben um danach zu wenden noch scheinbar mit versuchen maximal Süd zu machen. Die Kurslinien bei denen sich die beiden Boote im Gegenrichtung begegnen sind schon komisch. Aber, vom Schreibtisch ist gut schnacken.

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  7. avatar hanseatic sagt:

    Aktuelles von heute:
    Anna-Maria Renken (GER) Gust-Buster:
    “We have just entered into the first front, we are playing around with 30kts for now. The sun is shining, the waves are a bit more gentle, so we just hold tight and just got through them like the last two ones.
    It was windy we have been working hard and it was pretty tough for us to find the right things to do, to drink the right amount of water and just not to overpower ourselves, to save enough energy to survive the other two fronts which we are expecting. We are in a good mood. We are having a good time, the boat is really, really cool, we are getting more trust as it is the first time we are racing in her. With each front we are happier. The boat is OK we are under third reef and trinquette, and the boat is very stable and it is dry inside, so we are finding her very reliable just now. It is not too bad. We are not on the very right course for now heading 150 just now, but the wind will veer and we can go yaooooow to the Azores.
    I think we are in 10th but to be honest I do not care at the moment, we need to get south and for the moment we need to find a conservative way to get through this shitty weather, to be careful with the boat, be careful with ourselves and only worry about our position when we finish.”

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  8. avatar hanseatic sagt:

    Oh – äh, sorry Carsten. Wollte Dir nicht den job streitig machen 😉

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  9. avatar ostfriese sagt:

    08.11.2011 um 20:45

    Toll…

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  10. avatar Grünvorneid sagt:

    Nach fast sieben Tagen hat die schnellste Class 40 Yacht jeden Tag 202 Meilen Richtung Ziel gemacht. AMR hat pro Tag 138 sm geschafft. Die führende Yacht war also 45% schneller. Dies sei hier völlig wertfrei erwähnt, weswegen ich unter dieser Feststellung keine “dislikes” sehen möchte, liebe Freunde.

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    • avatar stefan sagt:

      …und wieviele Meilen hast du an deinem Schreibtisch gemacht?

      ….erstmal selber besser machen, als hier immer nur Sprüche klopfen. Lass die Mädels doch machen. Wenn sie auf dem Platz ankommen, auf dem sie liegen, dann ist das doch schon eine Leistung. Das muss man auch erstmal nachmachen.

      …wieviel Aufwand und Anspruch ein gut vorbereitetes Projekt verlangt, kannst du in dem neuen Interview mit Axel Strauss nachlesen. Und dessen ursprünglicher Partner liegt sogar noch 150sm hinter den Mädels. Und der ist sicherlich kein schlechter Segler.

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  11. avatar buh sagt:

    1. Hier darf jeder seine Meinung kundtun – ob es gefällt oder nicht.
    2. Es darf auch jeder “Dis/Likes” drücken, soviel er möchte.
    3. All das unter einem Pseudonym.

    Der Grund dafür ist, daß dieses Forum das zulässt. Und wem das nicht gefällt, der kann einfach aufhören, dieses zu lesen.
    Also weiter her mit euren Beiträgen – hier herrscht Meinungsfreiheit!!!

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    • avatar T.K. sagt:

      Grundsätzlich hast Du Recht.

      Aber dennoch ist das hier für mich kein Forum im klassischen Sinne. Es ist “unsere” “Online-Segel-Bild”. Wir dürfen die schönen Ergüsse der Autoren lesen. Anschliessend sind Kommentierungen erlaubt und erwünscht. Aber ein Forum wo jeder jeden beschimpfen darf (warum braucht man das eigentlich?) ist es für mich nicht.

      Und es gibt noch einen wichtigen Unterschied: Scheinbar ist es problemlos möglich sich ein Pseudonym zu nehmen welches bereits benutzt wird. Dadurch kann man sich sogar hinter dem Pseudonym eines anderen verstecken. Ist mir hier schon widerfahren. Es wäre empfehlenswert für die Redaktion die Pseudonyme an die nicht gezeigten email adressen zu binden. Dadurch ist eine Fremdnutzung unmöglich. Ist in jedem “üblichen” Forum so! PS: Die Redaktion kennt durch meine email meinen Klarnamen…

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  12. avatar M.P. sagt:

    Ich wünsche mir von Herzen, daß AMR irgendwie ankommt und dann noch interessant genug für die angekündigte “Profi-Segel-Karriere” ist ….. dann bleibe ich nämlich im normalen Leben vor ihr verschont.

    Alle negativen Äußerungen einfach auf “gekränkte männliche Eitelkeit” zu schieben – das ist wohl etwas einfach. Das zeigt schon allein die Anzahl dieser Beiträge.
    Vielmehr sollte akzeptiert werden, daß diese Meinungen auf persönlichen Erfahrungen beruhen. Und das darf auch gesagt werden.

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