Worldcup-Sieg für Star-Vorschoter, Kadelbach/Belcher 470er siebte

Überraschungs-Gold für Frithjof Kleen in Weymouth

Fridthjof Kleen hat stehend - so segelt man heutzutage Star - auf dem Vorschiff von Peter O´Leary den Überblick und siegt im Starboot © onEdition

Mit dem Gold-Coup von Star-Segler Frithjof Kleen an der Vorschot des Iren Peter O’Leary sowie dem siebten Platz von Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher im 470er haben die Athleten des Oldenburger EWE Sailing Team beim Finale des Worldcups in Weymouth/Südengland für die herausragenden Ergebnisse des Deutschen Seglerverbandes (DSV) gesorgt. Es waren die beiden einzigen deutschen Top-Ten-Resultate in den olympischen Disziplinen auf dem künftigen Olympiarevier.

Lasersegler Philipp Buhl bestätigte seine starke Form mit Platz elf im 170-Boote-Feld. Er scheiterte unglücklich um einen Punkt am Einzug in das Medal-Race.  Auch die Kieler 49er-Segler Tobias Schadewaldt/Hannes Baumann meldeten sich in der Weltspitze zurück und segelten mit Platz zwölf nur knapp am Medal-Races vorbei.

Die amtierenden Star-Europameister Johannes Polgar/Markus Koy segelten in der ersten Hälfte der Woche stark auf den Medaillenplätzen. Aber dann delaminierte der Mader-Rumpf ihres neues Starbootes. Polgar erklärte: „Wir sind nicht die ersten, denen das passiert ist. Vor uns waren schon Olympiasieger Iain Percy und der Amerikaner Mark Mendelblatt betroffen.

Der Mader-Star von Polgar/Koy delaminierte zur Halbzeit und bremste. Mit dem Boot der deutschen Werft holte der Brite Percy Olympia-Gold © onEdition

Wir sind im Nachhinein eher froh, dass wir den Grund für unseren plötzlichen Leistungsabfall nun kennen. Das Boot ist in der Riesenwelle hier einfach delaminiert. Dadurch ist viel Wasser in den Unterboden geflossen, das Boot war nicht mehr stabil. Die Werft hat dieses konstruktionsbedingte Problem bereits behoben. Die Reparatur ist geplant, das Boot wird zur Deutschen Meisterschaft wieder fit sein.“

Dafür war Weymouth für Frithjof Kleen einer der größten Erfolge seiner Karriere. und zwei Monate nach der Trennung von seinem bisherigen Steuermann Alexander Schlonski ein besonderer Glücksmoment. „Eine tolle Bestätigung für mich. Ich habe in den vergangenen Wochen intensiv mit internationalen Spitzenseglern wie Robert Scheidt aus Brasilien zusammen gearbeitet und werde diesen Weg weiterhin gehen“, sagte der 27-Jährige.

Obwohl ihm derzeit ein deutscher Steuermann für eine mögliche Olympiateilnahme fehlt, hat der Sportsoldat einen Start in Weymouth für 2012 nicht aus dem Blick verloren: „Ich werde weiter dran bleiben, um im Falle eines Falles sofort einspringen zu können. Olympia bleibt das Ziel.“

Kleen bewies er an Bord von des Iren Peter O’Lear, wie gut sein Fach beherrscht. In dem von Weltmeistern gespickten Feld führte er den Iren in acht der zehn Rennen in die Top-Ten, und so ging das Duo, das vom Ex-Kieler Marc Pickel zusammengeführt und betreut wurde, als Verfolger der führenden Schweden Fredrik Loof/Johan Tillander in das Medal-Race. „Voll auf Angriff“ lautete dort die Devise von Kleen, denn Bronze war ohnehin sicher.

Die Risikolust wurde belohnt. Während O’Leary/Kleen, die auf dem von Pickel gebauten P-Star schnell unterwegs waren, als Dritte die Ziellinie kreuzten, patzten die Schweden und mussten so die irisch-deutsche Kombination im Gesamtranking noch passieren lassen.

“Nach so einem guten Start ist die Enttäuschung natürlich da, aber insgesamt dürfen die beiden sich über eine tolle Saison freuen“, sagte Christiane de Nijs, Teambetreuerin des EWE Sailing Team.

Rundum glücklich war de Nijs mit ihren 470er-Frauen Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher. Nach Kieler Woche und Weltmeisterschaft war der Worldcup in Weymouth erst der dritte Start der Crew nach dem gemeinsamen Comeback.

„Eine fast perfekte Vorstellung. Taktisch sind die beiden sehr sauber gesegelt, hatten den richtigen Riecher für den Wind. Technisch haben sie noch ein wenig Potenzial, aber für die erst dritte Regatta war das topp“, sagte de Nijs und stimmte darin mit der Berlinern Kathrin Kadelbach überein: „Das Revier hat uns sehr gelegen. Wir sind mit den drehenden Winden gut zurecht gekommen und werden jetzt noch weiter hier bleiben, um auf dem Olympiarevier zu trainieren.“

Gelassen können dagegen die 49er-Segler Tobias Schadewaldt/Hannes Baumann die kommenden Wochen angehen. Für sie war Weymouth das vorerst letzte 49er-Großereignis, bevor es im November nach Australien geht. Platz zwölf als bestes deutsches Team war für die Kieler nach einer wechselvollen Saison noch einmal eine Bestätigung für den Aufwärtstrend: „Bei der EM lief es schon sehr gut, jetzt waren wir noch besser unterwegs. Das ist auch ein Beleg dafür, dass unser Trainingsunfall vom Frühjahr, als ich unter das Boot geraten bin und unter Wasser fest hing, überwunden ist“, sagte Steuermann Schadewaldt.

In Weymouth war sogar das Erreichen des Medal Races möglich, doch eine Wettfahrtaufgabe nach dem Riss des Fockfalls sowie eine Frühstart-Disqualifikation, als die beiden als vermeintliche Sieger die Ziellinie kreuzten, verhinderten eine bessere Platzierung. Mit diversen Rängen in den Top-Ten sowie einem Tagessieg bewiesen Schadewaldt/Baumann indes ihre internationale Klasse.

Für die Teambetreuung waren die Erfolge von Weymouth nicht nur für das Selbstbewusstsein wichtig, sondern auch um entscheidende Daten für Olympia zu bekommen. „Wir haben hier Strömungs- und Wetterdaten auf allen Bahnen bei den unterschiedlichsten Bedingungen sammeln können. Diese Woche war sehr gut zum Testen“, sagte Christiane de Nijs

Für die aufstrebende Surferin Moana Delle (21) war nach eigener Aussage der 17. Rang unter den 50 Starterinnen nur von untergeordneter Bedeutung. Wichtiger sei für sie nach hartem Kraft- und Konditionsaufbau in den vergangenen Wochen das Gefühl für das Brett und die frischen Erfahrungen auf dem künftigen Olympiarevier gewesen, heißt es in ihrer Pressemitteilung.

So konnte die Wahl-Kielerin feststellen, dass Weymouth besondere Anforderungen an die Surfer stellt. „Die Kreuzkurse waren hier besonders lang. Man muss aufpassen, nicht die Übersicht zu verlieren. Da wir zudem auf der inneren Bahn surfen, ist es eher ein Flachwasser-Revier und der Speedfaktor viel entscheidender als anderenorts“, erklärte die für den Segelklub Bayer Uerdingen startende Athletin.

Zwei schlechte Ergebnisse ließen Moana Delle, die zuvor knapp hinter den Top-Ten agierte, im Gesamtranking noch etwas abrutschen. Zudem wurde sie im sechsten von zehn Wettfahrten von einer gebrochene Segellatte gestoppt. Durch die Rennaufgabe hatte sie ihr Streichresultat damit schon eingefahren.

Der Blick der gebürtigen Münsteranerin geht nun nach vorn: „Ich freue mich auf die WM und fühle mich gut. In Weymouth habe ich noch einmal an meinem Start-Timing arbeiten können und war damit sehr zufrieden. Jetzt möchte ich zum Saisonhöhepunkt meine beste Leistung abrufen und hoffe, dass der Formaufbau passt.“ Nach einer Woche in Kiel, geht es am kommenden Wochenende nach Dänemark.

Zu den sicheren Leistungsgaranten des neuen Audi Sailing Team Germany gehörten in England einmal mehr die Paralympics-Sieger um Skipper Jens Kroker (Münster), die aber als Vierte mit zwei Punkten Rückstand auf den Bronzeplatz dieses Mal ohne Medaille heimkehren müssen.

Das Match Race Team um mit den Hahlbrock Schwestern und Kerstin Schult landete auf Platz zehn von 26 Teams. Nach Platz drei in ihrer Gruppe verpassten die Hamburger das Weiterkommen  in der Hoffnungsrunde knapp.

(Quellen: u.a. Pressemitteilungen EWE Sailing Team, DSV, Moana Delle)

Ergebnisse

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Carsten Kemmling

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