United Internet ist endgültig raus aus dem America´s Cup

Uups, da lebte noch einer?

Von Carsten Kemmling

Das United Internet Team Germany beim Zweikampf mit den Franzosen. Schümann musste inzwischen die Seiten wechseln. © Richard Walch / United Internet Team Germany

Uups, da lebte noch einer? Russell Coutts wird sich über die News aus der America´s Cup Gruft erschreckt haben. Aber nun ist es Gewissheit. Das United Internet Team Germany hat sein Leben ausgehaucht. Ex Teamchef Michael Scheeren hat es die Segelwelt wissen lassen.

United Internet zeigte Flagge beim America´s Cup 2007 mit der ersten deutschen Teilnahme. © Richard Walch / United Internet Team Germany

Es hört sich ziemlich wichtig an. So als hätte man bei United Internet lange Zeit gegrübelt, gezögert, gezaudert um dann schweren Herzens die Entscheidung gegen eine weitere Herausforderung zu fällen. Wie die Briten.

Und so wird die Nachricht auch bei einigen internationalen Medien aufgenommen. Nach den Briten sind nun auch die Deutschen draußen. Tatsächlich existiert  das Team schon lange nicht mehr. Es gibt Schiffe und eine Halle in Valencia, aber schon lange keine Menschen mehr.

Jochen Schümann hatte die Hoffnung längst aufgegeben, Ralf Dommermuth seine Vision von einer Wettkampf-Plattform unterjubeln zu können. Er kämpfte lange dafür, ein international,

Ein Bild aus besseren Tagen im September 2007. Ralph Dommermuth (l.) und Jochen Schümann freuen sich auf den nächsten gemeinsamen America´s Cup. © Richard Walch / United Internet Team Germany

deutsches Team beatmen zu dürfen, um dann, wenn es endlich mit dem Cup losgehen würde, einen Schnellstart zu haben.

United Internet wollte nur ein Sponsoring in direkter Verbindung mit dem Cup in Erwägung ziehen. Dass aber mangels deutscher Segler auf einem hohen internationalen eine Herausforderung nicht möglich sein würde, war ihm nicht zu vermittelt.

Die America´s Absage von Dommermuth ist also nicht gestern entschieden worden sondern Ende März 2008. Der Gerichtsstreit zwischen Alinghi und BMW Oracle und die damit verbundene ungewisse Zukunft des Cups hatte die Entscheidung erzwungen.

Vorher hatte United Internet lange loyal zu seinen Seglern gestanden. Andere Cup Teams hatten früher die Segel gestrichen. Aber Schümann war nach dem Bruch schließlich sauer, dass Dommermuth seiner Vision nicht folgen konnte. Denn er hatte eine äußerst schlagkräftige Truppe zusammengestellt.

Am 19.9.2007 war das neue Team Germany am Starnberger See der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Neben United Internet war jetzt Audi an Bord und Porsche Consulting. Karol Jablonski sollte das Schiff steuern, Schümann fungierte als Teamchef. Der Alinghi-Cupper SUI 91 war gekauft worden.

Das waren optimale Voraussetzungen für einen Neustart. Nie war eine deutsche Kampagne besser aufgestellt. Man konnte euphorisch sein ob der rosigen Zukunft für den deutschen Segelsport.

Die Euphorie war groß 2007. Gebündelte Kräfte für den Cup. Willy Kuhweide (Kommodore DCYC), Rupert Stadler (Vorstand-Vorsitzender AUDI AG), Michael Scheeren (Syndikatschef), Jochen Schümann (Teamchef), Ralph Dommermuth (Vorsitzender United Internet AG), Karol Jablonski (Steuermann)und Eberhard Weiblen (Porsche Consulting) © Richard Walch / United Internet Team Germany

Aber man kann Ralph Dommermuth nicht vorwerfen, dass er irgendwann die Lust verloren hat. Der Ärger während der Kampagne für 2007 und das schlechte Ergebnis hätten für viele ausgereicht, einen schnellen Schlussstrich zu ziehen. Und Herzblut steckte wahrlich nicht in der Kampagne aus Montabaur.

Ein schnelles Ende 2007 wäre logisch gewsesen. Aber Dommermuth wollte sich offenbar einen besseren Abgang. Vielleicht sah er den America´s Cup auch als Unfinished Business. Er wollte, dass seine Anfangsinvestition noch einmal Früchte trägt.

Vielleicht hat eine konventionelle AC-Kampagne tatsächlich noch bei den Überlegungen in Montabaur eine Rolle gespielt. Aber der neue Cup mit Flügel-Katamaranen ist für neue, junge Teams noch mehr außer Reichweite geraten.

Aber auch Jochen Schümanns Idee vom Bau der Plattform, die dazu dient, einen Pool von Seglern und Designern für den nächsten Cup zusammen zu halten, ist mehr oder weniger gescheitert. Denn das spezielle Monohull-Know-How spielt für die Schlacht der Mega-Katamarane kaum noch eine Rolle.

Nun ist United Internet wohl endgültig raus aus dem Segelsport. Deutschland wird vermutlich wieder einmal für lange Zeit von der Landkarte des internationalen Premium Segelsports verschwunden sein. Es dürfte wenige Unternehmen geben, die Schlange stehen. Schade eigentlich.

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „United Internet ist endgültig raus aus dem America´s Cup“

  1. avatar hurghamann sagt:

    Ach komm. Den Couts wird es nicht interessieren es stehen genug deppen bereit die sich für ein paar millionen in den USA eine niederlage abholen wollen. Auch United Internet war für mich rausgeworfenes geld – was hätten wir damit für jugend und nachwuchsarbeit machen können…..

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  2. avatar Marc Bäuml sagt:

    ich glaube Ralph Dommermuth ist selbst leidenschaftlicher Segler genug und so eine Absage tut ihm bestimmt auch weh. Aber irgendwann muss man die Reißleine ziehen, denn auch die United Internet AG hat nicht unendlich viel Geld. Dazu ist 1&1, GMX und Co dann doch ein zu kleines Licht um mit BMW und Oracle mitzuhalten. Schade ist es für den deutschen Segelsport und die vorher gebündelten Kräfte.

    Stimme aber meinem Vorredner zu, das ganze Geld hätte man vielleicht besser in die Jugendarbeit in Segelvereinen stecken können.

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