Uwe Röttgering beim Rolex Fastnet Race: Aufkleber gegen Ballast-Betrug

"Dieses Rennen wird mich nie wieder sehen"

Bitte aufkleben! Die Fastnet-Race Teilnehmer müssen solche Erinnerungshilfen an Bord befestigen. © seefieber.de

Bitte sonstwo hinkleben…

Die Veranstalter des Fastnet haben mir einen Aufkleber geschickt, den ich unterschreiben und gut sichtbar an Bord hinkleben soll. Während das OSTAR 2009 und das AZAB 2011 in Sachen Papierkram und Kontrollen recht entspannt waren, habe ich den Eindruck, dass man beim Fastnet Veranstalter, dem RORC, einigermaßen am Rad dreht.

Ein schriftlicher Hinweis in den Regattaanweisungen hinsichtlich des Umstauens von Ballast und der Haftung hätte genügt. Sich dies als Aufkleber auf das Boot pappen zu müssen, finde ich hochgradig albern. Eines weiß ich jetzt schon: dieses Rennen wird mich, völlig unabhängig vom Ergebnis, nie wieder sehen. Zumindest nicht, wenn ich die Anmeldung machen muss.

Einer meiner Mitstreiter beim OSTAR 2009 sagte mir, als ich ihn damals nach dem Fastnet gefragt habe, dass er nicht glaubt, dass dieses Rennen etwas “für Leute wie uns”(also leicht verschrobene Gestalten, die eine Formularallergie haben) sei. Jetzt ist mir klar, was er damals meinte.

Der zweite Tag auf See

Gegen Abend des zweiten Tages hatten wir den Zielhafen Plymouth querab. Und während für uns das Rennen gerade erst angefangen hatte, kamen uns schon die französischen Riesentris entgegen, die nur noch zwei, drei Stunden vor sich bis zur Ziellinie hatten. Unsere Route führte uns durch ein Vehrkehrstrennungsgebiet westlich von Lands End und die große Frage war, wie man dieses Gebiet quert, ohne disqualifiziert zu werden, aber auch ohne Weg zu verschenken.

Über Funk habe ich mich beim Skipper der in der Nähe segelnden “Nordwind” nach seiner Ansicht zu dieser Frage erkundigt. Der wusste aber auch nicht, wie das Problem zu lösen ist. Dank Landnähe hatten wir für kurze Zeit eine brauchbare Internetverbindung über Handy und ein Blick auf marinetraffic.com brachte die Lösung: alle vor uns liegenden Yachten haben so getan, als gäbe es das Verkehrstrennungsbebiet nicht und sind dort schräg hindurch gesegelt. Wir also hinterher…

Die Nacht über konnten wir bei viel Wind den Fastnet Rock noch anliegen lassen, doch inzwischen sind wir wieder an der Kreuz. Es sind noch 70 Meilen bis zu diesem berühmten Felsen, und wir haben gerade den landfernsten Punkt des Rennens erreicht. Ja, man glaubt es kaum: bei diesem “Hochsee”-Rennen ist man nie weiter als 70 Meilen vom nächsten Land entfernt. Sonst alles ok an Bord.

 

 

 

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „Uwe Röttgering beim Rolex Fastnet Race: Aufkleber gegen Ballast-Betrug“

  1. avatar Martin sagt:

    […] “und die große Frage war, wie man dieses Gebiet quert, ohne disqualifiziert zu werden” […]

    Wie wäre es denn wenn man sich vor einem solchen Rennen darüber Informiert wie man, wann, wo, zu fahren/segeln hat??

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    • avatar hanseatic sagt:

      So etwas sollte eigentlich in den Segelanweisungen für die Regatta stehen oder beim pre-start briefing abgehandelt werden – weder Erstes noch Letzteres ist offenbar vom Veranstalter veranlaßt worden. Böse Falle! Da trifft den Segler wohl kaum die Alleinschuld! Ganz nebenbei find ich’s sehr interessant wie ein Regatta-Laie wie Röttgering mal seine Sicht der Dinge schildert (für den ist das, im Gegensatz zu den meisten anderen hier schließlich Neuland) und das ohne Rücksicht auf die eigene Reputation. Wenn er erstmal über die Linie ist wird er seine Meinung über das Race sicher noch ein wenig relativieren – immerhin hat er dann das Fastnet “survived” 🙂

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  2. avatar Fastnetwinner sagt:

    Diesen Aufkleber gibt es nur, weil ein deutscher Teilnehmer und hauptberuflicher Pulloverstricker aus der Mönckeberg Straße 1987 beschissen hat. Ohne diesen Deutschen gäbe es diesen Aufkleber überhaupt nicht. So gesehen kein rein englisches Thema. Das mit dem VTG sollte man in der Tat vorher geklärt haben. So gesehen ist es sehr anständig von Uwe Röttgering die wenigen Startplätze nächstes Mal den Leuten zu überlassen die wirklich zum Rock wollen und sich entsprechend adäquat vorbereiten.

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  3. avatar Frankie sagt:

    Ich denke, Uwe Röttgering ist durchaus in der Lage, ein VTG zu durchqueren. Leider gibt es aber immer wieder bei Regatten die hirnrissigsten Sonderregelungen für alles. Anscheinend war er ja auch nicht der einzige, der es nicht wusste. Insofern sei es ihm nachgesehen.

    @fastnetwinner : Aus dem Namen und dem Kommentar trieft ja nur so der Neid, etwa keinen Platz mehr bekommen ?? Auch das gehört zu einer adäquaten Vorbereitung 🙂

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    • avatar Fastnetwinner sagt:

      @Frankie: Aus meinem Kommentar trieft überhaupt nichts und ich muss gestehen, daß ich Deine Annonce an mich schon eine Ecke dummdreist und unverschämt finde. Grüße aus den schwedischen Schären vom bewusst regattafreien Familien-Urlaub!

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      • avatar Wilfried sagt:

        Jungs, bleibt mal locker. Der Pulloverstricker ist auch nicht der einzige der beschissen hat, sondern der der sich hat erwischenn lassen. So ist das im Sport und ich will nicht wissen was auf Regatten so alles umgestaut wird.
        Das Fastnet-Race lebt von der Faszination des Rocks und wenn man mal schaut welche hochprofessionellen Schiffe aus England dort in “Rekordzeit über den Kurs treiben” sieht man das das Race für die Engländer genauso ein Event wie die Rundum-Regatten für die Dänen sind. Über den sportlichen Wert einer solchen Regatta außerhalb von Einheitsklassen braucht man auch nicht zu diskutieren. Und wer gerne segeln will muss wie überall auf der Welt rechtzeitig melden.
        So jetzt könnt ihr auf mich draufschlagen.

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