Uwe Röttgering mit “FanFan” im Startgetümmel beim Rolex Fastnet Race

"...wie laut Skipper schreien können"

FanFan mit dem Gennaker am Spibaum. Die Kreuz bei starkem Wind ist ihr Schwachpunkt. ©

Den Start zum Fastnet werde ich so schnell nicht vergessen. Auf dem Solent tummelten sich hunderte von Yachten. Darunter einige Riesentrimarane, Volvo 70s und Open 60s, deren Riggs alles andere überragten. Hubschrauber knatterten über uns hinweg und die Berufsschifffahrt versuchte, sich durch das Getümmel auch noch ihren Weg zu bahnen.

Die Trimarane gingen 50 Minuten vor uns über die Linie und waren kurz später nur noch kleine Punkte am Horizont. Es ist einfach unglaublich, mit welcher Geschwindigkeit die Boote untertwegs sind. Mich würde es nicht wundern, wenn der Sieger schon nach
zwei Tagen in Plymouth einläuft.

Blick von der FanFan. Kurz nach dem Start zum Fastnet-Race rasen die Volvo70 "Abu Dhabi" und "Groupama" vorbei. © seefieber.de

Die Startphase unserer Gruppe (IRC 3) war sehr hektisch und das Feld kam kurz vor dem Schuß extrem dicht zusammen. Nun fehlt mir für solche Situationen die Routine und die Ausweichregeln habe ich auch nicht so verinnerlicht, dass meine Entscheidungen in Sekundenbruchteilen fallen.

Da lasse ich mir sehr zum Entsetzen einiger anderer Segler schon mal ein paar Sekunden Zeit, bis ich Ruder lege. Nicht zuletzt auch deswegen, weil ich einer Kollision mit z.B. einer J109 mit großer Gelassenheit entgegensehen kann. Jetzt weiß ich wenigstens, wie laut Skipper schreien können, die Angst um ihre Yacht haben.

Bei uns ist alles gut gegangen, aber wie zu hören war, hat es einige Kollisionen gegeben, die schwere Schäden zur Folge hatten. Mein Mitsegler Wolfgang hatte ein gutes Gespür für das richtige Timing und so sind wir praktisch mit dem Schuß über die Startlinie gegangen.

Doch leider zeichnete sich nach kurzer Zeit ab, dass dies unser einziges Erfolgserlebniss des Tages bleiben sollte. Unter Fock und Groß sind wir bei 20 Knoten Wind den Solent nach Westen heraus gekreuzt und mussten schnell sehen, dass die meisten Yachten unserer Gruppe deutlich mehr Höhe als wir laufen konnten.

FanFan am Wind. Sie hat es schwer, mit den Rennyachten beim Fastnet Race mitzuhalten. © seefieber.de

Auch waren überraschend viele Yachten bei diesen Bedingungen noch in der Lage, Vollzeug zu fahren, während bei uns gar nicht daran zu denken war, von der Fock auf die Genua zu wechseln. Ich weiß, dass FANFAN! trotz ihrer geringen Breite keine Kreuzmaschine ist, aber so abgehängt zu werden, war dann doch bitter.

Der erste Positionsreport hat uns in den beiden Klassen, die für uns von Bedeutung sind (IRC 3 und Zweihand), dann auch die rote Laterne angehängt. Zum Glück kann man sich meist damit trösten, dass es anderen noch schlechter ergangen ist, als einem selber.

So kam uns eine Yacht mit gebrochenem Mast wieder entgegen und auf einer anderen konnten wir beobachten, wie zwei Crewmitglieder vergleichsweise verzweifelt damit beschäftigt waren, die Ankerpiek mit einem Eimer zu lenzen.

Mit dem Nachlassen des Windes konnten wir bei Einbruch der Dunkelheit auf die Genua wechseln und haben seitdem über Nacht in beiden Klassen gut 10 Plätze gut gemacht, was für die nächsten Tage hoffen lässt.

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Uwe Röttgering

… der, der das Blauwasser Segeln liebt, aber zu immer schnelleren Schiffen tendiert – ob das am Einfluss von SR liegt ? ;o) Mehr findest Du hier.

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Ein Kommentar „Uwe Röttgering mit “FanFan” im Startgetümmel beim Rolex Fastnet Race“

  1. avatar hanseatic sagt:

    Kann nicht mal jemand den Uwe zu einer Drachenregatta auf der Alster einladen damit er seine Schreckhaftigkeit verliert?

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

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