Per IMX 40 Rund Skagen

Uwe Röttgering berichtet von Bord. "Es gibt viel zu lernen"

Was ein Weltum- und Fahrtensegler alles so spannend findet bei einer Regatta: Hier wohl die Startpistole. © U. Röttgering

Den bekennenden Fahrtensegler und SEGELreporter UWe Röttgering hat offenbar das Regattafieber gepackt. Er segelt zurzeit das Pantaenius Rund Skagen Race und berichtet von Bord. Eigentlich wollte mit einer Class 40 starten. Aber das Charter-Boot hatte auf dem zum Start eine schwere Grundberührung. Das Unternehmen Rund Skagen drohte zu scheitern. Aber sein Kumpel und Profi-Skipper Oliver Schmidt-Rybant organisierte eine IMX 40 als Ersatzboot. Hier seine ersten Berichte:

“Unter Regattaseglern heißt es, dass es das Schwierigste sei, überhaupt an den Start zu kommen. Das stimmt. Nachdem die Yacht, auf der ich am Pantaenius rund Skagen Rennen teilnehmen wollte, kurz vor Beginn der Nordseewoche mit einem schweren Schaden an der Kielaufnahme ausgefallen war, sah es zunächst so aus, als ob die Regatta von Helgoland nach Kiel für mich ins Wasser fallen würde. Nur dem Einsatz von Skipper und Co-Skipper, die kurzfristig noch eine Ersatzyacht organisieren konnten, ist es zu verdanken, dass der Start zur Regatta nun doch in greifbare Nähe gerückt ist.

...Ein Mega Päckchen © U. Röttgering

Am Samstag haben wir in Kiel eine IMX 40 übernommen und diese durch den Nord-Ostsee-Kanal 73sm unter Motor bis nach Cuxhaven überführt. Das Boot ist eine sportliche 12 Meter Yacht, mit teuren Segeln und dem Potential in ihrer Klasse vergleichsweise weit vorne mit zu segeln. Dadurch, dass alles sehr kurzfristig war, sind noch kleine Ausrüstungsdefizite vorhanden. Die offiziell erforderlichen Papierseekarten von der Nordsee fehlen noch (auf dem PC sind die aktuellen Karten installiert) und gemeldet sind wir bislang nur mündlich.

Für mich als Fahrtensegler gibt es hier viel zu lernen. Zum Beispiel, dass eine Regattayacht unbedingt ein Karbonsteuerrad mit gefühlten 5 Meter Durchmesser braucht. Oder, dass ein Dampferlicht, eine Dreifarbenlaterne, ein Handscheinwerfer, eine Kompassbeleuchtung oder eine zweite Lademöglichkeit für die Batterien verzichtbarer Luxus sind. Um den Seglern ein ganz unmittelbares Naturerlebnis zu ermöglichen, haben die Konstrukteure dafür gesorgt, dass man im Cockpit jeden Spritzer abbekommt. Ja, die “Dolce Vita” ist ein echtes Sportboot.

Die Crew besteht aus sieben Leuten. Profiskipper Olli soll uns zum Klassensieg führen. Und wenn wir alles tun, was er sagt, dann könnte das auch klappen (solange es keinen Bruch gibt). Denn Olli ist eine echte Kapazität auf seinem Gebiet. Obwohl ich ja auch schon ein paar Meilen gesegelt bin, kann ich mir einiges von ihm abschauen. So hat er gestern die “Dolce Vita” im Cuxhavener Yachthafen ohne Motor zum Liegeplatz geschaukelt (ja, geschaukelt).

Die Wettervorhersage für den Starttag am Montag Vormittag lautet auf NW 5-6, was bei einem Generalkurs von Nord eine nasse und sportliche Nummer werden kann.

Zweiter Tag: Wir haben uns durch eine dicke Nebelsuppe die Elbmündung hinab nach Helgoland gehangelt. Ohne Radar kein ganz risikoloses Unterfangen….

Der Hafen von Helgoland ist proppenvoll – wir liegen als elftes Boot im Päcken, der erste Landgang wird also eine schöne Kletterpartie. Bis morgen gibt es eine Menge zu erledigen, wenn wir tatsächlich am Start erscheinen wollen…

Der Regattastart ist für heute Nachmittag angesetzt. Die Yachten werden mit einem Tracker ausgestattet, der es ermöglichen soll, dass der Rennverlauf auf der Seite www.nordseewoche.org zu verfolgen ist. Leider ist es weiterhin kalt, nass und diesig und man kann sich nur darüber wundern, dass es Menschen gibt, die sich so etwas freiwillig antun. Das alte Lied beim Segeln eben… PS: Co-Skipper Felix hat ausdrücklich gebeten, in diesem Rundbrief erwähnt zu werden. Dies sei hiermit geschehen.

Wi haben uns auf eine harte Nacht eingestellt. Die nächsten 24 bis 36 Stunden werden wir wahrscheinlich hoch am Wind gegenan bolzen. Böen bis 30 Knoten würden mich laut Wetterbericht nicht überraschen. Eine Reihe von Teilnehmern hat aufgrund der Wettervorhersage die Teilnahme abgesagt. Ob wir das Ziel überhaupt direkt anliegen lassen können, ist ungewiss. Ein Holeschlag nach Westen ist eingeplant. Der Generalkurs ist für die nächsten 86 Meilen 350 Grad, dann können wir etwas abfallen. Sollten die Langfristvorhersagen stimmen, könnte das Rennen in der Ostsee dann zum Flautenpoker werden.

Kurz vor dem Start haben wir noch einen GPS Tracker bekommen, den wir ungemein fachmännisch mit Klebeband an Deck befestigt haben.

Der Link zum Tracker: http://pantaenius.de/de/home/tracker-rund-skagen-2010.html

Wir sind um 18.31 über die Startlinie. Aus Gründen, die noch analysiert werden müssen, waren wir nicht die ersten, aber Olli hat den Start in dem Getümmel prima hinbekommen. Jetzt kreuzen wir Richtung Norden und sind gerade dabei, das Feld von hinten aufzurollen….”

Carsten Kemmling
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