Vendée Globe: Alex Thomson auf “Hugo Boss” bricht die Ruderstange

"Ziemlich fertig"

"Hugo Boss" hält erstaunlich gut mit an der Vendée Globe Spitze. © Hugo Boss

“Hugo Boss” hält erstaunlich gut mit an der Vendée Globe Spitze. © Hugo Boss

Bei der Vendée Globe hatte Alex Thomson an Bord seiner “Hugo Boss” am Wochenende eine intensive Bastelarbeit zu verrichten, um den Anschluss an die Spitzengruppe zu halten. Sieben Stunden war er beschäftigt, um eine gebrochene Ruderstange zu reparieren.

Der Brite, der mit seiner fünf Jahre alten ex “Veolia Environnement” – Roland Jourdain gewann damit 2010 die Route du Rhum – bisher überraschend in der Spitzengruppe der ersten sechs Yachten mithalten kann, berichtet über ein Problem mit dem Hydro-Generator.

“Als mir die Batterieladung ausging kippte ich den Hydrogenerator am Heck ins Wasser und ging unter Deck, um zu prüfen wie viel Ampere das brachte”, berichtet Thomson. Der Speed habe zu der Zeit 18 Knoten betragen als ihn ein komisches Geräusch beunruhigte. Das Gerät vibrierte immer stärker, riss schließlich ab, schlug am Heck hoch und zerbrach die drei Meter lange Pinnen-Verbindung zum Steuerbord Ruder.

Am Heck sind die beiden Queverbindungsstangen zu sehen und die beiden hochgeklappten Hydrogeneratoren. Eine Stange ist gebrochen. © Hugo Boss

Am Heck sind die beiden Queverbindungsstangen zu sehen und die beiden hochgeklappten Hydrogeneratoren. Eine Stange ist gebrochen. © Hugo Boss

Das Schiff schoss in den Wind, der große A3 Spinnaker schlug umher. Aber Thomson gelang es, ihn aufzurollen, “Hugo Boss” wieder aufzurichten, und mit dem Backbordruder auf einen Vorwindkurs abzufallen. Es dauerte eine halbe Stunde, bis er die zerstörte Steuerbord-Stange mit dem gleichen Teil vom Backbord-Ruder ersetzt hatte und nahm dann wieder den alten Kurs mit Wind von Backbord auf 19 Knoten schnell.

Überall Staub

Dann begann die echte Reparaturarbeit, denn ein Ersatzteil war nicht an Bord. Das Team an Land habe einen Plan ausgearbeitet, um die Karbon-Stange zu schienen. “Ich musste Kohlefaser Streifen zurecht schneiden und hüllte dabei das gesamte Cockpit in Staub. Aber es klappte ohne, dass ich mir einen Finger verlor oder in den Boden schnitt.”

Die geschiente Stange kurz bevor sie der Skipper wieder am Heck einsetzt. © Thomson

Die geschiente Stange kurz bevor sie der Skipper wieder am Heck einsetzt. © Thomson

Es dauerte sieben Stunden. “Ich bin ziemlich fertig”. Die Reparatur sei nicht hübsch, sollte aber funktionieren. Tatsächlich erreichte Thomson am Sonntag die besten 24 Stunden Zeit der ersten Boote und liegt als sechster mit 100 Meilen Rückstand noch in Schlagweite zur Spitze.

Wenig Freunde im Feld machte sich der Brite seit er einen Protest gegen acht Gegner initiierte, die am Kap Finisterre die Verkehrstrennungszone nicht beachtet haben sollen. Virbac, Maitre Coq, Synerciel, Acciona, Group Bel, Mirabaud, Energa, and Initiatives Coeur und Gamesa sollen auf der Liste der Yachten stehen, deren Routen nach einer Beschwerde von Thomson von der Jury überprüft werden. Möglich ist, das Stop and Go-Strafen verhängt werden.

Spannender Sechskampf

Dort hat sich trotz der Dramen um die vielen Ausfälle ein spannender Sechskampf entwickelt. Armel Le Cléac’h konnte sich mit “Banque Populaire” nach seiner Halse gen Süden mit erstaunlichem Speed und einem etwas größeren Leebogen um die Kapverden bis auf 60 Meilen von der Konkurrenz absetzen.

Situation am 19.11. Die sechs Spitzenboote nähern sich der Flautenzone. Armel Le Cléac’h wird an der Spitze schon langsamer.

Situation am 19.11. Die sechs Spitzenboote nähern sich der Flautenzone. Armel Le Cléac’h wird an der Spitze schon langsamer.

Aber nun spürt er den Effekt der innertropischen Konvergenzzone mit ihren Flauten und verlor zuletzt zehn Meilen auf die Verfolger. Von ihnen hat Francois Gabart die besten Karten auf Rang zwei. Er wird aber hart bedrängt von Barcelona Round The World Sieger Jean Pierre Dick, der vor drei Tagen noch 160 Meilen Rückstand zu Spitze hatte, seitdem aber einen beeindruckenden Speed vorlegt.

In den engen Zweikämpfen schwächelte zuletzt besonders der Schweizer Bernhard Stamm, der mit seinem Kouyoumdjian Design gegen die vier gegnerischen Konstruktionen aus dem Hause Verdier nicht mehr so gut aussah, aber immer noch auf Rang vier liegt.

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Carsten Kemmling

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8 Kommentare zu „Vendée Globe: Alex Thomson auf “Hugo Boss” bricht die Ruderstange“

  1. avatar Tom sagt:

    Ich finde den Protest vollkommen in Ordnung. “Wenig Freunde machte er sich” klingt so negativ. Kann ja auch meine Interpretation sein, aber wenn er einen Nachteil dadurch hatte, dass er das Verkehrstrennungsgebiet ordnungsgemäß umfahren hat, finde ich das gerechtfertigt. Und wenn der Nachteil nur darin lag, dass er taktisch den Schlag ausgeschlossen hat und sich für seine Route entschieden hat.

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    • avatar Ketzer sagt:

      Haha,, das ist jetzt wieder richtig deutsch. Sowas ist den Franzosen doch sowas von egal…

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 14

    • avatar Fastentwinner sagt:

      Es ist schon lustig hier: Während ich diesen Kommentar schreibe hat Tom 22 likes und Ketzer 6 dislikes, aber keiner hat anscheinend überhaupt mal einen Blick in die NOR vom Vendee Globe geworfen. Der Teil 1 der ColRegs (KVR), das heißt auch die Regel 10, ist von der NOR ausgenommen, eine Protestgrundlage ist somit m.E. nach gar nicht zu erkennen. Selbst wenn es Teil der NOR wäre, heißt es in der Regel “blablabla…as practicable…blablabla”. Wenn ich also alleine mit 20 Knoten um die Welt düse, dann ist da gar nichts “practicable”. Es hat übrigens einen guten Grund, weshalb die NOR den Teil 1 der KVR ausnehmen: In Regel 5 wird da nämlich von Ausguck gehen gesprochen, und in Regel 6 von “…procedd at safe speed”. Wenn Teil 1 gelten würde, dann können alle nämlich alleine deshalb schon einpacken. So bleibt es immerhin die Privatentscheidung eines jeden Skippers, das er ohne Ausguck mit 18 Meilen gegen einen Fischkutter fährt. Was bleibt Mr.Boss nun? Er kann wahrscheinlich nur bei der Guadia Civil anrufen, damit die ein paar Strafzettel nach Frankreich schickt.

      Und nun hoffe ich, daß keiner mehr aufgeben muss, denn das Vendee ist einfach zu toll, als das nur 8 ankommen sollten.

      PS: In Wedel liegt noch eine Reincke Super-Maramu namens Shogun am Steg. Mit der wäre man Stand heute schon 16 von 20!

      😉

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      • avatar Wilfried sagt:

        Hallo Fastnetwinner, hab mich nach deinem Post mit den Sailing instructions vertraut gemacht. danke für die Anregung: Dort steht in den Sailing instuctions including amendment 1und 2m “A boat shall comply with the rule 10, Traffic Separations Schemes, of IRPCAS”. also Protest doch in Ordnung, oder?

        Nebenbei deine Ausschlussklausel der KVR habe ich nicht gefunden. Kann mir auch nicht vorstellen, dass das bei einer Regatta im freiem Meer möglich ist. Die anderen wissen schliesslich nichts davon.

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        • avatar Fastnetwinner sagt:

          Wilfried, Du hast Recht und Asche über mein Haupt! Ich hatte die offiziellen Segelanweisungen vom 16.Oktober, aber ohne die Amendmends. Erst durch diese Amendsmends ist die Regel 10 dann doch für das Rennen wieder relevant geworden. Bleiben allerdings immer noch die gummihaften Formulierungen in Regel 10. Da steht immer wieder “blablabla…as practicable…blablabla” oder auch “blablabla…normally…blablabla”. Ich wäre gerne bei der Beweisführung dabei, da kann man bestimmt was lernen, wie belastbar die Worte “normally” und “as practicable” wirklich sind.

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          • avatar Stefan sagt:

            Was “practicable” war, dürften doch diejenigen nachgewiesen haben, die das VTG um- oder regelkonform durchfahren haben (ich habs mir nicht angetan, die Tracks in eine Karte zu basteln). Irgendwo anders hab ich gelesen, daß das RC Thomson wohl zum Protest animiert hat, um sich nicht selbst aus dem Fenster hängen zu müssen. Wäre ja auch doof, die Truppe selbst weiter zu dezimieren. Mal gespannt, welche diplomatische Sprachregelung bei der Geschichte rauskommt.

            Schönen Gruß übrigens an die notorische “Dislike”-Klickerin zu meinen Beiträgen: Du mich auch.

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  2. avatar Süd sagt:

    Natürlich ist der Protest rein teschnisch in Ordnung. Bezeichnend ist jedoch, dass das Race Comitee erst auf den Protest von AT (gezwungenermassen) aktiv geworden ist. Alle Teilnehmer haben die tracks ihrer Gegner auf ihrem Bildschirm gesehen, also gewusst, dass Regel 10 KVR verletzt worden ist. Keiner hat protestiert…das ist in Frankreich einfach undenkbar.
    Das TSS Finisterre wird engmaschig radarüberwacht, und wenn die spanischen Behörden Handlungsbedarf gesehen hätten, würden da die Strafzettel schon kommen. Und dabei hätte man es belassen sollen.

    Die Kollisionen von Groupe Bel und den Louis Burton haben damit überhaupt nichts zu tun, sie geschahen beide in freiem Wasser und jeweils beide Kollisonsgegener scheinen vor allem Regel 5 KVR verletzt zu haben. Fischer hin oder her, auch der muss Ausguck halten und “in extremis” noch Ausweichen können.
    Naja, lange Rede kurzer Sinn: AT ist eine Petze.

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  3. avatar Kielschwein sagt:

    Die Kommentare lesen sich , als wenn man im Kindergarten ist……der eine ist grundlos beleidigend,der andere beschwert sich das er von den anderen nicht gemocht wird(kleiner Tip?: das hat meistens auch ein guten Grund) , dem nächsten fällt nichts Konstruktiveres ein als : PETZE…………. ich finde euch auf jeden fall sehr unterhaltsam ! Danke!

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