Vendée Globe: Ausgerechnet De Broc segelte im Entspannungsmodus

„Tausende Namen – Tausend Delphine!“

Das Kamapgnen-Video für “Votre Nom autour du monde”: IMOCA-Segeln im Laser-Modus!

Bertrand de Broc ist als Neunter im Ziel der Vendée Globe angekommen und kaum einer hat gemerkt, dass er überhaupt dabei war. Der Mann, der sich die Zunge selbst nähte, machte nur am Anfang Schlagzeilen, als er kurz vor dem Start das eigene Versorgungsboot rammte und nach einer Reparatur 12 Stunden später startete.

Er galt nicht gerade als der große Entertainer dieser Vendée Globe. Doch ausgerechnet Bertrand de Broc schaffte es, im Namen von Tausenden glücklich um die Welt zu segeln. Auf die „alte Art und Weise“: ruhig, ohne viel Aufhebens.

Leitmotiv erfüllt: Angekommen! © Curutchet

Vorher war er der Schrecken aller Journalisten: Bertrand de Broc weigerte sich schon wenige Tage vor dem Start zu dieser Vendée Globe, auf jede Interviewanfrage mit einem sanften Lächeln einzugehen, in immer wieder die gleichen Kameras zu grinsen, die dämlichsten Posen für „exklusive Photoshoots“ einzunehmen. „Nein, nein und nochmals nein: Man sieht meiner Zunge nicht mehr an, dass ich sie 1992 bei meiner ersten VG selbst und ohne Narkose genäht habe! (Foto) Nein, ich werde nicht mehr neben der Rolling-Stones-Zunge posieren. Doch, doch: Ihr könnt mich alle mal!“

Bei den Pressekonferenzen stand er schon auf um „zu fliehen“, als noch die letzten Fragen gestellt wurden; zu manchen offiziellen Empfängen erschien er gar nicht erst. Nur zu den Hunderten, Tausenden, Zehntausenden am Steg hat er ein seltsam inniges Verhältnis: Sie durften sein Schiff anfassen, Fragen stellen – die alle beantwortet wurden – und Autogramme erfragen.

„Sind schließlich meine Sponsoren,“ knurrte Bertrand einmal. „Zumindest könnte es jeder von denen sein!“

Über die Dörfer tingeln

Bertrand de Broc ist einer von diesen Vendée-Globe-Helden, die ihre größten Leistung bereits vor dem Start zur „härtesten Regatta der Welt“ erbracht hatten. Seine eher suboptimale kommunikative Art hat ihn nämlich in genau diesem Genre weit gebracht. Denn ausgerechnet de Broc schaffte es in einem wahren verbalen Husarenritt ca. 2,5 Millionen Euro mit einer simplen, aber gerade deswegen genialen Vermarktungsstrategie aufzubringen: De Broc zog monatelang im buchstäblichen Sinne durch die Dörfer Frankreichs und verkaufte den für einen Vor- und Nachnamen notwendigen Platz auf seinem Schiff für (ab) 300 Euro. Eine Summe, die sich genügend Menschen leisten konnten und wollten, um bei diesem irren Projekt teilzunehmen.

Bertrand de Broc, Vendée Globe,

Tausende Namen auf einem Schiffsrumpf mitten im Eismeer © de Broc

„Der Clou dabei ist, dass nicht in den segelnahen Gemeinden der Normandie, Bretagne oder Cote d’Azur die meisten Gelder gesammelt wurden, sondern in den Schluchten der Ardeche oder bei den Babacools in den Cevennen,“ stellte de Broc vor dem Start zur Vendée Globe klar. Keiner konnte sich vorstellen, dass so etwas funktionieren werde – doch Teil des Traumes wollten sie fast alle sein!

Monatelang tingelte er übers Land, zeigte in Rathäusern, Kneipen und Turnhallen immer wieder die gleichen Videos, die gleichen Fotografien, erzählte unzählige Abenteuer vom Leben auf See.

Und auf den letzten Drücker meldete er sich zur Vendée Globe 2012/13 an, kaufte die IMOCA Brit Air, mit der Armel Le Cleac’h in 2009 Zweiter wurde und ließ Tausende Namen auf den Rumpf lackieren.

Fitness: Null!

„Ich hatte zwar ein leistungsstarkes Schiff, kaum noch Geldsorgen… war aber eindeutig zu spät dran!“ resümierte de Broc bei einem seiner raren Interviews gegenüber SR. „Ich konnte nur 20 Tage alleine auf dem Schiff trainieren, meine körperliche Fitness ließ gelinde gesagt zu wünschen übrig und überhaupt wusste ich von Anfang an, dass ich hier nicht ums Podium segeln werde!“

Bertrand De Broc, Vendée Globe

Es fing übel an und endete überglücklich: Nach Reparatur, kurz vor verspätetem Start © Blanchet

Aber genau das brachte ihm wahrscheinlich den Frieden der nötig war, um diese Vendée Globe als der wohl glücklichste Neunte im Laufe ihrer Geschichte zu beenden.

Sein Start war fulminant, weil chaotisch: Ein verpatztes Ablegemanöver beschädigte den Outrigger, kurz vor dem Startschuss rammte ihn das eigene Versorgungsboot so unglücklich,  dass de Broc erst nach Reparatur mit 12 Stunden Verspätung hinter den anderen hertrudeln konnte. „Bis zum Äquator holte ich bestens auf,“ beschrieb er. „Doch als ich im Kalmengürtel förmlich steckenblieb und die Abstände zur Spitze fünfstellig wurden, habe ich innerlich abgewunken!“

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Vendée Globe: Ausgerechnet De Broc segelte im Entspannungsmodus“

  1. avatar Markus sagt:

    Schoener Artikel, Danke.

    Was mich mal als nicht Segler interessieren wuerde, in wieweit GPS, taegliche Wetterdaten/Computerauswertung und die Autopiloten das Rennen so viel schneller machen als 1989-1990. Wahrscheinlich wird auch die Siegerzeit von 109d 08h 48′ 50″ von France Titouan Lamazou 1990, dieses Jahr vom letzten Alexandro Benetto unterschritten.

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  2. avatar Sailer 1966 sagt:

    Herzlichen Glückwunsch an Bertrand!

    Ich denke, dass er mit seiner Fahrt wohl dem Geist eines solchen Rennens voll ge- und erlebt hat. Sehr großer Respekt vor dieser Leistung, das Rennen in seinem Alter, mit einer kurzen Vorbereitungszeit und dem nicht alltäglichen Weg des Sponsorings anzutreten und erfolgreich zu beenden.

    Ich denke, dass der Segelsport – egal ob Hochsee oder Binnenbaggersee – mehr Menschen wie Bertrand und weniger Kommerz a la Amerikas Cup braucht.

    Ich selber segele meist “Einhand” und bin zusammen mit meiner Frau auf der einen oder anderen Regatta unterwegs – bin wann immer möglich mit meinem über 40 Jahre alten offenen Kielboot auf dem Wasser – Absegeln 2012 am 24.12. (meine persönliche “Bescherung”) und das persönlich Ansegeln 2013 war am ersten Jan. Wochenende. Mir persönlich ist halt auch segeln lieber als “schönwetter turns am Weekend” in ner stylischen “Sailrobe” der Marke XY oder der Rolex am Handgelenk.

    In diesem Sinne….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

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