Vendée Globe: Bernard Stamm im Ziel – Video mit Patenthalse

"Ich hasste mein Schiff"


Video vom 12. November. Stamm bastelt am Hydrogenerator und wird bei einer Patenthalse umgeworfen.

Bernard Stamm hat gut zehn Stunden nach Jean Le Cam die Vendée Globe Ziellinie überquert, wurde aber disqualifiziert. Der Schweizer fühlt sich immer noch ungerecht behandelt. Ein Video zeigt ihn bei einer Patenthalse.

Bernard Stamm feiert

Bernard Stamm wird von seinem Team gefeiert. © OLIVIER BLANCHET / DPPI

15 Stunden hatte Bernard Stamm in Führung gelegen. Am 7. Dezember segelte er dort wo er sich hinwünschte, an der Spitze der Flotte. Danach konnte er nicht mehr Schritt halten. Sei es wegen der auftretenden Energie-Probleme oder mangelnder Leistungsfähigkeit. Genaueres gibt Stamm bei der Pressekonferenz nach seiner Ankunft nicht preis.

Er ärgert sich aber immer noch über die Disqualifikation, auch wenn sie sein Rennen nicht entschieden hat. Stamm musste auf, nachdem er ohne funktionierenden Hydrogenerator Diesel am Kap Horn übernommen hatte. Dennoch bedeutete seine Neuseeland-Odyssee zuvor schon das Aus in der Vendée Globe Wertung.

“Ich tat, was ich tun musste”

“Ich weiß immer noch nicht, was ich anders hätte machen können”, sagt der Schweizer. “Man ist an einem unbekannten Ort, der Anker slippt, das Boot treibt ab, man muss etwas tun. Ich haben mein Schiff unter ähnlichen Bedingungen 2008 verloren. Ich glaube, ich tat, was ich tun musste.”

Bernard Stamm kann langsam wieder lachen

Bernard Stamm kann langsam wieder lachen. © OLIVIER BLANCHET / DPPI

Allerdings zeigt das Video oben, dass er schon zwölf Tage nach dem Start ernsthafte Schwierigkeiten mit seiner Energieversorgung bekam. Der Hydrogenerator ist hochgeklappt und Stamm ist auf dem Weg zum Heck, um Reparaturarbeiten vorzunehmen, als in einer Patenthalse das Großsegel herumschlägt und die Schot den Generator vermutlich aus der Halterung reißt.

Minuten lang liegt das Schiff auf der Seite bis Stamm per Hydraulik den Kiel wieder auf dei Mittelposition schwenken und das Backstag lösen kann, in dem der Großbaum hängt. Seit diesem Vorfall hat der Skipper Probleme mit der Stromversorgung. Die Halterung am Heck bereitet Probleme. Es gibt Mutmaßungen, dass er falsch montiert wurde. Vielleicht ist Stamm schon zu diesem Zeitpunkt klar, dass er stoppen muss.

Ausfall des Grinders

Aber entscheind ist auch der Ausfall des Grinders, was wohl auch der Grund dafür war, dass “Cheminées Poujoulat” bei der Rückfahrt im Atlantik nicht mehr schneller war als Jean Le Cam oder Mike Golding. Der Schweizer erklärt, dass er durch die harte Arbeit sieben Kilo Gewicht verloren hat. Plötzlich sei jedes Manöver körperlich extrem anstrengend gewesen. Er musste die Fallen und Schoten direkt über die Winschen bedienen.

Die technischen Schwierigkeiten führt er auf Verzögerungen in der Vorbereitung zurück. Bei der Transat Jacques Vabre 2011 hatte Bernhard Stamm sein acht Monate junges Schiff mit einem Loch im Rumpf verlassen müssen und es vier Tagen kurz vor dem Untergang wieder geborgen. Der Vorfall kostete wertvolle Vorbereitungszeit.

Es ist schwer nachzuvollziehen, was es heißt, unter diesen Umständen eine Um-die-Welt-Regatta zu beenden. Vor dem Kap Horn habe er fünf bis sechs Tage überhaupt nicht geschlafen als die Energie verbraucht war und er ununterbrochen steuern musste. “Sonst hätte ich echte Probleme bekommen.”

“Ich hasste mein Schiff”

Stamm bekundet: “Nach der brasilianischen Küste, als das Wetter so schrecklich war, hasste ich mein Schiff. Und auch danach. Aber dieses Gefühl ist jetzt verschwunden. Wir müssen jetzt genau analysieren, was schief gelaufen ist.”

Er freue sich auch, dass Jean-Pierre Dick nicht disqualifiziert worden sei. Das sei ohnehin ein anderer Fall gewesen. Aber dort sei der Geist des Rennens respektiert worden. Es gehe eben darum, alle Schiffe zurück nach Les Sables zu bringen. “Einige Regeln sollten in diesem Sinne geändert werden.”

Das nächste Projekt Transat Jacques Vabre, das am 3. November 2013 startet. Bis dahin laufe sein Sponsor Vertrag mit “Cheminées Poujoulat”. Bis dahin ist es zu früh eine Entscheidung über das nächste Vendée Globe zu treffen. Nun müsse er erst einmal zum Zahnarzt, um den selbst behandelten Zahn zu versorgen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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7 Kommentare zu „Vendée Globe: Bernard Stamm im Ziel – Video mit Patenthalse“

  1. avatar Digger sagt:

    Mann, was bin ich für ein olles Weichei.

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    • avatar Klaus sagt:

      Segeln nur zum Vergnügen ist ein Wert an sich, lieber Stefan. 😉

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    • avatar mika sagt:

      yesses digger… hab ich auch gedacht. nur andersrum… was für’n harter typ!!!

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  2. avatar Christian sagt:

    Der Mann hat Nerven. Turnt ohne jegliche Sicherung hinter dem Seezaun am Heck herum. Und wird bei der Patenthalse nicht über Bord geworfen, z.B. vom überkommenden Traveller.

    Was soll man dazu sagen? Chuzpe? Mut? Leichtsinn? Grobe Fahrlässigkeit?

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    • avatar Peter sagt:

      Dachte ich auch erst, aber bei genauerem hinsehen ist er glaub ich doch angegurtet

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      • avatar Wilfried sagt:

        ich lgaube nicht das er angeleint ist. Zumindestens konnte ich nichts entdecken. Er hat auf jeden Fall einRiesenglück gehabt, denn sich am Traveller bei ner Patenthalse festzuhalten kann definitiv ins Auge gehen.

        Ansonsten kann ich seine Enttäuschung aber nicht seine Meinung verstehen. Die Regeln waren klar. Es kann nicht sein, dass der der Materialprobleme hat plötzlich andere Regeln bekommt. Es gab auch keinen Zwang die Auckland Islands anzusteuern was ihm die Ankerprobleme gebracht hat. Das war eine Entschiedung die ergetroffen hat um möglichst wenig Zeit bei der Reparatur zu verlieren und nicht um das Schiff zu retten.

        Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 6

  3. avatar Peter sagt:

    Stimmt ich nehm es zurück. Nicht angeleint. Krass!!!

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