Vendée Globe: Dick bereitet sich auf Sturm-Test ohne Kiel vor – Gabart gibt sich keine Blöße

Entscheidung nach Starkwind-Test


Day 76 highlights von VendeeGlobeTV

Jean-Pierre Dick entscheidet am Sonntag, ob er bei der Vendée Globe ohne Kiel ins Ziel nach Les Sables d’Olonne segelt. Armel le Cleac’h lässt nicht locker. Der Rückstand zu Platz eins bleibt aber stabil bei 100 Meilen.

Francois Gabarts Vendée Globe Sieg

Francois Gabart im scheinbaren U-Boot-Modus. Es bestehen kaum noch Zweifel, dass er den Vendée Globe Sieg nach Hause fährt. © Macif

Immer noch ist sich Jean-Pierre Dick nicht sicher, ob er es wagen soll, seine “Virbac Paprec 3” ohne Kiel Richtung Ziel zu steuern. Im Einfluss des Hochdruckgebietes bei 12 bis 13 Knoten Wind könne er mit kleinen Segeln und viel Ballast relativ sicher segeln, aber er wisse noch nicht, wie sich das Schiff bei Starkwind anfühlt.

Am Sonntag werde er die Azoren erreichen und etwas 25 Knoten starken Westwind. “Dann kann ich sehen, wie sich das Schiff bei härteren Bedingungen verhält”, sagt Dick. “Dann werde ich auch die Entscheidung treffen, ob es weiter geht.”

Starker Wellengang wird Probleme bereiten

Zurzeit fühle sich das Schiff teilweise an wie beim Windsurfen. Das Einstellen der Segel habe sich völlig verändert. Einige Designer hätten ihm bei der Kalkulation geholfen, um die richtige Segelwahl bestimmen zu können. Aber er traue sich nicht, größere Segel zu setzen, weil er auch imer noch Probleme mit einigen Fallenschlössern habe. “Wenn ich die Segel nicht mehr bergen könnte, würde ich kentern und im Boot gefangen sein, wie damals Jean Le Cam.”

Armel le Cleac’h

Armel le Cleac’h hält den Fuß auf dem Gaspedal. © B.Stichelbaut/BPCE

Quentin Lucet, Designer von Dicks Yacht beim Büro VPLP, äußerte sich gegenüber der Rennorganisation relativ entspannt zur aktuellen Stabilität-Situation des Franzosen. Allerdings werde ein stärkerer Wellengang werde Probleme. “Fünf Meter hohe Wellen wären sehr problematisch.” Bisher seien die Ballasttanks sehr hilfreich. Wenn sie maximal gefüllt sind entspräche das fast dem Gewicht der Yacht. Dick dürfe sich aber einfach keine Krängung erlauben.

“Die sicherste Art wäre es, sehr langsam zu segeln. Aber das hieße, dass die Konkurrenten  überholen würden. Das mag Jean-Pierre nicht, es geht ja um ein Rennen. Aber es ist eigentlich überflüssig, das zu betonen.”

Alex Thomson (l.) zieht an Jean-Pierre Dick vorbei.

Vendée Globe am 25.1 Noch zwei Tage bis zum Ziel. Alex Thomson (l.) zieht an Jean-Pierre Dick vorbei.

Alex Thomson wird er allerdings nicht halten können. Der Brite ist im Begriff heute vorbei zu ziehen. Der Rückstand beträgt nur noch 30 Meilen. Aber für Dick dürfte es ein gutes Gefühl sein, den “Hugo Boss”-Skipper für den Fall der Fälle in der Nähe zu wissen.

Schlechtes Wetter in der Biskaya

An der Spitze hat sich nichts Wesentliches getan. Armel le Cleac’h hat zwar in 24 Stunden sieben Meilen mehr als der führende Francois Gabart absolvieren können liegt aber immer noch 108 Meilen zurück. Das ist in den kommenden zwei Tagen eigentlich nicht mehr aufzuholen, aber le Cleac’h gibt sich kämpferisch professionell.

“Das ist nicht einfach aufzuholen. Aber so lange die Ziellinie nicht erreicht ist, werde ich bis zum Ende alles geben. Wir wissen alle, dass beim Segeln viele Sachen passieren können. Aber mit dem vorhergesagten schlechten Wetter in der Biskaya müssen wir auch sehr vorsichtig sein.” Das gilt besonders für Francois Gabart, der jetzt schon nicht mehr volles Risiko gehen muss, um bei dieser Vendée Globe als Erster im Ziel zu sein. Seine Ankunft wird aktuell  mit 3 Uhr Sonntag früh berechnet.

Golding langsam im Duell mit Le Cam

Bernard Stamm (gelb

Bernard Stamm (gelb) kann offenbar auch nicht mit dem Duo auf Platz fünf und sechs mithalten.

Ein weiterer Zweikampf tobt seit einigen Tagen um Rang fünf. Mike Golding hatte mit seinem Ostkurs strategisch die besten Chancen, an Jean Le Cam vorbei zu ziehen. Aber seitdem beide Yachten mit Wind von Steuerbord im gleichen Windfeld gen Norden rauschen, stellt sich wieder heraus, dass der Franzose mit seinem Farr Design von 2007 schneller ist, als die gleichaltrige Owen Clarke Konstruktion des Briten.

“Ich kann nicht viel machen gegen ihn bei den aktuellen Bedingungen”, sagt Golding, der gerade seine sechste Weltumseglung absolviert. “Sein Boot hat mehr Kraft. Ich tue, was ich kann, aber er ist auf diesem schnellen Reach einfach etwas schneller.”  Vor zwei Tagen hatte er noch fast Bord an Bord gelegen, nun verlor er aber auf direktem Kurs gut 40 Meilen.

Aber das reicht immer noch aus, um den dahinter außer Konkurrenz segelnden Bernard Stamm in Schach zu halten. Der Schweizer scheint nicht mehr das Maximale aus seinem Boot herauszuholen. Wer will es ihm verdenken.

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Carsten Kemmling

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8 Kommentare zu „Vendée Globe: Dick bereitet sich auf Sturm-Test ohne Kiel vor – Gabart gibt sich keine Blöße“

  1. avatar SR-Fan sagt:

    Hm – das mit dem eskortieren hat sich wohl auch erledigt ;-(

    VG

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    • avatar dubblebubble sagt:

      Thomson bleibt bis auf weiteres bei Dick. Könnte mir vorstellen, daß dieser Begleitschutz JPD erst recht veranlassen wird durchzufahren, denn das er nur ungern abrechen möchte, dürfte wohl klar sein.

      Übrigens, ich habe mich gefragt ob evtl. die Preisgelder mitentscheidend fürs weitermachen sind und habe dabei diese Aufstellung entdeckt:

       1st: 160 000 Euros tax included
       2nd: 100 000 Euros tax included
       3rd: 75 000 Euros tax included
       4th: 55 000 Euros tax included
       5th: 40 000 Euros tax included
       6th: 30 000 Euros tax included
       7th: 25 000 Euros tax included
       8th: 20 000 Euros tax included
       9th: 15 000 Euros tax included
       10th: 10 000 Euros tax included

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      • avatar hanseatic sagt:

        Um 20:00 Uhr meldete IMOCA Official:
        @alexthomson99 has changed course to stay close to @dick_jeanpierre#GoodLuckAlex #VG2012
        Das nenne ich sportsmanship! Hochachtung!

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        • avatar hanseatic sagt:

          Das gehörte eigentlich noch dazu weil es wirklich bemerkenswert ist, wie ich finde!
          A.T. via fb:“I am back into real North Atlantic conditions again and the wind is colder and the sea state has started to get pretty rough again. Over the last few days I have been worried about JP Dick and him sailing without his keel and even though my optimum route takes me more North and West of my current course and back to Les Sables fast and direct, this morning when I experienced the conditions I decided to change course to stay with JP until I know that he is happy with the boat and he has made his decision about what he will do regarding stopping or continuing.

          Tonight and tomorrow morning a front will pass over myself and JP with some strong breeze and I will stick around him to make sure there is someone close by if something was to happen to him. JP is a great sailor and I am confident in his ability to sail safely to wherever he choses but I know that if I was in his position I would like to have someone watching my back through the strong winds that are coming.

          He has not asked me to assist in any way, but I really feel that I cannot sail off and leave him until I know that he is confident and has confirmed what his intentions are. It is simple for me really, if he has a problem I will try and help him and once he has got through the worst of the weather safely and happy with the boat tonight, and if he then decides to continue with the race safely, then I will adjust my course and continue with mine. What I don’t want is to be too far away from him if he has an issue with the coming strong winds and before he knows if he is fully capable of continuing.”

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          • avatar SR-Fan sagt:

            Na, dann nehme ich meinen 1. Beitrag natürlich zurück. Nach dem Westschlenker von Alex hatte ich schon daran gezweifelt. Ja, muss zugeben, das macht ihn sehr sympathisch und unterscheidet Segeln halt doch von anderen Sportarten. So entstehen Legenden!

            Interessante Liste der Preisgelder. Von so einer Vende-Kampagne abgesehen, weiß jemand die Höhe des Startgeldes? Letztlich aber wohl egal – der Scheck ist nur ein Tropfen auf nen heißen Stein 😉

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  2. avatar penner sagt:

    Ich würde es JPD ja gönnen die Reise zu Ende zu bringen.
    Durch das Tief nw lich Schottlands (laut gfs so 12.00 945) und den einhergehenden Randerscheinungen ist nördlich einer Linie Azoren / Kap Finisterre nach wetterzentrale Vorhersagen (Ich weiß leider nicht auf welcher Basis die sind) ab So Mittag bis Mittwoch durchgehend mit einem Seegang von > 5m zu rechnen. Das geht auf der Route die die Führenden jetzt fahren bis zu 9-10m.
    Ich vermute mal, dass es sich bei diesen Angaben um die signifikante Wellenhöhe handelt – da können also einige noch drüber liegen. Das ist schon mit einem intakten Boot vermutlich kein “schnell segeln” mehr sondern mehr überleben.
    Für AT wird das wohl recht wackelig werden, zumal dann ja auch noch der Festlandsockel im Weg liegt.
    Die einzige Chance, die ich für JPD sehe, ist langsam Richtung Portugal zu segeln und dann ab Mittwoch eine Lücke zwischen den Systemen auszunutzen um in die Biskaya zu kommen.
    Wenn sich die Lücke nicht auftut, kann er immer noch in Portugal oder Nordspanien aufgeben. Zeit genug bzw Abstand zum 5. ist ja da.

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  3. avatar Ich sagt:

    Kann jemand französisch und könnte mal übersetzen was auf dem Schild steht??
    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10152477684090187&set=a.10151027783630187.775409.218556850186&type=1&theater
    Danke!

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