Vendée Globe: Gabart zieht davon – Stamm endgültig disqualifiziert – Thomson fällt zurück

War es das schon?


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Bei der Vendée Globe ist Francois Gabart auf 264 Meilen davongezogen. Thomsons Extremschlag ging daneben. Jury bestätigt Entscheidung gegen Bernard Stamm.

Armel Le Cléac’h hat viel Boden auf Francois Gabart verloren.

Armel Le Cléac’h hat viel Boden auf Francois Gabart verloren. Kann er noch herankommen? © Armel Le Cléac’h

Fransois Gabart könnte 3600 Meilen vor dem Ziel für eine Vorentscheidung bei der Vendée Globe gesorgt haben. Relativ unspektakulär hat er seinem Widersacher Armel Le Cléac’h in den vergangenen vier Tagen fast 200 Meilen abgenommen. Dabei war er einfach nur einen Tick eher im Rechtsdreher und im etwas stärkeren Wind. Le Cléac’h hofft nun, dass sich in den nahenden Doldrums eine Möglichkeit auftut, um Boden gut zu machen.

Vendée Globe am 14.1.2013. Gabart hat einen guten Vorsprung,

Vendée Globe am 14.1.2013. Gabart hat einen guten Vorsprung, Thomsons Links-Schlenker zahlt sich nicht aus.

Alex Thomson dagegen muss erkennen, dass sein vermeintlicher dritter Platz weiter von der Realität entfernt war als er vielleicht zu glauben hoffte. Der Weg entlang des brasilianischen Ufers mag eine gute Option für ihn gewesen, er zahlt sich aber nicht aus.

Als sich der “Hugo Boss” Skipper von Jean-Pierre Dick gen Westen trennte, lag er rund 220 Meilen zurück, bevor er scheinbar vorbei zog und 120 virtuelle Meilen zwischen sich und den Franzosen legte. Aber der Brite hatte längst  nicht die Anliegelinie zum Ost-Kap von Brasilien erreicht, musste in den Rechtsdreher wenden, eine Flaute durchfahren und wird am Ende wohl einen ähnlichen Abstand zu Dick haben, wie vor seinem spannenden Ausflug.

Bernard Stamm disqualifiziert

Das gesamte Vendée Globe Feld am 14.1.2013

Das gesamte Vendée Globe Feld am 14.1.2013

Dahinter hat auch Bernard Stamm nach seiner Diesel Übernahme am Kap Horn wieder Fahrt aufgenommen. Er wurde nach der unerlaubten Hilfestellung zwar von der Ergebnisliste und der Karte gestrichen, sein Team hat aber einen eigenen Bernard Stamm Tracker online gestellt, auf dem seine Position regelmäßig aktualisiert wird.

Dabei wird er nur noch am Rande wahrgenommen haben, dass die Jury den ausstehenden Protest nach der Wiedereröffnung zu seinen Ungunsten entschieden hat. In der Begründung heißt es, dass die Zeugenaussage des Crewmitglieds Rodney Russ vom russischen Forschungsschiff die Entscheidung eher bestätige als in Frage stelle. Auch das Festmachen an einem anderen Schiff sei eine klare Regelverletzung. Bei dem Strafmaß bleibe der Jury keine Wahl. Die Notice auf Race sehe bei einem Bruch dieses Absatzes der Regeln keine andere Möglichkeit als eine Disqualifikation vor.

Dominique Wavre hatte schon vor dem Kap Horn mit seinem Gennaker Probleme.

Dominique Wavre hatte schon vor dem Kap Horn mit seinem Gennaker Probleme. Ein Autopilot Error kam hinzu. © Wavre

Russ habe nicht nur den Anker gehoben, sondern auch die Leine vom Stamm-Boot zur “Professeur Khromov” geworfen. Stamm wird nach wie vor folgender Satz zur Last gelegt: “Als ich ihn auf meinem Schiff vorfand, sah ich keinen Grund, der gerechtfertigt hätte, ihn von Bord zu schicken.”

Wavre mit Autopilot-Problem

Nun ist der Schweizer also doppelt aus dem Rennen, hat aber wieder seinen Landsmann Dominique Wavre überholt. Der war allerdings von einem Autopilot-Fehler zurückgeworfen worden. “Ich habe gerade mit meiner Frau Michelle telefoniert”, berichtet Wavre. “Bei 40 Knoten Wind wurde plötzlich der Autopilot-Alarm ausgelöst und das Boot wendete sofort.” Das Schiff wurde im 90 Grad Winkel auf das Wasser geworfen, da der Kiel in solch einem Fall plötzlich nach Lee geschwenkt ist.

Tanguy de La Motte  mit seinem 14 Jahre alten Schiff

Tanguy de La Motte hat mit seinem 14 Jahre alten Schiff keine andere Chance, als durch lustige Fotos auf sich aufmerksam zu machen. © de La Motte

“Es war das größte Chaos, das ich bisher in diesem Rennen hatte. Furchteinflößend. Das Schiff trieb bei hohem Seegang rückwärts.” Nicht weit von dieser Stelle in der Nähe des Kap Horns war Wavre vor zwei Jahren beim Barcelona World Race mit seiner Frau entmastet worden. Aber der 57-Jährige ist wieder guter Dinge. Er wechselte den kaputten Autopiloten aus und glaubt, jetzt sogar noch schneller als bisher zu segeln.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

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9 Kommentare zu „Vendée Globe: Gabart zieht davon – Stamm endgültig disqualifiziert – Thomson fällt zurück“

  1. avatar Wilfried sagt:

    ich würde nicht sagen, dass er danebenging. Er hatte eine Chance gesehen und nichts zu verlieren. Der Abstand nach hinten ist weiterhin riesig. Nach Vorne hat er nichts verloren. Man darf auch nicht vergessen, dass sein Boot langsamer ist und hintersegeln deshalb keine Option.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 0

    • avatar penner sagt:

      Einerseits volle Zustimmung.
      Andererseits denke ich, dass die Frage des theoretischen Bootsspeeds überbewertet ist. Bei sB 240 sm Rückstand müsste der zurückliegende ein Potenzial von +0,5 kn 20 Tage lang durchgehend ausfahren um den Verfolgten einzuholen.
      mE spielen die unterschiedlichen Bedingungen und die verschiedenen zeitweisen Ausfälle durch Bruch eine wesentlich größere Rolle. Sind erstmal unterschiedliche Wetterbedingungen erreicht ist sehr viel auch eine Frage von Glück.
      Wie AT nach seinem Wechsel auf Ostkurse schrieb: Die Daten sagen, dass ich 15kn laufe – in Wirklich sind es nur 2
      (sinngemäß)

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  2. avatar °!° sagt:

    “…Cheminées Poujoulat then remains moored on the ship for the whole day…”

    Oha!

    Auch ansonsten lesenswert, besonders hinsichtlich der neuen “facts found” : http://www.vendeeglobe.org/data/medias/01/33/13301.pdf

    Räusper… Ich habs mir ja bis jetzt verkniffen:

    Daß diese Bucht total verkrautet ist, kann man in einer halben Stunde für Null Euro rauskriegen.
    Ich unterstelle mal, daß den VG-Seglern ganz gutes Kartenmaterial und nautische Literatur auch für alle Eventualitäten zur Verfügung steht.

    Und jetzt haue ich vom weichen Sessel aus mein Abschlußvotum zu dieser Geschichte raus:

    Wenn der Kahn so am Ende war, daß nur zumindest mehrstündiges Festmachen (wovon wir ja bis jetzt nichts gehört hatten) an dem russischen Schiff die Rettung vor einer möglichen Strandung in einer für das Ankern untauglichen Bucht war, dann konnte die Jury nicht anders als auf DSQ entscheiden.

    Ansonsten wünsche ich dem kleinen Scheißer an der Spitze einen guten Heimflug. Da geht wohl gerade ein neuer Stern auf.

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    • avatar Olli sagt:

      …äh bitte wem wünschst Du einen guten Heimflug?
      Der Stern war schon vor dem Rennen nicht besonders schwach leuchtend, sonst wäre er kaum mit einem solchen Boot unterwegs, aber Deine Bezeichnung für diesen großen Segler klingt irgendwie despektierlich. War das so geplant?

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      • avatar °!° sagt:

        Olli,

        wie soll ich’s sagen… anfangsverdächtnig über fortgeschrittenes Leseverständnis zu verfügen bist Du jedenfalls nicht.

        Laß mich raten: Frau? Finanzbeamter? Beides?

        Aber danke für die Hinweise zu Gabart.

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  3. avatar Jörn Richter sagt:

    Moin,
    ich finde es traurig, das die Jury nicht über ihren eigenen Schatten springen will.
    Wenn die gesamte Flotte einstimmig gegen die Jury Eintscheidung stimmt und Stamm unterstützt,
    dann stimmt da etwas nicht und die Jury hat gegen die Segler entschieden.
    Naja, für wen machen die das eigentlich?
    Ich kenne und mag Bernard Bonneau (der Jury Chef) eigentlich, aber …

    Genau dies ist der Grund, warum ich mit dem Schiedsrichten aufgehört hab …
    Schade, aber so ist es.
    Moin, Moin und ein Bunten Tag,
    – Jörn Richter

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    • avatar Peter der Zwote sagt:

      Als Konkurrent ist es einfach zu sagen: “Ach, lasst den Stamm doch weiter machen.”
      1. Für die ganz vorne ist er zu dem Zeitpunkt keine Gefahr mehr gewesen.
      2. Die anderen Segeln in erster Linie gegen sich selbst.
      3. Es ist allen klar, dass man so eine Jury eh nicht umstimmen kann.
      4. So kann man in aller Welt Sympathiepunkte sammeln und als großer Sportsmann dastehen.

      Unabhängig davon, ob das DSQ nun gerechtfertigt war oder nicht – die Aussagen der Konkurrenz diesbezüglich ist meines Erachtens dafür kein Kriterium.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

    • avatar Willii Gohl sagt:

      Hallo Jörn,
      nett, mal wieder etwas von Dir zu hören. Wenn Du aber der Meinung bist, dass eine Jury gegen die Regeln und nach Gutdünken, also nach dem, was sie oder andere möglicherweise für “fair” halten, entscheiden soll, dann war es ein kluge Entscheidung von Dir, mit dem “Schiedsrichtern” aufzuhören. Nix für ungut und viele Grüße, Willii Gohl

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 4

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