Vendée Globe: Javier Sanso per Hubschrauber geborgen – Dick fast im Ziel ohne Strafe

Gerettet!

Der Spanier Javier Sanso ist bei der Vendée Globe erfolgreich von einem Hubschrauber abgeborgen worden. Jean-Pierre Dick erhält keine Strafe von der Jury und wird am Nachmittag im Ziel erwartet. De La Motte kämpft mit Schwert-Bruchstück.

Javier Sanso auf seiner "Acciona"

Javier Sanso hat seine “Acciona” nach einem Kielbruch verloren ist aber gerettet worden. © Sanso/Acciona

Dramatische Stunden in der Dunkelheit. Javier Sanso, der am Sonntag nach dem vermuteten Verlust des Kiels gekentert war und seine Rettungsinsel bestiegen hatte, ist kurz vor Mitternacht von einem Helikopter abgeborgen und nach Terceira auf die Azoren Inseln gebracht worden. Die Flugzeit zum und vom Unglücksort betrug jeweils fast fünf Stunden.

Sanso war gerade dabei, ein Reff einzubinden, als es plötzlich laut krachte und sich das Schiff sofort auf die Seite legte. Dabei fiel der Skipper über Bord, erreichte aber im etwa 20 Grad warmen  Wasser schwimmend das Heck seiner gekenterten Yacht. Über die Heckluke stieg er wohl ins Boot und machte die Rettungsinsel klar. “Acciona” treibt offenbar immer noch gekentert im Atlantik.

Tanguy de Lamotte

Tanguy de Lamotte versucht, sein gebrochenes Schwert aus dem Kasten zu treten. © De Lamotte

Gute Nachrichten gibt es von Jean-Pierre Dick. Der Franzose hat seinen Weg “unten ohne” von der Ankerboje im spanischen San Ciprian zum Ziel in Les Sables d’Olonne fortgesetzt und wird am Nachmittag das Rennen als vierter beenden.

Außerdem hat die Jury ihre Entscheidung zu seinem Anlegemanöver unter Motor bekannt gegeben. Das Aufbrechen der Motor-Verplombung habe zwar die Artikel 13.2 und 13.3 der Notice of Race verletzt, Dick habe aber von dem drei- bis vierminütigen Manöver nicht profitiert sondern es sei ein Akt guter Seemannschaft gewesen.

De Lamotte immer noch mit Problemen

Das Schwert hängt abgebrochen im Kasten.

Das Schwert hängt abgebrochen im Kasten. © De Lamotte

Für Tanguy de Lamotte, der sich Schwert und Ruder abgerissen hat, gestaltet sich die Situation allerdings immer noch schwierig. Ihm war es zuletzt nicht gelungen, das abgebrochene Schwert aus seinem Kasten zu entfernen. Wasser drang in das Schiff ein. De Lamotte bekundete aber, dass er dennoch seinen Weg nach Les Sables fortsetzen wolle. “Das Rennen ist ein Abenteuer, und ich werde alles tun, um es bis zuende bringen.” In der letzten Stunde machte er wieder 4,8 Knoten Fahrt Richtung Ziel.

Vendée Globe am 4.2.

Vendée Globe am 4.2.. Der Ausflug von Mike Golding Richtung Spanien scheint sich nicht auszuzahlen, auch wenn er noch vor Le Cam geführt wird. Dick ist fast im Ziel.

Der Zweikampf zwischen Mike Golding und Jean Le Cam scheint sich langsam zugunsten des Franzosen zu entwickeln. Golding suchte zwar den schnellen Erfolg über die Abkürzung rechts am Azoren Hoch vorbei und legte virtuelle 80 Meilen zwischen sich und den Konkurrenten, aber er muss jetzt kreuzen, während Le Cam mit raumen Winden stark aufholt. Zuletzt war Le Cam vier Knoten schneller unterwegs.

“Der Wind hat sich nicht so entwickelt, wie vorhergesagt”, sagt der Brite. “Ich fühle mich, als wenn ich in der vergangenen Stunde meinem Schwanz hinterher gejagt wäre. Ich habe wohl sechsmal gewendet. Das ist harte Arbeit.”

 

"Acciona" mit Schwertstummel

Wenn “Acciona” Fahrt aufnimmt hebelt der Schwertstummel den Kasten auf und verstärkt den Wassereinbruch. © De Lamotte

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Vendée Globe: Javier Sanso per Hubschrauber geborgen – Dick fast im Ziel ohne Strafe“

  1. avatar Tom sagt:

    “XXX trifft UFO”: Wie oft haben wir das jetzt schon lesen müssen? Kommt es mir nur so vor oder kann man da draußen inzwischen fast trockenen Fußes über den Atlantik laufen? Nimmt das überhand in letzter Zeit?

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    • avatar Ketzer sagt:

      Naja, guck’ Dir an, wie viele da ihre Schiffe schon aufgegeben haben, obwohl die Dinger nicht wirklich gesunken sind. Das ist vielleicht so ein selbstverstärkender Effekt, wie die Kernspaltung. Ich rassele auf ein UFO, verlasse mein Schiff und schon treiben da 2 UFOs durch die Gegend.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar hurghamann sagt:

    Das World Shipping Council geht von durchschnittlich 375 Containern aus die in “normalen Jahren” über Bord gehen, bis zu ca 670 Containern in Jahren mit Grosschadensereignissen (MSC Napoli, Rena….) – die oft kolportierte Zahl von 10.000 wird als völlig übertrieben angenommen. Dazu kommen noch die Ladungen aus an Deck zertümmerten Containern und andere verlorene Decksladung und den Mist den die lieben Seeleute sonst noch so über Bord werfen (Paletten etc:). Jetzt noch losgerissene Bojen und andere von Land vertriebene Objekte plus Wale und andere Meerestiere dazugerechnet, dann haben wir doch schon eine ziemliche Wahrscheinlichkeit irgendwas zu treffen. Wenn man dann noch so 15 bis 20 knoten auf der Uhr hat, geht natürlich auch richtig was Kaputt.

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    • avatar Koruka sagt:

      Brauchen diese “Rennziegen” überhaupt eine Kollision damit der Kiel abbricht oder reicht schon “Schwere See” ?

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      • avatar Seven sagt:

        Sicherlich nicht unberechtigt die Frage.Was mag die Bombe wiegen? 3-3,5 Tonnen … wie lang ist der Kiel ? …4m vieleicht ? Das ist ein recht beachtlicher hebel…wer hat in Mathe aufgepasst und ausrechnen was da für kräfte auftreten wenn der Kahn mit 20 Kn. in die nächste Welle hin einfährt ,das Schiff abgebremst wird und die Bombe aufgrund der masse weiter geradeaus fahren will .Und das ganze ungefähr 2000 Stunden lang…….

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  3. avatar Peter sagt:

    So sehr ich die Jury-Entscheidung zugunsten von JPD begrüße, so finde ich die Begründung angesichts der Bernhard Stamm Sache aber höchst merkwürdig. “Gute Seemannschaft” kann man ja nun (das haben wir jüngst erst hier irgendwo diskutiert) in vielerlei Hinsicht definieren, am Ende kommt es irgendwie darauf hinaus, sein Schiff sicher zu führen und Gefahren vorausschauend abzuwenden. Aber ist nicht die gegenseitige Hilfe auf See, unter Seeleuten einer der wichtigsten Bestandteile von “Seemannschaft”? Das unbedingte Wissen, dass jeder Seemann jedem anderen Seemann in der Notlage helfen wird; rücksichtnehmend auf keine anderen Vorgaben als die eigene Sicherheit?
    Ich will eigentlich auf keinen Fall die Stamm-Diskussion wieder aufkochen, aber einem vor Anker driftenden Schiff zu helfen, und diese Hilfe auch zu zu lassen würde ich als höchste Seemannschaft bezeichnen.

    Ich verstehe die Regeln, ich verstehe, dass es nicht im Sinne des Rennens ist, dass jemand unterwegs mal eben irgendwo längsseits gehen darf, um sich zu reparieren. Aber wenn ein Ankermanöver eine Ausnahmesituation erzeugen kann, in der man den Motor benutzen darf (hey und klar, niemand wird von einem übermüdeten und nicht mal von einem wachen Skipper ernsthaft erwarten, ein Mouringmanöver in einem Hafenbecken mit einem 60-Fußer unter Segeln zu absolvieren) dann verstehe ich nicht warum solch eine Ausnahmesituation nicht auch im Ankerfeld von Stamm anerkannt wurde.

    Zu spät ist es eh. Logisch meines Erachtens spätestens jetzt wieder nicht.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 6

    • avatar Uwe sagt:

      warum Schramm disqualifiziert wurde und Dick nicht, liegt an den vom Veranstalter aufgestellten Regeln, die von allen Teilnehmern anerkannt wurden.
      Einhand, d.h. ohne fremde Hilfe ist eine elementare, das Rennen charakterisierende Eigenschaft, die der Veranstalter höher wertet als die Zuhilfenahme der Maschine beim Ankern oder Festmachen an einer Boje.
      Für die Inanspruchnahme fremder Hilfe war also die Disqualifikation vorgeschrieben, für die Zuhilfenahme der Maschine beim Festmachen an der Boje dagegen nicht.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 4

    • avatar Wilfried sagt:

      das Lesen der Regeln hilft hier weiter. Ankern ist erlaubt, an die Mooring gehen ist erlaubt. Anlagen im Hafen ist erlaubt. Längsseitsgehen ist nicht erlaubt. Schon damit ist der Unterschied klar.

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  4. avatar chenninge sagt:

    Sehr schade, zumal Sansó mit seinem Anspruch, als erster Mensch die Welt zu umsegeln und keine Fossilen Brennstoffe zu verwenden sondern nur auf Erneuerbare zu setzen anscheinend gut unterwegs war- im Gegensatz zu vielen Anderen kamen ja keine Nachrichten über mangelnde Elektrizitätsversorgung.

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  5. avatar hher sagt:

    Vielleicht kann er froh sein, dass sein Schiff schnell durchgekentert ist. Hätte er überleben können wenn das Schiff (mit gesetzen Segeln und Autopilot) einfach und für einen Schwimmer unerreichbar weggefahren wäre?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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