Vendée Globe: Jörg Riechers erklärt die Speedrekorde

"So etwas wie eine Vorentscheidung"


Day 36 highlights – Saturday, December 15, 2012


In dieser Woche fiel beim Vendée Globe fast so etwas wie eine Vorentscheidung für die Podium-Platzierungen. Die beiden führenden “Macif” und “Banque Populaire” konnten sich mit perfekten Bedingungen vom Feld absetzten.

Francois Gabart gibt bei der Vendée Globe unaufhaltsam Gas. © JEAN-MARIE LIOT / DPPI / VENDEE GLOBE

Francois Gabart gibt bei der Vendée Globe unaufhaltsam Gas. © JEAN-MARIE LIOT / DPPI / VENDEE GLOBE

Der große Verlierer ist Jean Pierre Dick. Er lag am Dienstag nur 50 Meilen hinter den beiden Führenden, wurde aber von einem Hochdruckkeil “aufgesogen”. Die beiden Konkurrenten vor ihm enteilen mit 30kn Wind und 120° wahrem Windwinkel. Besser geht es nicht für einen IMOCA 60.

Bis heute hat Jean Pierre Dick schon 470 Meilen verloren. Er hat allerdings die Hoffnung noch so halbwegs im selben Wettersystem zu bleiben. So könnte er noch einigermaßen den Anschluss an die Spitze  halten.

Stamm und Thomson blockiert

Diese Hoffnung dürfen die restlichen Verfolger locker begraben. Es sei denn, es passiert noch ein Wunder. Aber die sind nicht nur im Segeln rar. Alex Thomson und Bernard Stamm haben in den letzten  Tagen viele Federn lassen müssen.

Kurz nach dem Amsterdam Eisgate sah es noch so aus, als wenn sie Anschluss zur Spitze halten könnten, aber ihr nördlicher Kurs hat sich nicht ausgezahlt. Schlimmer noch, sie sind in einer taktisch delikaten Situation, denn ihre Verfolger Le Cam und Goldig sind zur Zeit taktisch besser platziert. Sie werden in den nächsten Tagen von einem kräftigen Tief profitieren können.

Bei der Vendée Globe hat sich das Führungsduo weit abgesetzt. Auch Jean-Pierre Dick liegt als Dritter jetzt schon 460 Meilen zurück

Bei der Vendée Globe hat sich das Führungsduo weit abgesetzt. Auch Jean-Pierre Dick liegt als Dritter jetzt schon 460 Meilen zurück

Stamm und Thomson sind im Norden blockiert. Es bietet sich ihnen keine wirkliche Chance, in den Süden abtauchen zu können. Außerdem sind beide etwas angeschlagen. Bernard Stamm hat keinen Coffeegrinder mehr und muss alle Winschen per Kurbeln bedienen. Einige Manöver werden hierdurch extrem erschwert. Das “Aufrollen” der Segel dauert dadurch gut dreimal so lange wie gewohnt. Das ist nicht gerade gut für die Lebensdauer der Segel, weil sie länger flattern.

Alex Thompson hat nur noch einen Hydrogenerator zur Verfügung und nur noch wenig Diesel. Sollte sein letzter Hydrogenerator auch noch kaputtgehen, könnte es sehr brenzlig werden für ihn. Ohne Strom wäre er gezwungen, die Vendée Globe aufzugeben.

Wie können die Open 60s so schnell sein?

Die Frage, die sich viele in der vergangenen Woche gestellt haben: Wie kann man Einhand mit einen Open 60 fast so schnell unterwegs sein, wie ein 10 Fuß längerer Volvo 70, der von einer zehnköpfigen Crew gesegelt wird? Gabart segelte 545 Meilen in 24 Stunden, der absolute Rekord Moohull Rekord von “Ericsson 4” beim 2008-09 Volvo Ocean Race liegt bei 596.6 Meilen. Bei vergangenen Volvo Ocean Race schaffte Camper 566 Meilen.

Die Antwort ist, dass die Open 60 sehr gut auf Raumkursen funktionieren und die Autopiloten in der letzten Jahren deutlich verbessert worden sind.  Vor 10 Jahren waren die Selbststeuerungen immer ein Unsicherheitsfaktor. Mit der Einführung des NKE HR (haute Resolution) Piloten im Jahre 2008 hat sich das geändert. Der war bis 2010 das Maß aller Dinge, aber in diesem Jahr  hat B&G ordentlich nachgezogen. Die neuen B&G Piloten sind den NKE Geräten absolut ebenbürtig.

Dieser Autopilot integriert in seine Entscheidung über die Ruderstellung nicht nur die Krängung sondern auch die Veränderung der Längsachse. Surft das Boot also eine Welle herunter, krängt und und kippt es nach vorne, so fällt der Pilot sofort etwas ab, um die Welle abzusurfen. Sobald die Krängung wieder abnimmt, luvt er an, um erneut  Speed aufzunehmen für die nächste Welle.

Die Parameter über das Steuerverhalten des Bootes kann man manuell einstellen. Es ist ein Unterschied, ob man mit Spi oder Code5 vorm Wind segelt oder ob man mit Code3 oder JibeTop auf Reachkursen unterwegs ist.

Das Wissen über die Einstellungen bekommt man aber nicht frei geliefert. Es bedarf vieler Trainingsstunden auf dem Wasser, um die richtigen Set Ups  zu finden und zu wissen, wann man sie einsetzen muss. Wie so oft beim Einhandsegeln ist die Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg.

Geheimes Reach-Segel bei Gabart

Ein weiterer Schlüssel zu den aktuellen Top-Speeds ist das Segel-Programm. Es ist auffällig, dass Francois Gabart bei Hard Core Reaching Bedingungen immer etwas schneller als Armel LeCleach ist. Auf direktem Kurs hat er jetzt schon 46 Meilen verloren. Ich glaube, dass es daran liegt, dass Francois ein spezielles Reaching Segel hat – einen Jibe Top Reacher.

Sein Mentor Michel Desjoyeaux hat es aufgedeckt. Es sei eine Weiterentwicklung des Segels, das Desjoyeaux vor vier Jahren dabei hatte. Le Cléac’h verfügt nicht darüber . Es Segel funktioniert perfekt bei über 30kn TWS und TWA von 120° – 130°, genau die Bedingungen, bei denen Francois alles in Grund und Boden fährt.

Um dieses Segel mitzuführen, muss er aber auf ein anderes Segel verzichten u.U. vielleicht auf die Trinquette. Es ist immer ein Abwägen, welches Segel man mitnimmt und welches man an Land lässt. So wie es zur Zeit aussieht, hat Francois Gabart die richtige Entscheidung getroffen.

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5 Kommentare zu „Vendée Globe: Jörg Riechers erklärt die Speedrekorde“

  1. avatar 123 sagt:

    Wieso hat Stamm keinen Grinder mehr?

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  2. avatar C sagt:

    wieso kann man die zweite seite nicht sehen?

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    • avatar qwertz sagt:

      Woher weißt du, dass es ne zweite Seite gibt?

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      • avatar C sagt:

        ach tut mir leid, meine internetverbindung gestern abend war nicht sehr gut so habe ich nur einen halben satz als ende gesehen

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