Vendée Globe: Jury untersucht Jean-Pierre Dicks Motor-Manöver

War es ein Notfall?

Jean-Pierre Dick parkt bei der Vendée Globe an einer Boje im Hafengebiet vor dem spanischen San Ciprian. Hat er den Motor im Rahmen der Regeln benutzt? Wird er nun auch disqualifiziert?

Jean-Pierre Dick ankert in San Ciprian

Jean-Pierre Dick ankert im spanischen Hafen von San Ciprian. ©Thornado

Wie skurril die Situation für Jean-Pierre Dick sein muss. Da kämpft er sich um die Welt, übersteht einen Kielbruch, segelt fast 2000 Meilen ohne Gegengewicht unter dem Rumpf und nun liegt er an einer Boje im hässlichen Hafen von San Ciprian in Sichtweite einer Aluminium-Fabrik.

Er wartet auf den Durchzug eines Starkwindgebietes in der Biskaya. Bei mehr als 25 Knoten würde der Wasserballast nicht ausreichen, um eine Kenterung zu verhindern, glaubt er. Nun fehlen noch 291,8 Meilen  bis zum Vendée Globe Ziel in Les Sables d’Olonne, wo seine Familie wartet. Von hinten kommen die Gegner heran, und er darf nicht einmal von Bord.

Der Hafen von San Ciprian

Der Hafen von San Ciprian, in dem Jean-Pierre Dick zurzeit an einer Muring-Tonne liegt.

Außerdem muss er sich Sorgen machen, dass die Jury sein jüngstes Manöver nicht gutheißt. Dick hatte Plombe für den Motor-Antrieb gelöst, und war unter Maschine gefahren, um die Muring-Tonne im Hafen zu erwischen.

Das ist aber nur erlaubt, wenn Gefahr droht. War das nun ein Notfall? Dick hat der Jury berichtet, dass er den Hafen unter Motor erreicht habe und nur für das kurze Festmach-Manöver die Maschine benutzt. Auch das dürfte einhand mit einem 60 Fußer ohne Kiel nicht sehr einfach gewesen sein.

Die Konkurrenz parkt

Der Sieger des vergangenen Barcelona World Races kündigte an, dass er erst einmal schlafen werde. Die Ansteuerung im Verkehr vor dem Kap Finisterre sei sehr anstrengend gewesen. Alle 30 Minuten habe er sich wecken müssen, um den zahlreichen Fischer-Booten auszuweichen. Er werde aber am Nachmittag tauchen gehen, um die Festigkeit der Muring-Tonne zu überprüfen und vielleicht eine weitere Leine anzubringen.

Immerhin kommt die Konkurrenz nicht besonders zügig voran. 900 Meilen liegt Jean Le Cam noch achteraus. Er erreichte zuletzt nur noch drei Knoten und Mike Golding konnte den Rückstand bis auf 20 Meilen verkürzen. Und auch der außer Konkurrenz segelnde disqualifizierte Bernard Stamm schob sich heran.

Le Cam steht unter Druck, seit er in die Flaute fuhr. “Das ist hart”, sagt er. “Ich weiß, dass Mike aufkommt. Ich bin vorbereitet. In diesen Momenten ist es wichtig, ruhig zu bleiben, zu atmen und anzunehmen was auch immer passiert. Eine Zen-Einstellung ist hilfreich. Normalerweise schlägt so etwas nicht stark auf meine Stimmung. Aber ich bin auch nicht der gelassenste Typ. Ich werde auch nicht so tun, als wenn ich es wäre, wenn er wie eine Kanonenkugel auf mich zuschießt.”

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „Vendée Globe: Jury untersucht Jean-Pierre Dicks Motor-Manöver“

  1. avatar Wilfried sagt:

    auch bei Bernhard Stamm hat bis jetzt niemand moniert, dass er das Motorsiegel geborchen hatte um an und abzulegen/zu ankern. Die Disqualifikation erfolgte wegen der Hilfe und dem Festmachen an einem anderen Schiff. Der Notfall besteht darin, dass der Kiel weg ist, das ist allemal kritischer als das die Hydrogeneratoren repariert werden sollen.
    Oder glaubt irgendjemand das es sicher ist alleine einen 60 Füßer im Hafen unter Segeln zu manövrieren und an eine Mooringtonne zu kommen?

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    • avatar Uwe sagt:

      Ein Notfall war es sicher nicht, denn er hätte ja auch ohne Zuhilfenahme der Maschine ankern können.
      Einen unerlaubten Vorteil hat er sich jedoch nicht verschafft, da die Maschine ja nicht benutzt wurde, um dem Ziel näherzukommen. Daher wird J-P. Dick nicht disqualifiziert werden.

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      • avatar Stumpf sagt:

        Ist Bernie durch den Russen an Bord dem Ziel näher gekommen?

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        • avatar dubblebubble sagt:

          Es ist ein echtes Dilemma mit diesem Vorteilsparagraphen. Natürlich kommt man mit dem Motor dem Ziel näher als ohne, denn ohne wäre man irgendwo auf Grund gelaufen (Stamm) oder an die Kaimauer (Dick).

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        • avatar Uwe sagt:

          Bernie ist ja nicht wegen des Einsatzes der Maschine disqualifiziert worden, sondern weil er gegen die wichtigste Regel der Regatta – keine fremde Hilfe anzunehmen / Längsseitsgehen – verstossen hat. Dafür sahen die Regeln eine Disqualifikation vor, wobei die Jury leider nicht den geringsten Entscheidungsspielraum hatte.

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      • avatar Skiff Segler sagt:

        Theoretisch gesehen kann J-p Dick um einiges besser ausruhen wenn er an einer Muring hängt die sicher ist als an einem Anker der slipt weil er nur unter Segel eingedampft ist. Ich finde beide Segler haben sich in der Toleranz befunden!

        Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 3

  2. avatar NAMBAWAN sagt:

    Jetzt ist es offiziell bestätigt “No Penalty for Jean-Pierre Dick”
    Das finde ich auch so ok!

    Ich wünsche ihm für die restlichen 220 sm alles Gute…

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