Vendée Globe: Stamm nach Kollision vor dem Aus – Protestverfahren wiedereröffnet

Tragische Figur

Bernhard Stamm steht endgültig vor dem Vendée Globe-Aus, nachdem ihm bei einer Kollision mit einem unidentifizierten Objekt ein Hydrogenerator abgerissen worden ist. Kurz zuvor hatte er sich noch freuen dürfen, weil sein Protestverfahren wiedereröffnet wird.

Bernard Stamm

Bernard Stamm verlor einen der Hydrogeneratoren am Heck. © Vincent Curutchet / DPPI

Was muss dieser Mann noch alles ertragen. Das Auf und Ab der Gefühle nimmt für Bernhard Stamm bei dieser Vendée Globe kein Ende. Erst konnte er sich freuen, dass der Jury Vorsitzende Bernard Bonneau den Protest-Fall des Schweizers nach Erhalt der russischen Zeugenaussage wiederöffnet hat. Die neuen Fakten seien ausreichend. Kurz danach riss der Backbord Hydrogenerator ab.

Um 3:30 nach europäischer Zeit am Sonntag Morgen informierte der Skipper von “Cheminées Poujoulat” sein Shore-Team über eine Kollision mit einem unidentifizierten Objekt, bei der einer der frisch reparierten Stromerzeuger vom Heck gerissen sein soll. Auch der zweite Generator an Steuerbord funktioniere nicht mehr. Die Batterien können zur Zeit nicht geladen werden.

Da Stamm auch nicht genug Sprit an Bord hat, um Energie für Autopilot, Watermaker, Wetterbericht oder Kiel-Hydraulik oder Kommunikation zu laden, scheint das endgültige Aus nun vorprogrammiert. Der Schweizer wird zur tragischen Figur dieser Vendée Globe.

Bernard Stamm (gelb) muss wohl am Kap Horn erneut einen Reparaturstopp einglegen.

Bernard Stamm (gelb) muss wohl am Kap Horn erneut einen Reparaturstopp einglegen.

Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass der Schweizer, die gut 1000 Meilen bis zum Kap Horn noch im Handbetrieb absolviert, um dann am Kap erneut eine geschützte Bucht für eine mögliche Reparatur aufzusuchen. Es ist aber nicht bekannt, ob die Generatoren überhaupt reparabel sind.

Stamms Geschwindigkeit hat noch kaum nachgelassen. Er ist bis auf 23 Meilen an  Dominque Wavre und 75 Meilen an Mike Golding herangerückt, war zuletzt aber nicht mehr schneller als Wavre wie in den Tagen zuvor.

Jean-Pierre Dick kommt immer näher

Auch an der Spitze hat sich etwas getan. Die beiden Führenden sind auf unter 100 Meilen Querabstand aneinander heran gerückt. Gabart wird mit einem Vorsprung von gut 40 Meilen geführt, liegt aber auf einer Höhe zu Le Cléac’h.

Der große Mover im Feld ist allerdings Jean-Pierre Dick, der an einem Tag weitere 100 Meilen auf die ersten beiden gutmachen konnte und mit 225 Meilen Rückstand schon fast in Schlagdistanz ist.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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17 Kommentare zu „Vendée Globe: Stamm nach Kollision vor dem Aus – Protestverfahren wiedereröffnet“

  1. avatar mika sagt:

    man mag sich gar nicht vorstellen wie es in ihm aussehen muss. schlimmer kann es kaum sein nach all den strapazen einfach nicht mehr weiterkämpfen können… man kann nur das beste hoffen aber es sieht wohl so aus als ob er raus ist…

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  2. avatar Volker Andreae sagt:

    .. die Hydro Generatoren waren die große Versuchung und für viele Teilnehmer das zentrale Problem. Schon Boris Hermann hatte damit auf dem Barcelona World Race seine Probleme, wenn ich richtig erinnere. Eine aktuelle VG-Mail listet auf, wie stromabhängig die Open60 sind, Autopilot an 1. Stelle. Mich wundert, dass die Teilnehmer so wenig Redundanzen/ Reserven mitgenommen haben. 100l Diesel für eine Erdumrundung… Ich denke, wenn sie 200l Methanol zusätzlich für 2 Brennsztoffzellen und ein paar Solarzellen mitgenommen hätten, wäre ein Notmodus ohne Pitstop für Stamm möglich gewesen und es hätte an seinem Speed absolut nichts geändert.

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    • avatar NK sagt:

      Schon richtig, aber für das zusätzliche Gewicht hätte er auch so einige Liter Diesel mehr mitnhemen können…

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    • avatar bubbledubble sagt:

      Oder ganz einfach gedacht: ein dritten kompletten Hydrogenerator auf Reserve

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      • avatar Metazentriker sagt:

        Meines Wissens wiegen die Hydrogeneratoren keine 10kg, sollte also bei einem Schiff, dass mehr als 6t wiegt kein großes Problem sein einen weiteren Generator mit zunehmen.

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    • avatar mika sagt:

      gibts einen grund warum windkraft aus der mode gekommen ist?

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      • avatar Tom sagt:

        Ist eine gute Frage. Ich nehme mal an, weil Windgeneratoren überproportional zur Windgeschwindigkeit Energie erzeugen. Die Windgeschwindigkeit geht dabei in dritter Potenz in die erzeugte Leistung ein. Anschaulich: Verdoppelt sich die Windgeschwindigkeit, verachtfacht sich die Leistung.
        Was bei ordentlich Wind richtig Saft für die Akkus liefert, wird bei einem lauen Lüftchen für den normalen Betrieb nicht mehr ausreichen.
        Abhilfe: Größere Rotoren einbauen.
        Nachteil: Bei viel Wind bremst das wieder (3. Potenz), bzw. muss abgeschaltet werden.
        Man verlässt sich also vielleicht lieber auf den relativ konstanten Geschwindigkeitsbereich der Rumpfgeschwindigkeit (irgendwas zwischen 8 und 25 Knoten in den allermeisten Bedingungen).

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        • avatar chriggel sagt:

          Geht auch einfacher: Raumschots ist halt nicht allzu viel Wind an Bord zu spüren…

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  3. avatar Uwe sagt:

    Es hiess inzwischen, dass russische Schiff habe nach Stamm geamkert und sich in seine Driftrichtung gelegt.
    Das könnte die Beurteilung des Falles zugunsten Stamms verändern.
    Ich frage mich allerdings, warum ihm das nicht früher eingefallen ist.

    Stamm hat jetzt offenbar keinen Sprit mehr und will nachbunkern.

    Stamm gewinnt durch sein Pech und sein Verhalten inzwischen mehr Popularität als der Gewinner der Regatta.

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    • avatar Uwe sagt:

      Stamm ist tatsächlich ein Pechvogel:

      Während des Transats Jacques Vabre rammte er einen Container. Dies hat die Vorbereitung auf das Vendee Globe beeinträchtigt und soll der Grund dafür sein, dass er sich nicht um alles selbst habe kümmern können. Auch das Problem der zu grazilen Wassergeneratoren beruht angeblich darauf.

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  4. avatar bubbledubble sagt:

    Bei ihm hat es offenbar die Halterungen der Traveller aus dem Hydrogeneratorträger gerissen. Mit was für einer abenteuerlichen Konstruktion er seit der Reparatur unterwegs war, sieht man hier: http://www.dailymotion.com/playlist/x28hbi_VendeeGlobeTV_bernard-stamm/1#video=xwcp4e

    (ab 04:15 im Detail)

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    • avatar dubblebubble sagt:

      Wie es aussieht, hat Stamm mit seinem ohnehin empfindlichen System auch bei Fremdkontakt schlechte Karten, da es ihm das Teil im Extremfall zerstört oder abreisst. An anderen 60ies hält ein einfacher Klappmechanismus (wohl mit Auflaufschutz) den Generator.

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  5. avatar Wilfried sagt:

    Mit was fahren denn die Anderen. Auch Hydrogeneratoren oder nur noch Thompson?

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  6. avatar Olli sagt:

    Hydrogeneratoren sind das Maß aller Dinge zur Stromerzeugung.
    Redundanzen sind ja vorhanden. Schließlich fahren sie mit zwei Aggregaten, bräuchten aber nur einen. Somit kann ich es ganz gut verstehen, daß keine weiteren Stromerzeuger dabei sind. Die Frage, warum nicht einer mehr, kann zu jedem Ausrüstungsggenstand gestellt werden, das ausfällt. Leider weiß man nicht vorher, was ausfallen wird. Sonst hätte Vincent Riou sicher eine Reserve für sein Outriggerwasserstag dabei gehabt oder JPD jene Teile, die ihm im Rigg ausgefallen sind, über deren Ableben er aber nur Andeutungen gemacht hat. Stamm hätte sicher auch im nachhinein lieber eine zweite Genua statt des kleinen Code 0 an Bord.

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