Vendée Globe: Stamm scheidet aus und ärgert sich – Thomson holt deutlich auf

Rendezvous am Kap Horn


Day 61 highlights von VendeeGlobeTV

Bernard Stamm ist aus der Vendée Globe ausgeschieden und segelt außer Konkurrenz nach Les Sables d’Olonne. Alex Thomson holt dramatisch auf.

Bernard Stamm beim Pitstopp am Kap Horn mit der Crew der Pakea Bizkaia

Bernard Stamm wird am Kap Horn von der Crew der Pakea Bizkaia empfangen, um Sprit zu übernehmen. © Pakea Bizkaia

Als hätte es ihn nie gegeben. Die vertraute gelbe Spur von Bernard Stamms “Cheminées Poujoulat” ist auf der Karte des Trackers verschwunden. Seit dem Vendée Globe Positions-Update am 9.1. um 18:34 ist das Konterfei des Schweizers mit einem Schleier verdeckt und dem Zusatz versehen ABD, abandoned, aufgegeben.

Stamm hatte die Rennleitung offiziell von seinem Abbruch des Rennens unterrichtet, bevor er am Kap Horn unerlaubte Hilfe von außen annahm. Unai Bazurka, ein ehemaliger Einhandsegler Kumpel aus Spanien, war zufällig zur gleichen Zeit am Kap Horn, weil er mit seiner Yacht “Pakea Bizkaia” zu einem Eis-Törn aufgebrochen war, um unter anderem einen spanischen Wellenreiter die ultimative Antarktis-Welle absurfen zu lassen.

Ankern am Kap Horn. Die Freunde von der "Pakea Bizkaia" helfen beim Reparieren.

Ankern am Kap Horn. Die Freunde von der “Pakea Bizkaia” helfen beim Reparieren. Ein Mann klettert in den Mast. © Pakea Bizkaia

Stamm nahm beim Rendevouz am Kap Horn 150 Liter Diesel auf, führte einige Reparaturen aus und lud nach nur fünf Stunden Schlaf in den vergangenen drei Tage auch seine persönlichen Batterien auf. Nun ist er auf dem Heimweg Richtung Les Sables d’Olonne. Die ausstehende Protestentscheidung zu der möglicherweise unerlaubten Hilfeleistung bei Neuseeland ist damit obsolet. Bernard Stamm ist endgültig zum dritten Mal nacheinander bei der Vendée Globe gescheitert.

Teile unterdimensioniert

Kein gutes Haar lässt der Schweizer an seinen Hydrogeneratoren. “Ich dachte, ich könnte auf sie vertrauen und habe viel weniger Sprit mitgenommen.” Aber er habe sich nicht vorstellen können, dass einige Teile unterdimensioniert seien. Leute hätten ihm gesagt, dass er nicht alles selber prüfen könne, dass er vertrauen müsse. Aber das habe nicht funktioniert. Hätte er noch eine Chance, so würde er wirklich alles selber kontrollieren.

“Ich ärgere mich.” Seit Portugal habe dieses Ausrüstungsteil nur Schmerzen bereitet. 95 Prozent des Schiff hätten super funktioniert aber 5 Prozent ruinieren das Projekt. Im Rückblick habe die Container-Kollision beim Transat Jaques Vabre Atlantik Rennen im November 2011 die Vorbereitung zurückgeworfen.

Vendée Globe am 10.1.2013

Bei der Vendée Globe am 10.1. holt Alex Thomson links unter Land mit Wind von hinten stark auf, muss sich aber später noch gen Osten kämpfen.

Die Vendée Globe geht also ohne den Geheim-Favoriten weiter, der gezeigt hatte, dass seine Juan K. Konstruktion durchaus mit den französischen Verdier-Neubauten mithalten kann. Aber an der Spitze bleibt es trotzdem spannend.

Armel Le Cléac’h bleibt dran

So lässt Armel Le Cléac’h im Kielwasser von Francois Gabart nicht locker und konnte den Rückstand bei 84 Meilen stabil halten. Nach wie vor wird aber Gabar eher den stabilen rechtsgedrehten Ost-Wind erreichen und nach der Wende deutlich vor seinem Bug passieren können.

Die meisten Meilen macht zurzeit Alex Thomsen mit seiner frisch reaprierten “Hugo Boss” gut. Der Brite steht im wahrsten Sinne des Wortes unter Strom, seit er die Batterien wieder auf 100 Prozent laden kann. Er profitiert von stetigem Süd-Ost-Wind, der ihn bis nach Rio tragen könnte. Der Rückstand zu Jena-Pierre Dick beträgt nur noch 40 Meilen. Bald muss sich aber auch Thomson gegen den Wind nach Osten kämpfen.

Der Querabstand zu Jean-Pierre Dick beträgt gut 700 Meilen. Ob es Thomson tatsächlich schaffen sollte vor dem Franzosen zu passieren, muss sich noch zeigen. Auf jeden Fall segelt es sich auf seiner Route mit Wind von hinten zurzeit deutlich entspannter.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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3 Kommentare zu „Vendée Globe: Stamm scheidet aus und ärgert sich – Thomson holt deutlich auf“

  1. avatar Uwe sagt:

    “Selber Schuld” lese ich anderswo zu den defekten Hydrogeneratoren. Stamm hatte auf den Klappmechanismus verzichtet, der die Generatoren bei der Kollision mit Treibgut vor Beschädigung schützt.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 5

  2. avatar Peter sagt:

    ehrlich gesagt habe ich den Überblick verloren. Wann ist Stamm denn der erste Hydrogenerator abgeraucht? War er nach der Ankeraktion schon nur noch mit einem intakten Hydrogenerator weitergesegelt?

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

  3. avatar Stumpf sagt:

    “Ich dachte, ich könnte auf sie vertrauen…”

    Lieber Bernhard,

    jetzt verspielst Du die Sympathie, die Dir in den letzten Wochen zugeflogen ist.

    Verantwortlich bist Du selbst und wenn Du jetzt Teile Deines Teams für den Abbruch verantwortlich machst, ist das schlechter Stil.

    Schade.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 23 Daumen runter 3

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