Vendée Globe Analyse: Gabarts Sieger-Kampagne kostete Sponsor Macif 8 Millionen Euro

„Da ist mehr drin!“

Kampagnen-Teaser “Macif und Francois Gabart”

Zahleneuphorie bei der Vendee Globe: Der jüngste Sieger Gabart und sein Sponsor Macif sind auch wirtschaftlich ein schlagkräftiges Team. Wie es dazu kam und warum das Duo weiter bestehen wird!

Machen wir uns nichts vor: Im Tiefschnee ihrer Herzen haben die großen Sponsoren der populären französischen Hochseeregatten zwar ein gewisses Faible für den Sport und das Abenteuer auf dem „Grand Large“, den Weiten des Ozeans… unterm Strich zählt aber immer nur eines: Profit. Gerne mehr, aber bitteschön nicht weniger.

Entsprechend sind große Marken bzw. Konzerne im französischen Sponsorenzirkus nur vermeintlich fest verankert: Zieht auch nur das kleinste Anzeichen einer drohenden Wirtschaftsflaute am Horizont auf,  werden schnell die Segel gestrichen; kaum sind die zu erwartenden Popularitätswerte des Hochseesegelns nicht mehr ganz so optimistisch, wird bis in die dritte Reihe gerefft.

Francois Gabart, Macif, Vendee Globe

Traum aller Regatta-Segler: Kampagne im Wert von 9 Millionen © curutchet

Von unten nach oben

So geschehen in den letzten zwei Jahren vor dem Start dieser Vendée Globe: Mindestens fünf unter den letztendlich Gestarteten mussten bis zuletzt um ihr Budget bangen, sieben weitere  SeglerInnen kämpften um ihre Kampagne und scheiterten trotz Vorverträgen und Versprechungen doch noch. Man wähnte die IMOCA-Klasse (und nicht nur die) in einer tiefen Krise, auch weil im Vergleich zur VG 2008/09 mehr als zehn Boote weniger am Start waren.

Doch allen Unkenrufen zum Trotz wurde die diesjährige Vendée Globe zum größten Hochsee-Segelspektakel der Welt, zumindest was die Aufmerksamkeitswerte anbelangt: Obwohl noch nicht alle Zahlen ausgewertet wurden, sprechen sie schon für sich:

• Mehr als eine Million Besucher in der Woche vor dem Start vor Ort in Les Sables d’Olonnes

• 150.000 Zuschauer beim Zieleinlauf des siegreichen Gabart auf Macif,

• 8 Millionen „Unique User“ allein auf der offiziellen Veranstaltungs-Site, die 240 Millionen Seitenaufrufe generierten.

• Sponsoren wie Macif, die tägliche Blogs ihrer Helden auf See einrichteten, sprechen von 3-4 Millionen zusätzlichen Nutzern.

• Mehr als 40 Millionen Menschen sollen weltweit seriösen Schätzungen zufolge zumindest einen Bericht über die Vendée Globe im TV, im Internet, in Tagezeitungen, Magazinen und Radiosendungen konsumiert haben.

• Jeder 4,5te Franzose hat statistisch mindestens ein Mal irgendwie bei der VG „vorbei geschaut“.

Wer nun mit seinem Marken- oder Unternehmensnamen mitten in diesem Spektakel vertreten war, hatte größte Chancen, seine eingesetzten Sponsorengelder nicht nur zu amortisieren, sondern schlicht zu versilbern. Soll heißen: Die zu erwarteten Ziele wie „Erhöhung bzw. Stabilisierung des Bekanntheitsgrades“ oder „Vertrauen bildende Maßnahmen rund um die Marken und Produkte“ wurden allesamt erfüllt – vorausgesetzt, man zählte zu den Gewinnern… und musste nicht früh aufgeben!

Francois Gabart, Macif, Vendee Globe

Jüngster Hochseeheld, schnellster Weltumsegler auf Monorumpf: Francois Gabart © Curutchet

Gabart, ein Risiko?

Womit wir bei Francois Gabart und seinem Sponsor „Macif“ angekommen wären. Der mit 29 Jahren jüngste Sieger bei einer Vendée Globe, erster Mensch, der mit einem Monorumpf in weniger als 80 Tagen um die Welt segelte, war vor der Regatta zumindest für seinen Sponsor ein gewisses Risiko.

Die „Groupe Macif“ ist ein französischer Versicherungsverein, der 1960 gegründet wurde und heute knapp 5 Millionen Nehmer versichert – 8.900 Angestellte erwirtschaften mit 16,7 Mio Verträgen 4,9 Milliarden Euro Umsatz.

“Macif” hat seinen Sitz in der Nähe von La Rochelle und ist schon aufgrund dieser räumlichen Nähe zum Meer seit Jahrzehnten auf und am Wasser aktiv. Sie versichern zehntausende Yachten und Boote, Werften, und Häfen, finanzieren zu einem Großteil die französischen „Sauveteurs de mers“, sind Teilhaber großer Fährlinien.

Seit fünf Jahren finanzieren sie ein einzigartiges Segelprogramm: Jedes Jahr  versorgen sie einen vielversprechenden französischen Hochseesegler mit einer konkurrenzfähigen Figaro II, zahlen ihm ein anständiges Jahresgehalt, finanzieren ein 5köpfiges Begleitteam und bezahlen alle Reise- und sonstigen Nebenkosten. Einer dieser Glücklichen war Francois Gabart: Blutjung wird er Zweiter bei der Solidaire du Figaro und französischer Hochseemeister.

Macif, Francois Gabart, Vendee Globe

Ein Ausnahmetalent wird in der Direktion von Macif vorstellig © Liot

Im Jahre 2008 wird dieses Ausnahmetalent in der Direktion von Macif vorstellig und überzeugt „kackfrech“ seine Zuhörer, dass mit diesem Titel nicht „Schluss sein dürfe, da mehr drin sei!“ Und verließ die Unterredung mit einem Vertrag über ein Sponsorship bei der Vendée Globe 2012/13 in der Tasche. In Zahlen: 4,5 Millionen Euro für den Bau einer IMOCA der letzten Generation plus vier-Jahres-Vertrag für Francois Gabart mit einem 7-10 köpfigen Team im Hintergrund für 3,5 Millionen Euro macht insgesamt 8 Millionen Euro.

Amortisieren um jeden Preis

„Dafür müssen die Gegenleistungen durchweg stimmen,“  äußert sich unlängst der zuständige Macif-Direktor Gerard Andreck. „Unser Impact mit der Hochseesegelei sollte sich natürlich auszahlen!“  Ein vielversprechender Anfang wurde allein über den Charme und das Charisma des jungen Gabart gemacht: Überall wo er auftauchte, egal, bei welcher Regatta er teilnahm, stürzten sich die Medien auf den charmanten und lockeren „Beau“. Doch die vorläufig eher schwachen Ergebnisse dieser Aufmerksamkeit zeigten dennoch deutlich, dass sich alles, „aber auch wirklich alles auf die Vendée Globe selbst konzentrieren würde,“ so Andreck weiter.

Alle Beteiligten wussten, dass neben der Skipper-Performance vor allem die Leistungen des Schiffes stimmen mussten. Also investierte Macif erneut 150.000 Euro in ein Refit der IMOCA, obwohl das Schiff schon zum Modernsten gehörte, was in der Klasse geboten wurde. Gleichzeitig stellte Macif eine neue Kosten-Nutzen-Rechnung  auf: Nicht nur extern sollte sich der Einsatz rund um Francois Gabart lohnen, sondern auch intern.

Über ein Jahr hinweg wurde mit aufwändigen Haus-Kampagnen bei den Macif-Mitarbeitern für eine Unterstützung von Francois Gabart bei der Vendée Globe geworben. Ein Segler und sein Schiff sollten die Mitarbeiter eines Unternehmens zusammen schweißen…

Vendee Globe, Macif, Francois Gabart

Massives Macif-Empfangskomitee © Blanchet

Der Rest ist Geschichte

Francois gewinnt auf spektakuläre Weise, mehr als 1.000 Macif-Mitarbeiter formieren ein „Bravo, Francois“ auf dem Strand von les Sables, die Kontaktzahlen zur Marke Macif steigen in schwindelerregende Höhen: Mehr als 100 Millionen werden derzeit vorsichtig geschätzt!

Doch all’ dies hätte buchstäblich ins Wasser fallen können, wäre Francois wie einige seiner Kollegen mit einem UFO oder Fischtrawler kollidiert. Auf genau diese Bemerkung zückte Francois bei der Pressekonferenz im Ziel nur grinsend die Schultern: „Ich bin eben bei einem guten Sponsor versichert!“

Übrigens: Macif und Gabart verhandeln folgerichtig gerade über weitere vier Jahre Sponsorship. Die Route du Rhum, das Barcelona World Race und einige andere Regatten warten schon.

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Vendée Globe Analyse: Gabarts Sieger-Kampagne kostete Sponsor Macif 8 Millionen Euro“

  1. avatar Markus sagt:

    Wow, 8 Millonen Euro!

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  2. avatar Heini sagt:

    So etwas wäre dem Jörg (Riechers) auch zu gönnen. Es gibt genügend Leute oder Konzerne in Deutschland, die das aus der Portokasse zahlen könnten.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

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