Vendée Globe: Armel Le Cleac’h drückt auf die Entscheidung – Thomson mit Problemen

"Hugo Boss" unter Druck

Nach vielen Tagen eines reinen Speedvergleichs mit kaum taktischen Optionen im engen Eis-Korridor sind für das Führungduo 600 Meilen südlich von Neuseeland große Veränderungen möglich.

Armel Le Claec'h

Blick aus dem geschützten Cockpit. © Banque Populaire

Armel Le Cleac’h schien sich im letzten Moment noch einmal dagegen entscheiden zu wollen. Eigentlich lag ein östlicher Kurs an, der ihn südlich des Kerns vom nahenden Tief vorbeiführen sollte. Aber dann halste er doch noch einmal nach Norden. Dabei halbierte sich sein Vorsprung auf rund 65 Meilen.

Komplizierte Situation für die beiden Spitzenboote. Thomson versucht nördlich vom Kern des Tiefs zu passieren, Le Cleac'h südlich.

Komplizierte Situation für die beiden Spitzenboote. Thomson versucht nördlich vom Kern des Tiefs zu passieren, Le Cleac’h südlich.

Armel Le Cleac'h (blau) war zuletzt im leichteren Wind unterwegs und deshalb langsamer. Aber sein Weg ist direkter.

Armel Le Cleac’h (blau) war zuletzt im leichteren Wind unterwegs und deshalb langsamer. Aber sein Weg ist direkter und entspannter.

Aber der Mann versteht seinen Job und hat offenbar die Zug-Geschwindigkeit des Tiefs perfekt vorausberechnet. Er halste zurück auf Ost-Kurs und scheint nun mit einem deutlich besseren Windwinkel aus der komplizierten Zone herauszukommen.

Alex Thomson wird das schon vorhergesehen habe. Er äußerte sich wenig euphorisch über den kurzfristigen Meilen-Gewinn. “Wir müssen sehen, welche Situation sich nach dem Tief-Durchzug ergibt. Ich denke, es ist irrelevant, wo wir uns im Moment befinden. Wir müssen weiter vorausschauen.”

“Hugo Boss” segelt erst deutlich härteren Bedingungen, die ihn erst in den Überlebensmodus zwangen, bei denen sein intaktes Backbord-Foil nicht zum Einsatz kommen konnte. Dann wurde er vom Tief des Kerns überlaufen und fand sich plötzlich in leichtem Wind wieder, bei dem er viele Meilen auf seinen Kontrahenten an der Spitze verlor.

Dazu kommen die Aussichten, die auf dem Weg zum Kap Hoorn eine Woche mit Wind von Norden also von Backbord erwarten lassen. Auf diesem Bug ist der Brite ohne Foil gehandicapt und wenn es die Bedingungen erlauben kann Le Cleac’h Gas geben und möglicherweise schon eine Vorentscheidung erzwingen.

Aber der Hugo-Boss-Skipper sah bei dieser Vendée Globe schon mehrfach so aus, als müsse er sich vorzeitig geschlagen geben. Dieser Mann hat schon gezeigt, dass in ihm mehr stecken mag, als viele von ihm erwartet haben. Le Cleac’h sollte seinen Gegner nicht unterschätzen.

Vendée Globe Tracker

Die Vendée-Globe-Flotte auf dem Weg zum Kap Hoorn.

Die Vendée-Globe-Flotte auf dem Weg zum Kap Hoorn.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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