Vendée Globe: Begegnung am Heiligabend – Thomson könnte den Neustart erzwingen

Unerwartete Spannung

Das Unmögliche ist möglich. Der Wetterbericht sagt weitere Verluste von Armel Le Clac’h voraus. Sollte Alex Thomson tatsächlich noch einmal ins Rennen kommen? Weit hinter ihm ist es zu einer ungewöhnlichen Begegnung gekommen.

Es ist ja kein Geheimnis, dass ein Großteil der Vendée Globe-Flotte mehr ein Abenteuer als das Rennen sucht. Und die Top Profis haben das auch schon kritisiert. Das Gros der Flotte segelt mehr als 5000 Meilen hinter dem Spitzenboot und der zurzeit Letztplazierte Pieter Heerma humpelt mit großen Problemen sogar 8000 Meilen hinterher.

Komische Kursänderungen von Bellion und Roura auf Heiligabend. Die beiden haben sich zum Plausch getroffen.

Komische Kursänderungen von Bellion und Roura auf Heiligabend. Die beiden haben sich zum Plausch getroffen.

Aber richtige Treffen waren unterwegs bisher noch nicht abgesprochen worden. Doch der Schweizer Alex Roura und Eric Bellion hatten offenbar an Heiligabend genug von der Einsamkeit. Seit einigen Tagen segeln die beiden schon ziemlich nahe beieinander, zum Weihnachtsfest änderten sie dann so den Kurs, dass sie sich gegenseitig von Boot zu Boot ein frohes Fest wünschen und etwas Zweisamkeit schenken konnten.

Thomson zurück im Rennen

Darauf kann Armel Le Cleac’h im Moment gut verzichten. Er schien das Rennen schon entschieden zu haben. 818 Meilen Vorsprung am Kap Hoorn sind eigentlich nicht aufzuholen. Aber nun muss er mit dem Wetter hadern, das ihm den Weg nach Norden versperrt und Alex Thomson zurück ins Rennen bringt.

Banque Populaire Le Cleac'h

“Banque Populaire VIII” parkt an der Spitze ein. © BPCE

Thomson hat seit fünf Tagen mehr Wind.

Thomson hat seit fünf Tagen mehr Wind.

Der Brite hat nur noch 275 Meilen Rückstand und segelt schon im selben Wettersystem wie sein französischer Kontrahent. Ein Hoch vor der südamerikanischen Küste bewegt sich nach Nordost und bremst “Banque Populaire” nachhaltig aus.

“Hugo Boss” ist jetzt schon seit 5 Tagen konstant schneller unterwegs als der Konkurrent. Und dabei macht es auch nichts aus, dass Thomson auf dem Bug mit dem fehlenden Foil segelt, denn es herrschen keine Bedingungen zum Abheben. Außerdem hat er es inzwischen geschafft, den abgebrochenen Stumpf in den Rumpf zu ziehen und wird nicht mehr davon gebremst.Le Cleac’h verliert weiter

Der Trend des Meilenverlustes für Le Cleac’h soll sich weiter verstärken. Für ihn kommt es jetzt darauf an, direkt vor dem heranstürmenden Gegner zu bleiben, um den frischen Wind dann früher zu bekommen.

Thomson dagegen kann eine Entscheidung erzwingen, indem er einen großen Querabstand anstrebt um sich die Chance zu erhalten, mit anderem Wind den Kontrahenten zu überholen. Le Cleac’h könnte einen solchen Angriff nicht verteidigen, wenn er nach wie vor leichteren Windbedingungen ausgesetzt ist.

 Armel Le Cleac'h wird von einem Hoch blockiert. © VG

Armel Le Cleac’h wird von einem Hoch blockiert. © VG

Thomson könnte aber durchaus abwägen, ob er wirklich schon jetzt alles auf eine Karte setzt und riskiert, in der Schwachwind-Passage wieder Meilen zu verlieren. Er könnte auch im Auge haben, sehr nahe an das blaue Boot heranzukommen, um dann auf der Höhe von Rio mit dem einsetzenden Südost sein Foil auf dem anderen Bug optimal einsetzen zu können.

Beyou hat das Hoorn passiert. An der Spitze wird es eng.

Beyou hat das Hoorn passiert. An der Spitze wird es eng.

Im Atlantik hatte sich gezeigt, dass seine “Hugo Boss” mit Foil schneller segeln kann als “Banque Populaire”. Allerdings war der Vorteil auch wieder nicht so groß, dass der Brite mühelos vorbeiziehen könnte. Und es ist längst nicht klar, ob der Franzose im Atlantik wirklich schon zu 100 Prozent gepuscht hat.Es wird interessant, wie sich Thomson entscheidet. Sicher ist, dass dieses Rennen jetzt noch einmal unerwartet spannend wird.

Vendée Globe Tracker

Conrad Colman passiert frierend seine Heimat Neuseeland:

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Carsten Kemmling

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