Vendée Globe: Der Ire Enda O’Coineen ist das 11. Opfer – Mastbruch im neuen Jahr

"Ich hatte den Vorsatz: Weniger Risiko"

Der Ire Enda O’Coineen (61) hat zum Neuen Jahr seinen Mast verloren. Gerade erst hatte der schillernde Geschäftsmann einen Repaturstopp nahe Neuseeland absolviert.

O'Coineen

Der 61-jährige Ire Enda O’Coineen© Jean-Louis Carli/AFP/DPPI/VG

Das Unglück passierte 180 Meilen südlich von Neuseeland. O’Coineen segelte bei einem Wind von 20 bis 25 Knoten, als ihn eine 35 Knoten Böe erwischte. Dabei hatte der Autopilot eine Fehlfunktion und steuerte in eine Patenthalse.

Danach halste er sofort zurück, aber das Backstag war nicht ausreichend gespannt. Der Mast brach direkt über dem Deck ab. O’Coineen überlegte noch, das Rigg zu retten, aber dann schnitt er es ab, um der Gefahr zu entgehen, ein Loch ins Boot geschlagen zu bekommen.

Loch im Deck

“Es war eine schwierige Entscheidung”, sagt der Ire. “Die Wellen waren sehr wild und hoch. Ich musste zuerst an die Sicherheit denken.” Nun hat er ein Loch im Deck und kein Rigg mehr zur Verfügung. Aber der Sprit reicht aus, um Neuseeland mit Motorkraft und Wind von hinten zu erreichen.

Der Zickzack-Kurs von Enda O'Coineen nach seinem Reparatur-Stupp vor Stewart Island.

Der Zickzack-Kurs von Enda O’Coineen nach seinem Reparatur-Stupp vor Stewart Island.

“Ich muss lachen, weil ich nicht weinen will”, sagt O’Coineen, der ein außergewöhnliches Wechselbad erlebt. Denn gerade erst hatte er einen kräftezehrenden Reparaturstopp in einer Bucht von Stewart Island, der Süd-Neuseeland vorgelagerten Insel, erfolgreich absolviert. Er war zwar von Platz 10 auf 15 zurückgefallen, aber überglücklich sein Abenteuer fortsetzen zu dürfen.

“Ich bin erschüttert. Eigentlich lief alles ganz gut. Ich war wieder in guter Verfassung. Ich dachte, alles im Griff zu haben, wenn ich schon mal so weit gekommen bin. Aber diese kleine Fehlfunktion im Autopiloten setzte eine Kettenreaktion in Gang. Ich muss mich meiner Verantwortung stellen. Es passiert eben, was passieren soll.”

“Interview mit mir selbst”

Aber der Ire nimmt es sportlich. “Diese Art des Segelns ist immer eine Gratwanderung. Ironischerweise habe ich gerade für das neue Jahr ein Interview mit mir selbst geführt, in dem mein zweites Ich versprochen hat, weniger Risiken einzugehen.” Er begrüßte 2017 mit einer kleinen Champagner-Flasche und im Gespräch mit dem Alter Ego fasste er diesen Vorsatz.

“Im Geschäft und meinem Leben bin ich viele Risiken eingegangen. Sie haben geholfen, das Geld zu verdienen, mit dem ich dieses Schiff kaufen konnte.” Aber nun wolle er weniger Wagnisse eingehen. Zwei Stunden später brach der Mast.

O'Coineen beim Abschied kurz vor dem Start der Vendée Globe. © Liot/DPPI

O’Coineen beim Abschied kurz vor dem Start der Vendée Globe. © Liot/DPPI

Enda O’Coineen hat eine erfolgreiche Geschäftskarriere gestartet, indem er früh Kontakte zu den ehemaligen Ostblock-Ländern aufbaute, nachdem die Mauer gefallen war. Er überquerte in seiner Jugend für eine Wette den Atlantik mit einem Schlauchboot, gründete 1981 das irische Segel-Magazin Afloat und ist unter anderem Präsident der “International Federation of Irish Pubs”.

Er stand auch hinter dem irischen Projekt, das 1987 das Whitbread Round The World Race bestritt, brachte auch Green Dragon beim Volvo Ocean Race auf den Weg und organisierte den Etappenstopp in Galway. Nun wollte er selber das Vendée Globe bestehen und kaufte dafür die ehemalige “Gamesea” von Mike Golding, der damit an schon zwei Auflagen der legendären Regatta teilgenommen hat.

Das Glück war dem Briten allerdings nicht hold. 2008 verlor Golding das Rigg vor Australien. Aber für 2012 modernisierte der Brite das Schiff noch einmal. Doch kurz nach dem umfangreichen Refit kam erneut der Mast von oben. Das kostete viel Vorbereitungszeit für den Start der Vendée, aber Golding schaffte es um die Welt und belegte nach 88 Tagen Rang sechs.

Vendée Globe Tracker

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O’Coineen auf seinem neun Jahre alten IMOCA. © Girardot/Sea&Co

 

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Carsten Kemmling

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