Vendée Globe: Destremau nimmt Fans virtuell an Bord – Am Ende verlost er das Schiff

"Ankommen wäre ein Wunder!"

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Die Rampensau macht beim Vendée Globe mit © vendée globe

Olympiade, America’s Cup, Volvo Ocean Race… Sébastien Destremau war bereits überall dabei. Fehlt nur noch die Einhand-Nonstop-Regatta um die Welt. Gestern trug er sich in die Vendée Globe-Liste ein.

Unter Profis gilt er längst als einer der ganz Großen – den „Normalos“ unter den Seglern ist er eher als Sport-Journalist mit Rampensau-Charakter bekannt: Sébastien Destremau begeisterte bereits Millionen für den Segelsport, als Segler und als Reporter. Auch auf SR berichtete er häufig mit seinem Video-Programm „destopnews“.

Nun gab der 50-jährige Franzose bekannt, dass er sich als 13. Teilnehmer für die kommende Vendée Globe 2016/17 eingeschrieben habe. Die legendäre Nonstop-Einhand-Regatta um die Welt gilt neben dem America’s Cup als das Segelevent mit den höchsten Zuschauerzahlen weltweit.

„Es gibt für mich vier große Ziele im Segelsport,“ stellte Destremau bei seiner Pressekonferenz klar, die er virtuell direkt aus seinem neuen Büro, sprich: auf seiner IMOCA 60 in Südafrika abhielt. „Die Olympischen Spiele, der America’s Cup, das Volvo Ocean Race und die Vendée Globe. Da ich bei den drei erstgenannten bereits mehrfach eingebunden gewesen bin, bleibt also nur noch die Einhand-Weltumseglung. Sie wäre ein echter Gipfel in meiner Karriere.“

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Boot aus alten Zeiten: ein Finot Design von 1998 soll Destremau problemlos um den Globus segeln © vendée globe

Hunderttausende mit an Bord

Doch Destremau wäre nicht Destremau, wenn er sich einfach so mit einer „normalen“ Teilnahme bei einer Offshore-Regatta zufrieden geben würde. Nein, „FaceOcean“, so der Name seiner Kampagne, soll schon etwas außergewöhnlich werden: „Ich werde alle Teilnehmer der „Virtual Regatta“ rund um die Uhr an meinem Abenteuer teilhaben lassen,“ kündigt er an.

Das virtuelle Regattaspiel lockte während der letzten Vendée Globe 2013/14 knapp 500.00 Spieler an die Bildschirme. Und Destremeau war der Promoter und Botschafter. Für eine lückenlose Berichterstattung von Bord will er seine IMOCA 60 in eine Art schwimmende TV-und Videostudio umbauen, so dass Live-berichterstattungen, aber auch Interviews , Anmoderationen etc. jederzeit von Bord aus möglich sein werden. Und zwar professionell – nicht im gängigen GoPro-Stil.

Nachdem beim Volvo Ocean Race auf jedem Schiff professionelle Fotografen und Filmemacher dabei waren, geht Destremau also einen Schritt weiter und erfüllt neben der sowieso schon anspruchsvollen Aufgabe als Einhand-Nonstop-Weltumsegler auch noch die Rolle des professionellen TV-Reporters.

Hauptgewinn: Destremaus IMOCA 60

„Alle virtuellen Segler können auf zwei Arten an meinem Projekt teilhaben. Entweder sie verdingen sich als Unterstützer und nehmen an einer kostenlosen Verlosung teil, bei der nach meiner Rückkehr der glückliche Sieger meine IMOCA 60 erhalten wird. Ohne wenn und aber!“ gab Destremau auf Facebook und über die Website der Vendée Globe bekannt.

So spektakulär und werbewirksam dies klingen mag, hofft der angehende Vendée Globe-Skipper jedoch, dass möglichst viele an der FaceOcean-Version 2 als „Crew-Mitglied“ teilnehmen werden. Destremau will sein Boot mit tausenden Porträts seiner Unterstützer schmücken.

Die Größe der Fotografie richtet sich nach der Höhe der Spende: Von Briefmarkenausmaßen (10 Euro) bis zu Plakatflächen (10.000 Euro). Fünfzig Prozent seiner Aufwendungen will er so sammeln, die andere Hälfte seines Budgets wird Destremau über (teils bereits abgeschlossene) Sponsorenverträge finanzieren.

Rampensau auf Arbeitstier

In Zeiten, da die meisten Vendée Globe Favoriten sich nagelneue IMOCA 60 mit Foils bauen lassen oder bereits darauf trainieren, geht Destremau einen anderen, weil deutlich preiswerteren Weg. Er kaufte sich kürzlich ein IMOCA-Finot-Design von 1998, die ehemalige „Gartmore“, auf der Josh Hall 2001 Neunter bei der Vendée Globe wurde (nach 111 Tagen auf See) und ein weiterer Brite, Steve White, vier Jahre später Rang Acht schaffte (nach 109 Tagen). Das Boot segelte bereits vier Mal um die Welt, zuletzt wurde es Dritter bei der Transat Cap-Rio.

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Nur ein großes Event fehlt ihm noch © destremau

„Ein echtes Arbeitstier,“ schwärmt Destremau. „Robust, zuverlässig, eher simpel in der Handhabung. Genau das Richtige für einen wie mich, der nur teilnehmen und heil ankommen will! Ich möchte mich voll und ganz auf den Aspekt des „teilhaben lassen“ konzentrieren – da kann ich keine täglichen technischen Probleme gebrauchen!“

So waren dann auch für Destremau die wahren Helden der letzten Vendée Globe keineswegs Sieger und Zweitplatzierte, sondern Tanguy de Lamotte und Alessandro di Benedetto. Sie kamen die als Vorletzter und Letzter ins Ziel, teilten aber über die gesamte Strecke hinweg ihr Abenteuer außergewöhnlich intensiv  mit den Fans .

Im Juli will Destremau seine „FaceOcean“ von ihrem derzeitigen Heimathafen in Südafrika ins Mittelmeer nach Toulon überführen.

„Eine Teilnahme an der Vendée Globe ist schon ein echter Sieg,“ stellte Destremau während seiner Pressekonferenz klar. „Und ankommen wäre ein Wunder!“

 

Sébastien Destremau – Karriere-Highlights

– zwischen 1993 und 2010 Teilnahme an fünf America’s Cup-Kampagnen.

– eine Teilnahme am Volvo Ocean Race

– eine Olympische Kampagne im Flying Dutchman (6 WM-Titel, 3 EM-Titel)

– Sieger Sidney-Hobart-Race 1998

 

 

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