Vendée Globe: Einhandsegler wollen Kooperation mit Volvo Ocean Race – Diesel verboten

"Der Ball liegt beim VOR"

Das Volvo Ocean Race steht ziemlich unter Druck nach dem Abgang des Chefs Mark Turner und den Todesfällen. Das könnte die Basis für einen Deal sein, den die Organisatoren zuletzt verworfen hatten.

60 Fußer mit Foil a la Vendée Globe und T-Foil am Ruder. © Volvo Ocean Race

Als der norwegische Volvo Ocean-Race-Chef Knut Frostad seinen Posten abgab, war es klar, dass er in dieser Qualität nur schwer neu zu besetzen sein würde. Mit dem Briten Mark Turner schien dennoch eine perfekte Wahl getroffen zu sein. Der Erfinder der radikalen Extreme Sailing Series legte gleich mit revolutionären Entwicklungsvorschlägen für das Volvo Ocean Race los: Es sollte ab sofort alle zwei Jahre rund gehen, bei den Inshore-Races würden futuristische, foilende 32 bis 50 Fuß Multihulls eingesetzt, und die neue Offshore-Klasse lehnt sich an die Vendée Globe IMOCA Racer an.

Turner wurde von vielen gefeiert für seine radikalen Ideen, aber für die Volvo-Bosse waren propagierten Änderungen zu schnell und zu umfassen. Der Brite zog die Konsequenz: Er trat zurück.

Seitdem schlingert das Volvo Ocean Race in eine ungewisse Zukunft. Und die Situation ist nach den beiden Todesfällen sowie dem jüngsten Mastbruch bei Vestas nicht besser geworden. Wie soll es weiter gehen? Bleibt der Titelsponsor überhaupt dabei?

VOR im IMOCA-Kalender?

In dieser Situation könnte ein Vorstoß der IMOCA Klassenvereinigung gelegen kommen. Die Protagonisten der 60-Fuß-Klasse, die bei der Vendée Globe eingesetzt werden, einigten sich mit großer Mehrheit darauf, die mögliche Aufnahme des Volvo Ocean Races in den IMOCA Kalender anzustreben.

Die Ähnlickeit zur IMOCA-Klasse ist erwünscht. © Volvo Ocean Race

Der Präsident Antoine Mermod erklärt: “Unsere Mitglieder haben sehr überzeugend dafür gestimmt, dass das nächste Um-die-Welt-Rennen mit Stopps und Crews mit unseren 60 Fußern stattfinden könnte. Nun kann also von unserer Seite aus an einem Basis-Konzept gearbeitet werden. Die Skipper möchten sich sehr gerne in diese Richtung bewegen und wir sind bereit. Der Ball liegt nun bei den VOR-Organisatoren…”

Einheitsklasse adé?

Bevor es allerdings so weit kommt, dürften noch einige Hindernisse zu beseitigen sein. Es ist klar, dass die IMOCA-Klasse ihre Yachten auch beim VOR sehen möchte. Das steigert den Wert und das Interesse.

Allerdings passt das überhaupt nicht zum aktuellen sehr erfolgreichen Onedesign-Konzept des VOR. Auch Mark Turner hatte zwar einen 60 Fußer als Sportgerät vorgeschlagen, der im IMOCA-Feld konkurrenzfähig mitsegeln könnte, aber er rüttelte nicht an dem Einheitsklassen-Prinzip.

Davon hatte sich die Vendée Globe aber nach längerer Diskussion verabschiedet, und nun segeln nur wenige Top-Designs auf Augenhöhe. Und nur eine geringe Zahl von Skippern kann sich einen Neubau leisten.

Für ein deutsches Projekt und die weitere Internationalisierung des Hochseesegelns wäre diese Entwicklung aber wohl ein Segen. So äußert sich auch Boris Herrmann, der wie auch Robert Stanjek und Jörg Riechers immer wieder das Volvo Ocean Race im Visier hat und hatte: “Wenn die beiden Hochseeregatten mit dem höchsten Prestige mit IMOCAs gesegelt werden, wäre das eine große Hilfe, um die Popularität der Klasse zu verstärken. Und neue Projekte werden noch attraktiver für Sponsoren.”

VO65 “kein Wunderwerk”

Nicolas Lunven, ein erfahrener IMOCA-Einhandsegler, der zurzeit beim Volvo Ocean Race mit Turn the Tide on Plastic segelt, meckert schon über den VO65: “Dieses Boot ist weit von einem Wunderwerk entfernt. Es ist schwer aber nicht sehr steif und muss mit großer Segelfläche gesegelt werden, um schnell zu sein. Aber das aufrichtende Moment ist nicht besonders groß. Bei starkem Seegang ist es schwer zu steuern und es krängt zu stark. Es ist nötig, immer wieder Segelwechsel vorzunehmen. Man benötigt eine große Crew.”

Aber genau diese Art des klassischen Segelns macht zurzeit das Volvo Ocean Race so spannend. Und es ist auch klar, dass ein neues Design den VO65 ablösen soll. Aber ist das wirklich der Weg? Zurück zur Konstruktionsklasse?

Die Volvo Ocean-Race-Organisatoren halten sich bedeckt. Es ist längst nicht klar, was mit dieser Regatta in der Zukunft passiert. Dabei zeigt die aktuelle Auflage, dass bisher vieles richtig gemacht wurde. Die aktuelle Berichterstattung ist sensationell.

Während bei der Vendée Globe nur zufällig Segel-Bilder aus dem Southern Ocean entstanden, zeigen die onboard-Reporter mit ihren Drohnen hautnah das Geschehen aus der Wasserwüste. Der Einhandklasse würde es gut tun, sich intensiver um Möglichkeiten der besseren medialen Präsentation zu kümmern.

Verbot von Diesel-Maschinen

Eine andere Entscheidung der IMOCA-Klasse macht allerdings viel Sinn. Die Mitglieder haben sich auf das Verbot von Diesel-Maschinen geeinigt. Es soll ausschließlich erneuerbar Energie und Elektro-Motoren benutzt werden.

Außerdem sind effizientere Radar-Anlagen an Bord vorgeschrieben. Damit soll sich das Risiko von Kollisionen mit anderen Schiffen verringern. Hintergrund ist nicht nur der VOR-Unfall vor Hongkong mit einem unbeleuchteten Fischer. Auch bei der Vendée Globe scheiden Skipper mit ihren Yachten immer wieder aus, weil Kollisionen mit der Berufschifffahrt passieren. Die neue Regel soll schon für die Route du Rhum 2018 greifen.

Nach wie vor will die IMOCA-Klasse auch die Internationalisierung vorantreiben, was bisher nicht so richtig gut klappt. Die 60-Fußer werden nach wie vor als französische Klasse wahrgenommen, auch wenn Alex Thomson einen erfrischenden Kontrapunkt setzt.

Ausdruck dieser Absicht ist die Wahl zwei weiterer Nicht-Franzosen in das Führungsgremium: Alan Roura aus der Schweiz und Boris Herrmann. Sie werden zu den Franzosen Louis Burton, Antoine Mermod (Präsident) , Paul Meilhat stoßen sowie dem Neuseeländer Conrad Colman. Alex Thomson fungiert als Vize-Präsident.

 

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Vendée Globe: Einhandsegler wollen Kooperation mit Volvo Ocean Race – Diesel verboten“

  1. avatar Profi sagt:

    Auch hier lohnt der Blick ins Detail, liebe Segelreporter:

    Volvo ist nicht (nur) der Hauptsponsor, sondern vor allem der Eigentümer des Volvo Ocean Races. “Bleibt der Titelsponsor?” ist daher eine etwas irreführende Frage, denn dann müsste Volvo das Rennen komplett verkaufen und das wäre im aktuellen Zustand mit unklarer Zukunft vermutlich ein Verlustgeschäft…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Tom sagt:

    Insgesamt sehr interessante Sache…ich hab mich schon bei der Idee von Mark Turner gefragt warum man nicht gleich mit normalen imocas segelt. Gegen top Designs wären die vor imocas sowieso Chancen los gewesen. Also hätte sie auch niemand ernsthaft bei der Vendee Globe eingesetzt. Allerdings werden mit open60 die Besatzungen wohl deutlich kleiner als mit den vo65 denn wie sollen 8oder mehr Leute in das Cockpit einer Open 60 passen? Auch unter Deck sind die aktuellen Boote nicht für mehr als 3-4 personen ausgelegt. Aber für die imoca wäre es eine sehr große Aufwertung und im Gegensatz zu den alten vo70 sind die imocas relativ stabil womit es nicht zu permanenten ausfällen kommen sollte. Das war ja einer der Hauptgründe für das one Design der vo65. Außerdem macht es die Regatten auch irgendwie interessanter, die letzte Vendee Globe war nur dank der Möglichkeit unterschiedlicher Boote so interessant. Hätte Alex Thomson kein so überlegenes Boot gehabt wäre es am Ende nicht nochmal so knapp geworden. Das ganze kombiniert mit Kameramann an Bord wäre wirklich extrem spannend.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  3. avatar perro caliente sagt:

    …es wird weder Fisch noch Vogel.
    Die beiden Rennen könnten unterschiedlicher nicht sein, und es ist eigermassen schwer nach zu vollziehen wieso sie mit dem gleichen Boot gesegelt werden sollten.
    IMOCA als Epitom des französischen Segelns…smart, extrem individuell und regulatorisch aufs Wesentliche redziert (en solitaire, sans escale. sans assistance), das Volvo als Whitbread Nachfolger stark angelsächsisch geprägt, brute sailing, corporate, komplexe Regeln.
    Wirtschaftliche Notwendigkeit ist die einzige Erklärung, aber sehr kurz gedacht.

    Die enzige Imoca Kampagne, die medial und international wahrgenommen wird ist Hugo Boss. Es ist verständlich aber unrealistisch diesen Erfolg /ROI auf die ganze Flotte zu übertragen.
    60 Fuss sehen im Hafen relativ mickrig aus und nur die VG Glorie bringt in Frankreich die Augen zum glänzen. Aber dort funktioniert es.
    Das Volvo ist im Moment eine traurge Veranstaltung, im web gut dargestellt aber unbedeutend. Die Crews sind die Einzigen die das wirklich interessiert. kommerziell funktioniert es nirgendwo….sonst gäbe es mehr Entries
    Fazit: Imoca wird verlieren und das Volvo nicht gewinnen.

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