Vendée Globe: Heli-Video aus dem Southern Ocean – Führungsduo beim Power-Reach

Bilder aus der Wasserwüste

Ein TV-Team des Senders TF1 hat spektakuläre Vendée-Globe-Bilder von Armel Le Cléac’h und Alex Thomson tief aus dem Indischen Ocean geliefert. Es war mit dem Helikopter einer französischen Fregatte unterwegs.

Vendée-Globe-Fans müssen sich beim Verfolgen des Rennens normalerweise mit vorwärts schleichenden bunten Pünktchen auf dem Tracker begnügen. Aber nun bekommen sie erstmals in 27 Jahren Helikopter-Aufnahmen aus dem tiefen Indischen Ocean geboten.

Mit dem Union Jack auf der hohen Kante.

Mit dem Union Jack auf der hohen Kante.

Ein TV-Team durfte den Helikopter der Fregatte “Nivôse” benutzten, der vor den französischen Gebieten im Southern Ocean patrouilliert. Dabei fingen sie den Führenden Armel Le Cléac’h mit seiner “Banque Populaire VIII” ein und Alex Thomson knapp dahinter mit “Hugo Boss”.

Bei einer Geschwindigkeit von 20 Knoten im Wind von 30 Knoten ist gut zu erkennen, wie sehr die Skipper ihre 60 Fuß-Yachten durch die unwirtliche graue Wasserwüste prügeln. Es wird auch deutlich, dass Le Cleac’h sein Foil kaum zum Einsatz bringen kann. Der Bug taucht bei dem tiefen Kurs und der relativ kurzen Welle immer wieder ein. Thomson segelt im Vergleich mit deutlich mehr Krängung. Er hat auch zusätzlich das Stagsegel gesetzt. Aber in diesem Modus gelingt es ihm offenbar bestens, mit seinem Gegner mitzuhalten.

Alex Thomson, wie man ihn kennt. Immer einen Stunt auf Lager...

Alex Thomson, wie man ihn kennt. Immer einen Stunt auf Lager…

Le Cleac'h segelt aufrechter als Thomson mit einem Segel weniger. Das Foil hat kaum einen Effekt bei dieser Welle auf dem tiefen Kurs.

Le Cleac’h segelt aufrechter als Thomson mit einem Segel weniger. Das Foil hat kaum einen Effekt bei dieser Welle auf dem tiefen Kurs.

“Der Seegang war wirklich grauenhaft”, sagt Thomson über die Begegnung mit dem Helikopter. “Es war grau und sehr kalt. So war es eine schöne Ablenkung von den Bedingungen, den Hubschrauber zu sehen. Ich habe den Union Jack rausgeholt und trotz der Kälte habe ich die Abwechslung sehr genossen. Vielen Dank an diejenigen, die da organisiert haben.”

Die Speedkurve der Verfolger Meilhat und Beyou ist im Einfluss eined Tiefs steil angestiegen. Josse (hellblau) wartet noch auf den Wind von hinten,

Die Speedkurve der Verfolger Meilhat und Beyou ist im Einfluss eined Tiefs steil angestiegen. Josse (hellblau) wartet noch auf den Wind von hinten,

Der Durchschnitt-Speed habe bei  21.5 Knoten gelegen in einem Range von 17 bis 28 Knoten. “Das ist nicht so schlecht für einen Non-Foiler.” Er genieße den Zweikampf mit Le Cleac’h und es sei auch ziemlich gut, jemanden an der Seite zu haben falls irgendetwas schief gehen sollte.

2006 war Thomson im Southern Ocean von seinem Landsmann Mike Golding gerettet worden, nachdem der Kiel abgebrochen war. Der Brite segelte 100 Meilen zurück, um Thomson aufzunehmen.

Auf der “Schokoladenseite”

“Hugo Boss” hat sich zuletzt seit längerer Zeit einmal wieder entfernt von seinem Gegner. Nach einer Halse trennten sich kurzzeitig die Wege, aber der Franzose reagierte umgehend. Thomson segelt jetzt immerhin mit Wind von Steuerbord wieder auf seiner “Schokoladenseite” inklusive funktionierendem Foil. Welchen Unterschied das ausmacht, wird sich in den kommenden Stunden zeigen.

Alex Thomson ist zuerst auf seine Foiler-Seite gehalst und erwartet nun länger Wind von Steuerbord.

Alex Thomson ist zuerst auf seine Foiler-Seite gehalst und erwartet nun länger Wind von Steuerbord.

Erstmals nach vielen langsamen Tagen haben die Verfolger bessere Bedingungen als das Führungsduo. Paul Meilhat (“SMA”) und Jérémy Beyou (“Maitre Coque”) sind die schnellsten Boote im Feld und holen auch auf den armen Sébastien Josse auf, der seit seiner kurzen Ruder-Reparatur aus dem Führungstrio gerutscht ist und vom Wetterpech gebeutelt wird. Seine “Edmond de Rothschild” liegt nun schon 677 Meilen zurück sollte aber mit Druck von hinten in nächster Zeit dann doch wieder Boden gut machen können.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Vendée Globe: Heli-Video aus dem Southern Ocean – Führungsduo beim Power-Reach“

  1. avatar Ammerseer sagt:

    Das sind unvorstellbare Bilder, ich glaube keiner von uns kann sich wirklich vorstellen wie hart das wirklich ist, 24h alleine mit einer irren konstant hohen Lautstärke und immer volles Risiko, sogar wenn sie schlafen, mit einer Geschwindigkeit, die die meisten von uns noch nicht gesegelt sein dürften…

    Schade dass solche Regatten nicht besser in Deutschland promoted werden, jedem Nichtsegler, dem ich die Bilder zeige und versuche zu erklären was da passiert kann es gar nicht fassen und sagt, das Formel 1 und Bundesliga ja pillepalle sind dagegen.

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      Sehe ich auch so. Vielleicht wird es hieruzulande ja besser, jetzt wo Boris Herrmann offenbar ernsthaft in die Szene einsteigen darf

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    • avatar Johnny Rotten sagt:

      Krass auch, wie Thomson bei den Bedingungen und Lage auf dem Schiff balanciert – GO ALEX!

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  2. avatar Martin sagt:

    Bin kein Profi, aber müsste AT nicht etwas aufrechter segeln? Hat er nicht zu viel Tuch für Winkel und Druck?

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    • avatar Johannes Bahnsen sagt:

      Ein Schelm wer denkt, er wolle mit seiner übertriebenen Lage durch Stagsegel und code0(?) sein doch nicht so ganz abgebrochenes Foil verstecken?

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      • avatar Andreas Borrink sagt:

        Da ist kein Foil. Auch kein eingezogenes; man würde doch die Spitze sehen!?

        Das AT mit so viel Lage so schnell fährt, hängt wohl mit dem sehr weit vorn angeschlagenen Code 0 zusammen. In dieser Konfiguration macht das Segel mindestens 1/3 Auftrieb: HB geht für mein Dafürhalten dadurch deutlich besser durch bzw. über die Welle. Bank Pop “bohrt” mehr. Das kann aber durchaus eine Momentaufnahme sein, denn allein kann man ja unmöglich auf jede kleine Veränderung gleich mit dem Optimaltrimm reagieren. Und Veränderungen von Wind und Welle gibt es da alle Nase lang, da sind Kompromisse gefragt.

        Erstaunlich finde ich, wie schmal offenbar das Fenster für die optimale Funktion der Foils ist. Bin mal gespannt, wie sich das jetzt auf Bb-Bug bei zunehmendem Wind für AT entwickelt.

        Schon abgefahren, was die da machen……hoffentlich passiert nichts.

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    • avatar jjlehto sagt:

      Ich denke da war nur gerade etwas mehr Böen. Im Schnitt hat er etwas weniger Lage, dennoch aber deutlch mehr als Armel.

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  3. avatar dubblebubble sagt:

    Hugo Boss brutal im Show-Modus während Banque Pop sehr dezent sehr schnell segelt. Beides geil.

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  4. avatar Kwasi sagt:

    Ja, wirklich einmalige Bilder!
    HB sieht brutal überpowert aus, und es wirkt auch nicht ganz so schnell… Aber vielleicht wollte Alex auch wieder einennKeelwalk wagen 😉
    Armel hat übrigens während des Shoots die Segel gewechselt…

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  5. avatar Marc sagt:

    Ohne life line so auf dem Deck rum laufen? Mal kurz ans Groß fassen. Mutig und gekonnt, kalkuliertes Risiko, da Heli und Marine in der Nähe oder einfach lebensmüde? Würde gerne mal wissen ob er das sonst auch macht.

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