Vendée Globe: Jean Le Cam präsentiert „Hubert“ – Teilnahme „so sicher wie die Haare echt sind!“

Yes we Cam

Es ist vollbracht: Der französische Hochsee-Haudegen hat seine IMOCA 60 nach Umbaumaßnahmen aus dem Schuppen geholt. Und zeigt somit aller Welt, dass weiterhin mit alten Salzbuckeln zu rechnen ist.

„Die Vendée Globe 2016-17 ist gerettet! Was selbst treueste Fans der Einhand-Nonstop-Weltumseglungs-Regatta wahrscheinlich nicht wussten: Ohne die Teilnahme des populären französischen Hochseehelden Jean Le Cam hätten alle andere Teilnehmer den Start verweigert…“

Natürlich ist diese Aussage, die kürzlich in einem französischen Newsletter mit unverkennbar ironischem Unterton veröffentlicht wurde, reiner Humbug. Dazu nehmen alle Teilnehmer der Vendée Globe ihren Job viel zu ernst, als dass sie ihn für einen Kollegen – selbst wenn es ein allseits beliebter ist – in Frage stellen würden.

Le Cam, Vendée Globe, IMOCA

Na, wem gehört das Schiffchen wohl? © vendée globe/askoll

Doch als Jean Le Cam (SR-Porträt) vor zwei Tagen endlich „Hubert“ aus dem Schuppen in Port la Foret zog, ihn somit einer handvoll Kollegen und Freunden vorstellte und gleich auch noch den Kiel anhängte, ging ein Aufatmen durch die Szene. Denn eine Vendée Globe ohne die Teilnahme von Jean Le Cam wäre eben niemals eine „richtige“ Vendée Globe geworden!

Ich geh’ doch nicht betteln!

Tatsächlich hat die lebende Hochsee-Legende nicht ganz so einfache Zeiten hinter sich (Palmares). Im Laufe des vergangenen Jahres musste er mehrfach an die Öffentlichkeit treten, um für sich und seine Kampagne zu sorgen. Ein auch in Frankreich penibler Umstand, der ihm zutiefst zuwider war und ist. „Andere Leute um Geld anbetteln – furchtbar!“ sagte er noch vor wenigen Jahren. Das war noch zu Zeiten, als sein Name eines der wichtigsten Zugpferde des französischen Hochseesegelns war und die Geldgeber für große Regatten in Eigeninitiative bei le Cam anklopften. Nicht nur, weil er hervorragende Ergebnisse ersegelte, sondern weil er als launiger und vor allem durchweg witziger Gast mit seinen Erzählungen in TV-Talkrunden die Hochseesegelei auch noch dem letzten Landei näher brachte, ergo ein hervorragender Werbeträger war.

Le Cam, Vendée Globe, IMOCA

Besser alles selbst machen, als doof rumstehen © askoll/vendée globe

Doch für die diesjährige, seine vierte Teilnahme an der Vendée Globe wollte sich partout kein Hauptsponsor für die äußerst aufwändige IMOCA-Kampagne finden. Dabei hatte es le Cam so nötig wie selten zuvor, finanziell unterstützt zu werden. Seine IMOCA 60 zählt zu der „alten Generation“, musste zumindest rundum-refittet werden. Und von Foils, wie sie auf den neu produzierten IMOCA eingesetzt werden, konnte das frühere Mitglied des „Hydroptère“-Teams nur träumen.

So war denn auch die Devise, um überhaupt an den Start in Les Sables d’Olonnes zu gelangen, ein klassisches „Mitmachen. Ankommen!“ – mehr gehe nun mal nicht, betonte der 57-Jährige immer wieder.

Le Cam, Vendée Globe, IMOCA

Ein Mann, ein Kiel. Jean Le Cam in typischer Helden-Foto-Pose © askoll/vendée globe

Also beauftragte der Ur-Bretone aus Quimper im tiefsten Finisterre eine spezialisierte (und im Hochseegeschäft äußerst erfolgreiche) Agentur aus Nantes mit der Sponsorensuche. Man möge ihm doch bitteschön eine größere Summe ranschaffen, so eine Million Euro würden reichen. Allerdings wollte sich der alte Fuchs nicht ausschließlich auf andere verlassen und startete gleichzeitig eine Art Sammelaktion unter weniger betuchten Geldgebern bei „kisskissbankbank“. Wobei prompt 140.000 Euro zusammen kamen – „genug, um mein Schiff wieder auf Vordermann zu bringen!“

„Mit dem Schiff komme ich rum!“

Das wiederum ist eine IMOCA, die einem See-Helden wie Le Cam zur Ehre gereicht. Der 60-Fußer hat bereits mit „Professeur“ Michel Desjoyeaux die Vendée Globe 2008 gewonnen sowie mit Bernard Stamm und Le Cam beim Barcelona World Race triumphiert.

Nach ausgiebigem Refit, das Le Cam mit Hilfe von zwei jungen Bootsbauern sechs Monate lang in Eigenregie durchführte, wurde die IMOCA nun auf den Namen „Hubert“ getauft; im Andenken an le Cams besten Freund Hubert Desjoyeaux (Michels großer Bruder), der 2011 verstarb.

„Yes we Cam“ steht trotzig auf dem Bug und alle wissen, wie das gemeint ist: „Ich krieg das alles gebacken, ob Ihr mir helft oder nicht!“

Woran übrigens nur ganz wenige gezweifelt haben, eben weil „eine Vendée Globe ohne le Cam gar nicht möglich ist!“ So sagte kürzlich selbst der jüngste Teilnehmer bei der Vendée Globe 2016, der Schweizer Alan Roura im SR-Interview: „Wenn es einer aus den aussichtslosesten Situationen heraus schafft, dann Le Cam!“ Womit er durchweg Recht hat und immer Recht behalten wird.

Jean le Cam und „Hubert“ – yes, you can!

Le Cam, Vendée Globe, IMOCA

Kurz vor dem Branding wollte Le Cam das Schiffchen schon mal alleine aus der Halle holen, weil gerade kein Trekker frei war © stichelbault

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Michael Kunst

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4 Kommentare zu „Vendée Globe: Jean Le Cam präsentiert „Hubert“ – Teilnahme „so sicher wie die Haare echt sind!““

  1. avatar Käptn Brassmann sagt:

    Sehr geiler Artikel, gut geschrieben!
    Ist das nicht Jörgs alte Möhre? Der Runde Bug kam mir so bekannt vor….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  2. avatar Michael Kunst sagt:

    Völlig richtig. Jörg Riechers ließ der IMOCA eine fülligere Bugsektion verpassen, als “Hubert” noch “MARE” hieß. Vor dem letzten Barcelona World Race trennten sich ja die Wege von Jörg R. und seinem damaligen Hauptsponsor und die IMOCA wurde verkauft. Nachdem Le Cam und Stamm damit das Barcelona World Race gewonnen hatten, kaufte Le Cam das Boot wohl mit “eigenen Mitteln” – keine Ahnung, zu welchem
    Preis.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  3. avatar SR-Leser sagt:

    …. und was hat das mit der Olympiade zu tun ?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 7

    • avatar SR-Leser sagt:

      Zur Zeit ist ja eher Olympia-Berichterstattung angesagt, wenn SR aktuell sein möchte.

      Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

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