Vendée Globe: Jean-Pierre Dick flüchtet vor 70 Knoten und 10 Meter Wellen nach Tasmanien

"Wir müssen vernünftig sein"

Diese Vendée Globe zeigt ihre Zähne. Jetzt bekommt das besonders hart Jean-Pierre Dick zu spüren. Er sieht keine Chance, außer einen Umweg durch die Bass Strait.

jean pierre dick

“St. Michel-Virbac” unter Vollzeug. © Zedda/VG

Die Bass Strait zwischen Tasmanien und dem australischen Festland hat nicht gerade den besten Ruf in Sachen Wetter und Wind. Hier starben beim Sydney-Hobart-Rennen 1998 im Orkan sechs Segler und 5 Yachten sanken. Wenn jemand hier Zuflucht sucht, muss er schon ziemlich schlecht drauf sein. Und das trifft sicher auf den Franzosen Jean-Pierre Dick zu.

Für den aktuell sechstplatzierten Skipper der Vendée Globe ist diese Regatta bisher nicht besonders gut gelaufen. Der Mitfavorit hatte vor etwas mehr als einem Monat noch in Führung gelegen, war dann durch taktische Fehlgriffe bei Madeira ins Hintertreffen geraten, bis auf Rang 12 zurückgefallen und konnte nicht mehr vorne angreifen.

Der brutale Sturm von hinten lässt für Dick nur den Umweg zwischen Tasmanien und Australien im Norden offen.

Der brutale Sturm von hinten lässt für Dick nur den Umweg zwischen Tasmanien und Australien im Norden offen.

Seitdem hat er sich langsam und bedingt durch einige Ausfälle auf Rang sechs vorschieben können, liegt aber schon mehr als 2000 Meilen zurück. Da würde man sich eigentlich über etwas Wind von hinten freuen. Aber das, was da von hinten heran rauscht, ist so heftig, dass er die Flucht antritt.

60 bis 70 Knoten sollen in dem Tief stecken, dass in den nächsten 48 Stunden von Westen auf breiter Front unter Australien durchzieht und drei Tage lang mindestens 45 Knoten bereit hält. Dabei sollen Wellen von bis zu zehn Metern aufgeworfen werden, in deren Einfluss auch Yann Eliès (5.) und Jean Le Cam (7.) geraten.

Dick und Elies halten auf Tasmanien zu. Le Cam scheint keinen Ausweg zu sehen.

Dick und Elies halten auf Tasmanien zu. Le Cam scheint keinen Ausweg zu sehen.

Jean-Pierre Dick sagt: “Es gibt keinen Weg, da rein zu fahren. Die Situation ist sehr gefährlich. Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder bremsen wir, bis das Tief sich der Eisgrenze nähert. Aber es besteht das Risiko, dass sich die Zugrichtung ändert und die See zu heftig ist. Die zweite Chance ist die Route durch die Bass Strait. Das bedeutet einen längeren Weg aber ruhigere See.” Für diese Option hat sich der Franzose nun entschieden.

“In den nächsten Stunden müssen wir die Ergebnisliste vergessen und vernünftig sein. Ich habe die maximale Sicherheit gewählt.” Yann Eliès hat inzwischen ebenfalls einen nördlichen Kurs eingeschlagen. Jean Le Cam versucht zu verlangsamen und sich südöstlich nahe der Eisgrenze zu halten.

Wenn man den Salzbuckel auf seiner rockenden Kiste so reden hört kann einem wirklich Angst und Bange werden. Hoffentlich geht alles gut.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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