Vendée Globe: Le Cleac’h bekommt Zuspruch aus der Luft – Thomson liegt gleichauf

Laut wie ein Presslufthammer

Der Vendée Globe-Führende Armel Le Cleac’h ist bei der Passage der Kerguelen Inseln von Überraschungsgästen besucht worden, bevor es bald richtig heftig zugehen soll.

Armel Le Cleac'h

“Banque Populaire” mit großem Vorsegel auf tiefem Kur, bei dem die Foils nichts bringen. ©

Es muss ein gutes Gefühl sein, in der südlichen Wasserwüste, der Welt der Albatrosse, auch etwas menschlichen Zuspruch zu bekommen. Als Armel Le Cleac’h in Luv der  Kerguelen Inselgruppe vorbeisegelte, die Teil des französischen Süd- und Antarktisterritoriums  ist, wurde er eine Zeitlang von einem Kriegsschiff der französischen Flotte und seinem Hubschrauber begleitet.

Armel Le Cleac'h

Selfie aus dem Süd-Meer vom Vendée-Globe-Führenden. © Le Cleac’h

In diesem unwirtlichen Gebiet der Erde kann es nämlich auch ganz anders laufen.  Die Kerguelen, die mit Ausnahme der Besatzung einer Forschungsstation unbewohnt sind, waren schon mehrfach Schauplatz von Weltumsegler-Dramen.

Gestrandet auf den Kerguelen

Vor acht Jahren strandeten hier bei der Vendée Globe kurz nacheinander die beiden Schweizer Dominique Wavre und Bernhard Stamm. Wavre suchte Schutz, nachdem die Hydraulikvorrichtung vom Kiel abgerissen war, und die Finne frei unter dem Rumpf gependelt hatte. Er konnte dann Stamm an Bord helfen, als der im Sturm an einer Mooringtonne festmachen wollte, um seine beschädigte Ruderaufhängung zu reparieren. Aber sie verpassten die Mooring und das Schiff trieb auf die Felsen, wo das berühmte Strandungsfoto entstand. Immerhin konnte das Schiff einen Tag später wieder ins Wasser gezogen werden.

Vor acht Jahren Bernhard Stamms IMOCA auf den Kerguelen.

Vor acht Jahren Bernhard Stamms IMOCA auf den Kerguelen.

Stamm hatte die Mooring-Boje verpasst und war auf die Felsen getrieben.

Stamm hatte die Mooring-Boje verpasst und war auf die Felsen getrieben.

Die beiden Skipper an der Spitze der diesjährigen Vendée Globe haben aber im Moment andere Probleme, als sich mit der Historie der Regatta zu beschäftigen. Nach wie vor ist der Windwinkel zu achterlich, als dass Le Cleac’h seinen Foil-Vorteil gegenüber Thomson nutzen könnte. Der Brite holt sogar Meter für Meter auf und hat in eineinhalb Tagen seinen Rückstand von 30 Meilen auf 12 Meilen verkürzt.

Die Flotte auf einen Blick. Bei Australien braut sich wieder was zusammen.

Die Flotte auf einen Blick. Bei Australien braut sich wieder was zusammen.

Nach wie vor hat er kein Foto seines gebrochenen Foils veröffentlicht, was für den mitteilsamen Thomson sehr ungewöhnlich ist. Er will offenbar seinen Gegner im Unklaren lassen über seine Situation.

Thomson und Le Cleac'h Bord an Bord an den Kerguelen vorbei.

Thomson und Le Cleac’h Bord an Bord an den Kerguelen vorbei.

Dem scheint es zu gefallen, das schwarze Boot an seiner Seite zu haben. Zumal beide Einhand-Piloten jede Menge Druck erwarten. Der Franzose rechnet damit, schon am Donnerstag ordentlich durchgeschüttelt zu werden.

Thomson (grau) war zuletzt etwas schneller als Le Cleac'h. Josse (hellblau) verliert seit Tagen auf die Spitze. Aber die beiden Kollegen hinter ihm sind zurzeit noch langsamer.

Thomson (grau) war zuletzt etwas schneller als Le Cleac’h. Josse (hellblau) verliert seit Tagen auf die Spitze. Aber die beiden Kollegen hinter ihm sind zurzeit noch langsamer.

Laut wie eine Kettensäge

Dabei ist es kaum vorstellbar, was die Segler an Bord erleben. Der Vendée-Globe-Arzt Dr Jean-Yves Chauve macht darauf aufmerksam, dass die Geräusche unter Deck auf einer modernen IMOCA Yacht in der Spitze 120 Dezibel erreichen, wenn sie in eine Welle kracht.

Dieser Wert gilt für Menschen als unerträglich laut und kann schon bei
kurzer Einwirkung zu Gehörschäden führen. Kreissägen, Presslufthämmer oder startende Düsenflugzeuge in kurzer Entfernung liegen in diesem Bereich. Der durchschnittliche Lärm auf einer IMOCA bewegt sich um 90 Dezibel. Ab 95 DB startet bei Musikveranstaltungen die Pegelbegrenzung zum Schutz vor Gehörschäden

Die Segler haben besonders große Probleme mit den aggressiven Basstönen, die von den Schwerten und Tragflächen erzeugt werden, aber auch vom Wasser, das gegen den Rumpf schlägt oder der Maschine, wenn sie läuft. Dabei wirkt sich besonders die fehlende Schlafzeit problematisch aus. Deshalb sind viele Segler mit speziellen Kophörern ausgestattet, die störende Hintergrund-Geräusche ausblenden aber ungewöhnliche Laute, die für das Wissen um den Zustand des Schiffes wichtig sind, zulassen.

Vendée Globe Tracker

 

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Vendée Globe: Le Cleac’h bekommt Zuspruch aus der Luft – Thomson liegt gleichauf“

  1. avatar Müllre sagt:

    Schön informative Info zum Lärm! Hab mich schon öfter gefragt ob Alex Thomson immer Musik auf die Ohren braucht oder irgendwelche Infos auf die Stöpsel bekommt.
    Auch sehr beeindruckend sind immer die Sturzbäche im Hintergrund. Hoffentlich hat der Besuch mal ein paar verwertbare Aussenaufnahmen gemacht, ich kann die Stockfotos langsam nicht mehr sehen…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

    • avatar Kwasi sagt:

      Genau! Sie sollen gefälligst während sie allein auf 60Fuß Yachten nonstop um die Welt rasen und für ordentliche Bilder sorgen. Am Besten noch mit Drohnen gefilmt… (Conrad Colman macht das sogar…)

      Ich finde genau das macht diese Regatta aus: Man weiss wo sie sind, man sieht es alle paar Stunden. Aber wie es da unten abgeht, das wissen nur die die wirklich dabei sind. In meinen Augen sind das die größten Helden der Jetzt-Zeit.

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  2. avatar oh nass is sagt:

    Wenn man sich Alex’ Video vom Tag 20 genau ansieht (http://www.dailymotion.com/video/x53hq5c_d20-it-is-a-sunny-day-for-alex-thomson-vendee-globe_sport), ist an der Steuerbordseite keine Spur eines Foils zu sehen. Wäre es noch intakt, würde man dort wohl irgendwas von dem Ding erkennen können.

    Hier kann man sehen, wie groß diese Teile sind: http://www.telegraph.co.uk/content/dam/sailing/2016/11/24/JS113043215_alex-thomson-sport-large_trans++ZgEkZX3M936N5BQK4Va8RVX_50byq9Ah3wJAV0YS_Ms.jpg

    Dass man sowas nicht eben mal als (2) Ersatzteil(e) dabei hat (und wenn, wer könnte es denn auf See einbauen?), erklärt sich von selbst.

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  3. avatar Eckart sagt:

    Ich glaube nicht, dass bei Thomson eine große Strategie dahintersteckt. Er hat doch gesagt, dass das Foil abgerissen ist und noch ca. 30 cm des Foils herausstehen und ihn bremsen. Er deutete auch an, da eventuell irgendwann runtergehen zu wollen, um das Ding gerade abzusägen. Inzwischen hat er wohl festgestellt, dass es auch so ganz gut geht. Die Dynamik des Rennens scheint ja inzwischen auch recht deutlich zu sein: Das Boot von Thomson ist grundsätzlich das schnellste, aber ohne das Steuerbord-Foil ist le’Cleach bei Windbedingungen, bei denen das Foil zur Geltung kommt, schneller. Da man davon ausgehen kann, dass spätestens bei der Reise durch den Südatlantik zurück gen Norden der Ostwind dazu beitragen wird, dass Thomson selbst wieder auf Backbord foilen kann, kommt es jetzt darauf an, wieviel Vorsprung le’Cleach bis zum Kap Hoorn herausfahren kann, abgesehen natürlich von allem anderen, was passieren kann.

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