Vendée Globe: Riechers oder Herrmann, wer wird der erste Deutsche 2016?

Nächster Versuch

Boris Herrmann will seinen Traum von der Teilnahme bei der Vendée Globe realisieren. Er startet eine Kampagne zur Sponsorensuche. Genau wie Konkurrent Riechers.

Boris Herrmann

Boris Herrmann auf der “Maserati” © Maserati

Jörg Riechers, der sich gerade beim Barcelona World Race um die Welt kämpft, dürfte es gar nicht schmecken, was da gerade in seiner Heimat passiert. Boris Herrmann, sein deutscher Konkurrent im internationalen Offshore shorthand Zirkus, hat eine eigene Vendée Globe Kampagne gestartet.

Riechers ist nach dem Ausstieg seines Sponsors Mare äußerst klamm in Bezug auf seine Vendée Pläne. Da ist es nicht hilfreich, wenn der smarte Herrmann in seinem Terrain wildert. Es gibt nicht viele Sponsoren, die für eine Vendée Kampagne in Frage kommen. Wenn die sich auch noch zwischen zwei sehr unterschiedlichen Charakteren, die sich nicht unbedingt grün sind, entscheiden müssen, wird es wohl noch schwieriger.

Sponsor ging pleite

Navigator Boris Herrmann zeigt seinem Skipper Giovanni Soldini die aktuellen Daten. © Maserati

Navigator Boris Herrmann zeigt seinem Skipper Giovanni Soldini die aktuellen Daten. © Maserati

Herrmann schien zuletzt seine Vendée-Pläne ad acta gelegt zu haben, nachdem er für 2012 gescheitert war. Sein Sponsor Beluga war 2011 pleite gegangen. Der Werft-Chef und Förderer Niels Stolberg schlitterte gar in die Privat-Insolvenz und muss sich vor Gericht verantworten.

Dabei hatte es so gut ausgesehen, als Herrmann zusammen mit Felix Oehme auf einer Class 40 das Portimão Global Ocean Race um die Welt gewann. Aber der Sieg führte nicht zu der geplanten Vendée Globe Teilnahme. Die Pläne, als Hochsee Profi leben zu können, schienen nicht realisierbar. Herrmann hatte zu sehr auf den einen Sponsor Beluga gesetzt.

Seine Karriere bekam nach der Pleite einen Knick. Herrmann war frustriert. Da war die Barcelona World Race Teilnahme 2010/11 zusammen mit dem Amerikaner Ryan Breymaier sehr überraschend. Der Mann vom Zwischahner Meer hoffte, mit dem vom Veranstalter FNOB eingefädelten Sponsor Deal (wie bei Riechers) den Faden wieder aufnehmen zu können. Platz fünf mit der alten „Neutrogena“ war aller Ehren wert, aber Herrmann gelang es dennoch nicht, ein eigenes Projekt zu stemmen.

Neue Rolle als Navigator

Boris Herrmann bei der Navigator-Arbeit an Bord der  TP52All4One. © Xaume Olleros

Boris Herrmann bei der Navigator-Arbeit an Bord der TP52All4One. © Xaume Olleros

Seitdem bildete sich der ehemalige Deutsche Meister im 505er als Navigator fort und wurde von Jochen Schümann unter seine Fittiche genommen. In dieser Funktion segelte er auf Schümmanns TP52, dem 100 Fußer Esimit und dem modifizierten Volvo 70 “Maserati” von Giovanni Soldini.

Aber der Plan, als erster Deutscher bei der Vendée Globe teilnehmen zu können, spukt ihm offenbar immer noch im Kopf herum.

„Ich habe mein Projekt gerade erst gestartet. Der Umstand, dass ich bei der letzten Vendée Globe nicht teilnehmen konnte, war nur schwer zu schlucken und ich habe schon gezögert, bis ich mit meinen Nachforschungen für 2016 begann”, sagt Herrmann auf der Vendée Globe Veranstalter Seite. “Ich fang ja nicht bei Null an, sondern profitiere von meinen früheren Kontakten. Erstaunlicherweise hatte mich das Barcelona World Race vor vier Jahren nicht weiter gebracht, deshalb nehme ich daran dieses Jahr auch nicht teil.”

Deutsche Wirtschaft ist stark

Boris Herrmann und Ryan Breymaier auf der Ziellinie in Barcelona. © Marina Könitzer

Boris Herrmann und Ryan Breymaier auf der Ziellinie in Barcelona. © Marina Könitzer

Zum seinen Aussichten beim nächsten Versuch sagt er: “Ich bin optimistisch, die ersten Reaktionen waren positiv. Segeln ist attraktiv, die deutsche Wirtschaft steht eher gut da.” Dennoch wolle er weiter TP 52, „Esimit Europa 2“ und vor allem auf “Maserati“ segeln. Navigation und Sponsorensuche unter einen Hut zu bringen, sei nicht immer einfach. “Aber es ist mir wichtig, weiterhin mit anderen Crews zu arbeiten, um meine Kompetenzen zu verbessern, meinen Horizont zu erweitern.“

Die Vendée Globe sei in Deutschland noch nicht allzu bekannt. Und Herrmann sieht eine große Herausforderung darin, den Unternehmen zu verstehen zu geben, was die Vendée Globe repräsentiert und darstellt. “Sie fasziniert und bietet den Sponsoren einen guten Rücklauf für ihre Investitionen. Dieses Rennen wird noch als ein „französisches Abenteuer“ gesehen. Aber ich bin mir sicher, dass sich diese Einstellung ändern wird, wenn erst mal ein Deutscher Segler bei der Vendée Globe startet.“

Tipp: SR Leser Nicolas Fleischmann

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12 Kommentare zu „Vendée Globe: Riechers oder Herrmann, wer wird der erste Deutsche 2016?“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Viel Glück und Erfolg bei der Sponsorensuche! Eigentlich wird von deutschen Unternehmen (SAP, BMW, Puma, Audi, … ) viel Geld in Segelsponsoring gesteckt, nur häufig in nichtdeutsche Kampagnen. Warum lassen sich diese Gelder nicht auf Jörg und Boris lenken.

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  2. avatar Hurghamann sagt:

    Weil so gut wie alle diese Kampangen leider auf den US Markt ausgerichtet sind. Rate mal warum Puma unter US Flagge das VOR bestritten hat.

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  3. avatar Christoph sagt:

    Also dann ist jawol die logische Folgerung, dass man nicht nach Deutschen Unternehmen suchen muss sondern nach Unternehmen die auf den Deutschen Markt wollen?

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  4. Die Suche wäre – wenn so einfach – ein deutsches Unternehmen, welches auf den franz. oder UK Markt möchte. Wahrscheinlicher wäre aber ein Unternehmer, welcher – wie Gelpke – das Ganze nicht (nur) als erfolgversprechendes Werbeunternehmen sieht. Ich würde mich freuen, wenn es beide an den Start schaffen.

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  5. avatar Arne sagt:

    Die Rechnung ist denkbar einfach.
    Sponsoring-Aktivitäten nach Sportarten (2010 – Anteil der Werbetreibende Quelle Sponsor Visions 2010):
    Fußball 83%
    Handball 40%

    Segeln 8%

    Kosten für Fußball-Trikotwerbung:
    Bayern 28 Mio. Euro
    Dortmund 18 Mio Euro
    SC Freiburg 2,5 Mio Euro

    Kosten einer Vendee Kampagne:
    Zwischen 3-5 Mio Euro

    Über den Vergleich der Medienpräsenz in Deutschland zwischen einer Segelkampagne und der Bundesliga brauchen wir hier nicht diskutieren.
    Segeln ist in Deutschland nun mal kein Breitensport. Ergo: wenn ich Marketingverantwortlicher wäre, würde ich ebenfalls mein Budget in Fußball stecken.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 3

  6. avatar Lyr sagt:

    Hallo Arne, mit dem Argument hast Du doch im Gegenteil gezeigt, dass es gar nicht so unrealistisch ist! :

    Wenn nur für Trikots 28Mo bei Bayern ausgegeben werden, dann wäre dass für eine erstklassigen Vendee-Mannschaft im Verhältnis 8%/83% gerechnet schon mal 2,7 Mio Euro !!!

    Und das nur für das eine Trikot!!! 🙂

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    • avatar horst sagt:

      Mit dem Unterschied, dass im Bereich der Vendee das Äquivalent zum FC Bayern wahrscheinlich Francois Gabart oder Armel LeCleac´h ist. Boris ist in der Liga eher – das ist in keinster Weise abwertend gemeint – der SC Freiburg. Immer noch erste Liga aber kein Abo aufs Podium und keine Champions League.

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  7. avatar Kluchschieter sagt:

    Ich fände es einfach richtig cool wenn es beide schafften und wir uns dann ein Duell angucken können.

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  8. avatar Fastnetwinner sagt:

    Die 1304 Mitgliedsvereine des DSV haben zusammen 186280 Mitglieder. Wenn man für beide Kampagnen je 5 mio ansetzt macht das EUR 53,68 pro Mitglied und Deutschland hätte zwei Kampagnen. Und da ab einem gewissen Grundrauschen immer auch andere Sponsoren aufspringen käme man wohl mit EUR 36,5 aus, also ein Jahr lang einem Groschen pro Tag. Sollte was übrig bleiben geht das in die Jugendarbeit oder zur DGzRS. Oder in ein Mini-TranAt-Trainings-Zentrum. Ich wäre dabei!

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    • avatar Mirko sagt:

      Auf Segelreporter wurde schon einmal ein Fundraising für den Nachwuchs erfolgreich angeschoben: All-In-Racing, eine Kampagne von engagierten Top-Nachwuchs-Segler, die auf eigene Faust am Young Americas Cup in San Fransisco teilnehmen wollten – und das haben die Jungs Dank vieler Unterstützer (einige waren besonders großzügig) hinbekommen! Einer aus dem Team hat übrigens soeben den Miami World Cup im Laser gewonnen – Philipp Buhl!
      Kurz: Super Idee, ich bin dabei! 50,- für zwei Jahre tolle Berichte über zwei deutsche Vendee-Kampagnen + Chance auf Etablierung einer Mini-Szene im Windschatten – ist doch gut ausgegebenes Geld!

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  9. avatar pl_andreas sagt:

    Eine Minute Werbung bein Superbowl kostet so viel wie einen ganze Vendee kampagne,

    BMW ist doch bei Oracle ausgestiegen und Audi hat auch keinen eigenen Cup mehr,
    Renault ist mit Riechers im Barcelona World Race.

    Wäre schön wenn da etwas möglich wäre.

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    • Das mit dem Super Bowl – Vendee vergleich stimmt.

      Das Problem: Für die großen Markenartikler lohnt sich Werbung nur, wenn sie eine möglichst breite Zielgruppe erreicht. Wenn jeder, der sich die Vendee ansieht, bspw. eine Flasche Budweiser kauft, merkt Budweiser das nicht mal. In diesem Special Interest Bereich ist die Zielgruppe winzig klein. Dann lieber das zehnfache ausgeben und damit die 10000fache Menge an Leuten erreichen.

      Bei einer Vendee Kampagne und der Sponsorensuche sollte man zunächst schauen, Massenmedien ins Boot zu holen, bspw. das TV. Dann bekommst Du auch Sponsoren. Aber das ist alles leichter gesagt als getan.

      Viel Glück Boris! Ich drücke die Daumen.

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