Vendée Globe: “Rothschild” vorne, Thomson schwach – zwei Frühstarter ein Rückkehrer

Macht-Demonstration

Start der Vendee Globe, in Les Sables d'Olonne, © Vincent Curutchet / DPPI

Start der Vendee Globe, in Les Sables d’Olonne, © Vincent Curutchet / DPPI

Es war noch nicht ganz der richtige Winkel zum Wind, bei dem sich die Foiler auf ihre Tragflächen heben. Aber auf den ersten Metern nach dem Vendée-Globe-Start konnte besonders ein Favorit schon zeigen, was in seiner Rennmaschine steckt.

Das war der Start zur Vendée Globe. 300.000 Zuschauer jubeln am Ufer. Der Franzose Morgan Lagavrière bricht auf seinem Vordeck überwältigt von der Stimmung in Tränen aus, dann positioniert er sich wie seine 28 Kollegen vor der Startlinie, um möglichst keinen Crash zu verursachen, aber seinen Sponsor in vorderster Linie in Szene zu setzen.

Es gelingt dem Mitfavoriten nicht besonders gut, aber was macht das schon? Die ersten Rückschlüsse auf das Potenzial seines Bootes im Vergleich ließen sich dann kurz nach dem Start ziehen. So hält er sich durchaus ordentlich auf Rang 6 auf dem langen Schlag it Wind von Steuerbord raus aus der Biskaya.

Non-Foiler an der Spitze

Die Pace gab aber der einzige Non-Foiler aus dem Mitfavoritenkreis vor. Vincent Riou nutzte die Power und das geringe Gewicht seiner “PRB” um sich im relativ spitzen Winkel zum Wind zu Beginn deutlich an die Spitze zu setzen.

Vendee Globe

Das Feld der 29 Skipper kurz nach dem Start. “Hugo Boss” u.r. hält sich überaus vornehm zurück. © Vincent Curutchet / DPPI

Es wurde aber schnell klar, dass die Foiler sofort Gas geben können, sobald der Kurs etwas raumer wird. Diese Fähigkeit zeigte insbesondere Sebastien Josse mit seiner “Edmond de Rothschild”, der sich auch auf einem spitzeren Kurs erstaunlich gut in Luv von “PRB” halten konnte und dann in einem Moment die Schoten aufmachte, sich auf seinen leewärtigen “Schnauzbart” hob und in Luv am orangen Gegner vorbei hämmert.

Es schien nur wie eine kurze Macht-Demonstration vor den Live-Kameras. Danach spitzte er seinen IMOCA wieder etwas an, nahm den Speed von “PRB” wieder auf und hält seitdem die Spitze.

Favoriten zurückhaltend

Einen solchen Leistungsbeweis blieb der Top-Favorit “Banque Populaire” noch schuldig. Er kam lange Zeit nicht einmal an dem gut gestarteten Tanguy de la Motte mit seinem zehn Jahre alten IMOCA vorbei, als er seinen Weg nach Luv pressen musste. Aber als auch er zwischenzeitlich die Schoten öffnete, und nach Lee abtauchte, zeigte er sein Speed-Potenzial und schob sich auf Rang vier vor.

Vendee Globe

Überraschend stark am Start Tanguy De Lamotte (l.) mit seiner zehn Jahre alten IMOCA in Luv von Jean Pierre Dick. © Vincent Curutchet / DPPI

Sehr defensiv verhielt sich Alex Thomson mit seiner “Hugo Boss”. Der Brite startete im Mittelfeld und konnte sich bisher auf dem Anlieger zum Kap Finisterre kaum in Szene setzen. Es ist deutlich zu sehen, dass der spitzere Kurs zum Wind nicht gerade vorteilhaft für seine Konstruktion ist. Der Rückstand zu Josse betrug schon wenige Stunden nach dem Start auf Rang acht 2,7 Meilen.

Thomsons Flügel sind so konstruiert, dass sich das Schiff auf einem raumeren Kurs mehr auf das horizontale Element stützt, während sich die Kollegen eher auf die Krümmung ihrer Tragfläche heben. “Hugo Boss” mag deshalb höher am Wind nicht so gut gegen die Abdrift funktionieren.

Vendee Globe

Spruchband bei der Ausfahrt der Gladiatoren. © Vincent Curutchet / DPPI

Enttäuschend verlief die Startphase für den Spanier Didac Costa, der schon kurz nach dem Schuss die Segel öffnete den Kopf senkte. Er hatte auf seiner “One Planet One ocean” einen Wassereinbruch und ein elektrisches Problem entdeckt und ist wieder zurückgekehrt in den Hafen. Es ist noch nicht klar, ob er das Rennen wieder aufnehmen wird.

Etwas forsch an der Linie waren der Altmeister Bertrand de Broc (MACSF) und Enda O’Coineen (Kilcullen Voyager – Team Ireland). Sie wurden nach einem Frühstart zurück gerufen und segelten dann dem Feld hinterher.

Vendée Globe Tracker

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://segelreporter.com/pressemitteilungen/freiwilliges-soziales-jahr-2017-2018-beim-hamburger-segel-club/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *