Vendée Globe: Thomson doppelt so schnell wie Le Cleac’h – Empfang für Meilhat in Tahiti

Blinker rechts

Alex Thomson holt bei der Vendée Globe immer noch dramatisch auf. Aber kommt er auch vorbei an Armel Le Cleac’h? Drei weitere Teilnehmer stehen kurz vor dem Ende.

“Hugo Boss” ist bis auf 131 Meilen an die führende “Banque Populaire” heran gesegelt. Das britisch-französische Duell könnte sich bei der berühmten Nonstop-Einhand-Regatta-um-die-Welt zum Jahreswechsel endgültig entscheiden. Es wird erwartet, dass die nächsten vier Tage Sieg oder Niederlage bestimmen.

Immer noch ist Alex Thomson fast doppelt so schnell unterwegs, wie Armel Le Cleac’h, der vor Argentinien mitten durch die Flaute segelt. 9,7 Knoten stehen 19,3 gegenüber und  300 bewältigte 24-Stunden-Meilen 441 von Thomson.

Armel Le Cleac'h fährt wie gegen eine Wand. Thomson schert nach rechts aus.

Armel Le Cleac’h fährt wie gegen eine Wand. Thomson schert nach rechts aus.

Das Aufschließen ist einfach für den Briten. Aber kann er auch zum Überholmanöver ansetzen? Wenn Le Cleac’h die Flauten-Passage gemeistert hat, wird er mit dem stärkeren Wind wieder davon ziehen. Es sei denn, Thomson gelingt es, einen schnelleren Weg durch die Barriere zu finden.

Dafür hat er jetzt einen östlicheren Kurs eingeschlagen. Es ist der entscheidende Angriff. Thomson hat den Vorteil, dass er mit dem aktuell höheren Speed reagieren und eine Flaute umfahren kann, wenn er Le Cleac’h einparken sieht. Aber irgendwann muss auch er sich entscheiden, wo er den Schwachwind-Gürtel passiert.

Der Schakal wird nun selber zum Gejagten. © V.Curutchet/BPCE

Der Schakal wird nun selber zum Gejagten. © V.Curutchet/BPCE

Die Position im Osten mag ihm dabei helfen, früher mit Wind von Steuerbord segeln zu können. Den vor Brasilien zu erwartenden Gegenwind muss “Hugo Boss” auf dem Bug mit intaktem Foil aussegeln, wenn er eine Chance haben will. Gerade am Wind fehlt ihm sonst die nötige Fläche gegen die Abdrift.

Weitere Ausfälle drohen

Deutlich weiter hinten im Feld haben die Einhandsegler mit grundsätzlicheren Problemen zu kämpfen. Der Ire Enda O’Coineen hat abgedreht und steuert Stewart Island im Süden von Neuseeland an. Er will im flachen Wasser ankern um mehrere Probleme zu beheben.

Der Autopilot funktioniert nicht richtig, die Mastschine löst sich vom Profil und nach einer Crash-Halse sind die Lazy Jacks gerissen und das Reffen funktioniert nicht. Es ist nicht klar, ob es dem 61 gelingt, mehrfach in den Mast zu klettern.

Enda O'Coineen dreht nach Neuseeland ab. Heerema (oben links) hangelt sich mit Autopilot-Problemen an Australien vorbei.

Enda O’Coineen dreht nach Neuseeland ab. Heerema (oben links) hangelt sich mit Autopilot-Problemen an Australien vorbei.

Seit Tagen hat auch schon der Holländer Pieter Heerema (65) mit seinem Autopiloten und er ist bei den Reparatur-Versuchen auf den letzten Platz zurückgefallen. Aber auch der Franzose Didier Costa, der schon kurz nach dem Start umgedreht war, und danach wieder aufgeholt hatte, hat scharf nach Norden abgedreht. Ebenso vermeldet Sébastien Destremeau ständige Probleme.

Paul Meilhat vor Tahiti. © SMA

Paul Meilhat vor Tahiti. © SMA

Dafür hat Paul Meilhat wieder festen Boden unter den Füßen. Der unglückliche Franzose, der nach einem Kielschaden bei seiner “SMA” den dritten Platz aufgeben musste, ist jetzt in Tahiti angekommen. Er wurde überschwänglich von den Einheimischen gefeiert und erlebte ihre Gastfreundschaft. Meilhat sollte sich als Sieger fühlen, aber die tiefe Enttäuschung ist ihm auf den Videos immer noch anzumerken.

Auch Stéphane Le Diraison ist so gut wie in Sicherheit. Sein Notrigg hat ihn nach dem Mastbruch bis nach Melbourne gebracht, wo kurz vor dem Einlaufen ist. 19 Skipper sind bei der Vendée Globe noch im Rennen, 10 haben aufgegeben.

Vendée Globe Tracker



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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Vendée Globe: Thomson doppelt so schnell wie Le Cleac’h – Empfang für Meilhat in Tahiti“

  1. avatar Firstler sagt:

    Geil, dass es jetzt wieder spannend wird. Ich hatte das Rennen schon abgeschrieben….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar eku sagt:

    Ich finde es ja auch gut, dass die Wettergötter ihren Segen nicht ganz so einseitig verteilen …

    Aber denkt doch auch mal an die Boote weiter hinten: J LeCam und Yann Elles haben sich da derart verbissen, dass man gar nicht weiß ob die bis zum Ziel wieder voneinander los kommen.
    JPDs erzwungene Nordroute ist auch noch nicht sicher der Bringer gewesen.
    C Coleman musste fürchterlich schnell sein um vor so einem dort unten wohnendem Ungeheuer zu flüchten.
    Und dann wird aus dem armen spanischem Feuerwehrmann (als welcher sich evtl gar nicht unbedingt sieht) auch noch ein Franzose, der kurz vor der Aufgabe steht … Dabei hatte der ansonsten nur die Option an der “Eiskante” bei wenig Wind zu kreuzen um dann später die volle Packung auf die Nase zu bekommen.
    Der ist mit 4 Tagen Verspätung als 29. gestartet und wird bald 15. – ist doch ne schöne Geschichte

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