Vendée Globe: Thomson holt wieder auf – Dabei muss er sich mehr quälen als Le Cleac’h

"Isoliert"

Das Duell an der Spitze der Vendée Globe ist längst nicht entschieden. Alex Thomson schlägt zurück auch wenn ihm im Vergleich zu Le Cleach’h ein Ausrüstungsgegenstand fehlt.

Die beiden Duellanten an der Spitze der Vendée Globe Flotte fechten weiterhin beinhart ihren Kampf um die Spitze aus. Armel Le Cléac’h ist nahezu mühelos an dem schwarzen Boot vorbeigezogen, aber Alex Thomson gibt sich längst nicht geschlagen.

Alex Thomson Hugo Boss

Alex Thomson lässt nicht locker. © Hugo Boss

Beim jüngsten Positionsreport hat er zuletzt wieder zehn Meilen zu seinem Gegner aufholen können und liegt nur noch 20 Meilen zurück. Der Grund dafür ist abnehmender Wind und ein raumerer Winkel zum nach wie vor dominanten Nordwest-Wind.

Armel Le Cléac’h  kann seine “Banque Populaire VIII” nicht genug beschleunigen, um sie auf die Tragfläche zu heben. Dafür müsste er seinen Kurs anspitzen käme aber zu weit vom Weg ab, der gerade auf die Kerguelen Inseln zusteuert.

Schmales Foiling Fenster

Dabei wird noch einmal deutlich, wie schmal das Fenster eigentlich nur ist, in dem sich der Vorteil der Foils bemerkbar macht. Andererseits sind die Tragflächen-Boote eben auch nicht deutlich langsamer, wenn sie ihre Flügel einziehen, einen tieferen Kurs steuern und den Kiel weiter zur Mitte neigen.

Der Windwinkel für das Spitzenduo ist zu raum als dass Le Clac'h das Foil nutzen könnte. Josse dahinter holt mit mehr Wind auf.

Der Windwinkel für das Spitzenduo ist zu raum als dass Le Clac’h das Foil nutzen könnte. Josse dahinter holt mit mehr Wind auf.

Allerdings bremst ein Teil des Foils in Lee im Wasser, und so könnte es aktuell für Alex Thomson von Vorteil sein, dass er den Haupteil des Profils verloren hat und nicht mehr durch das Wasser schleift. Er hat jedenfalls zurzeit einen leichten Speed-Vorteil zu Le Cleac’h.

Aber der fällt nicht so sehr ins Gewicht, weil hinter den Kerguelen in einer Wetter-Übergangsphase noch einmal wettertaktische Entscheidungen wichtiger werden. Es geht um die richtige Positionierung zum nächsten Tiefdruckgebiet. Auch Thomson wird noch seine Chance bekommen, wenn auf der Höhe von Australien südliche Winde in Sturmstärke wehen und er nach der Halse sein Backbord-Foil zum Einsatz bringen kann.

Muckelig warm

Zurzeit macht er sich aber eher Sorgen über die Isolation so tief im Süden. In diesen Breiten wären Rettungsoperationen sehr schwierig. Dabei ist ein Grund für die Eisgrenze, dass Flugzeuge noch in Reichweite sind falls ein Vendée Skipper in Schwierigkeiten gerät.

Thomson weist im Video auch auf die Kälte hin, die im Moment um fünf Grad bewegt. Dabei lässt er durchblicken, dass er anders als sein Gegner Armel Le Cleac’h auf eine Heizung an Bord verzichtet hat. Der Franzose scheint es sich dagegen unter Deck muckelig warm gemacht zu haben. “Ich habe eine kleine Heizung a Bord, so dass ich die richtige Temperatur einstellen kann”, sagt er.

Seb Josse (hellblau) ist seit längerer Zeit wieder etwas schneller als das Spitzenduo. Le Cleac'h (blau) hat den Foiler-Boost gegenüber Thomson wieder verloren.

Seb Josse (hellblau) ist seit längerer Zeit wieder etwas schneller als das Spitzenduo. Le Cleac’h (blau) hat den Foiler-Boost gegenüber Thomson wieder verloren.

Schwer zu sagen, was das genau heißen soll. Aber der erfahrene Weltumsegler gönnt sich offenbar den kleinen Luxus, und nimmt das zusätzliche Gewicht in Kauf.  “Für mich ändert sich nicht viel, wenn ich nun an der Spitze liege. Ich steuere meinen eigenen Weg. Aber es ist schön, einen Schrittmacher wie Alex in der Nähe zu haben. Wir müssen nicht besonders aufgeregt sein. Es liegt immer noch ein langer Weg vor uns.”

Josse gibt Gas

Das gilt auch für Sébastien Josse, der mit seiner “Edmond de Rothschild” auf Rang drei den Anschluss verloren hat zu den ersten beiden. Aber auch Josse ist wieder besserer Laune, weil er erstmals seit vier Tagen wieder Meilen zum Führungsduo gut macht. Nach über 500 Meilen Rückstand sind es jetzt nur noch 464.

Vielleicht geht da doch noch etwas. Der Franzose wartet auf seine Chance. Zuletzt war er vom Wetterpech verfolgt. Am Wochenende musste er in einer instabilen Windzone gleich sieben Halsen ausführen, um sich für das nächste Tiefdruckgebiet zu positionieren.

Sieben Halse  in der Flaute. Seb Josse hatte am Wochende schwer zu kämpfen.

Sieben Halse in der Flaute. Seb Josse hatte am Wochende schwer zu kämpfen.

Dabei ist er körperlich extremen Belastungen ausgesetzt. Vor dem Rennen beschrieb er, dass eine Wende bis zu einer Stunde dauert. Aber sein Angriffsgeist scheint längst noch nicht erloschen zu sein.

Tracker Vendée Globe

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Vendée Globe: Thomson holt wieder auf – Dabei muss er sich mehr quälen als Le Cleac’h“

  1. avatar John .J. M. sagt:

    Die gebrochene Flosse an Alex’ Boot macht das Rennen wieder unglaublich spannend. Ist nun eigentlich final klar, ob er Ersatz hat oder warum wurde das Foilwechseln in der Vorbereitung eigentlich geübt?

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