Vendée Globe: Wie die Foils von “Safran” funktionieren – 2 Knoten Speed-Vorteil erwartet

"Wie der Schnauzbart von Dali"

Das Safran Team erklärt mit eindrucksvollen Bildern, wie die Foils auf dem ersten neuen IMOCA 60 funktionieren. Dabei hatte “Safran” schon mit einem Leck zu kämpfen.

IMOCA Safran

In Luv hat das Schwert keine Wirkung. In Lee sorgt es für Auftrieb . © Olivier Blanchet/DPPI

Nachdem die Regelhüter der spektakulären IMOCA Klasse, die für die Vendée Globe Regatta zum Einsatz kommt, die Einführung von Tragflächen erlaubt hatte, adaptierte das Safran Team die Änderung zuerst. Es brachte den ersten beflügelten 60 Fußer zu Wasser.

Der 28-jährige Morgan Lagravière durfte das neue Zeitalter als Skipper einläuten und die Nachfolge des alten Haudegen Marc Guillemot (57) antreten, der nach wie vor in das Team eingebunden ist. Und so erlebte Lagravière hautnah die Probleme der neuen Foiler-Technik.

Der neue, erst 28 Jahre junge Skipper Lagravière neben Guillemot, dem Skipper der Safran 1 © Liot

Der neue, erst 28 Jahre junge Skipper Lagravière neben Guillemot, dem Skipper der Safran 1 © Liot

Bei der Transat Jacques Vabre Regatta im Herbst 2015 dauerte es nur zwei Tage, bis sein Neubau versagte. Er meldete einen Wassereinbruch im Bereich der Aufnahme der Tragfläche, der logischen Schwachstelle der neuen Foiler-Entwicklung. Wenn das Gewicht des gesamten Rumpfes nur noch auf dem Foil lastet, entstehen extreme Lastspitzen. Und genau an dieser Stelle hat die Konstruktion versagt. Die gesamte Struktur nahm Schaden. Lagravière musste schnell wenden, um den Leckbereich aus dem Wasser zu heben.

Auch vier Kollegen mit den neuen Konstruktionen hatten Probleme. Nur “Banque Populaire” zeigte mit Rang zwei, dass die Foiler auf hoher See bestehen können. Aber seitdem arbeiten alle Teams fieberhaft, um die Schwachstellen ausmerzen zu können.

Speed-Vorteil: 2 Knoten

Die Vorteile sind nach wie vor bestechend. Das Video erklärt sie eindrucksvoll. Und der Speed-Gewinn bei harten Raumschots-Bedingungen soll gut zwei Knoten betragen.

Transat Jacques Vabre Safran

Safran gibt Gas bevor es die TJV aufgeben muss. © Liot/DPPI/TJV

Kompliziert ist die Leistungsfähigkeit am Wind. Es sind keine zusätzlichen Schwerter erlaubt sondern insgesamt nur fünf Anhänge. Deshalb muss der Abdrift durch das Zusammenwirken von Kielflosse und Tragfläche entgegengewirkt werden. Das in Lee ausgefahrene Foil sorgt auch auch am Wind für Auftrieb, und kann der Krängung entgegenwirken. Es erhöht aber auch den Widerstand im Wasser.

Insgesamt erzeugen die Tragflächen offenbar eine noch höhere Belastung auf die Sturkturen, als die Ingenieure erwartet haben. Bei den Prototypen aller Teams wurden Probleme festgestellt. Bei Hugo Boss löste sich gar ein Stück von der Außenhaut ab.

Es wurde  auch befürchtet, dass es durch die hohe Belastung Schwierigkeiten mit Rigg und Mast entstehen können. Denn beide Element sind seit April 2013 verpflichtend als Einheitsmaterial einzusetzen. So werden die Masten von Lorima in Lorient gefertigt und die Kiele von AMPM. Aber an dieser Front ist es bisher noch ruhig geblieben. One-Design Material birgt den Vorteil, dass es überdimensioniert sein kann.

Es ist fraglich, ob die Teams es wirklich schaffen, die neue Technik bis zum Start der Vendée Globe verlässlich in den Griff zu bekommen. Das Safran-Team mag sich deshalb bemühen, ein emotionales Gegengewicht zur martialischen Sichel-Streitwagen-Optik heruzustellen. Es sieht in den Schwertern “den Schnauzbart von Salvador Dali“.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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