Vendée Globe: Wie die Franzosen Armel le Cleac’h feiern – Held einer ganzen Nation

Magnifique!

Vendee Globe, Sieger, Medien

Armel Le Cleac’h in typischer Siegerpose © vendée globe

„Ein Jahrhundertsieg“, „ein Traum geht in Erfüllung“, „Endlich!“, „die Rührung des Bretonen“, ein „Sieg, der in die Geschichte eingehen wird“ – die französischen Medien feiern vollmundig ihren neuen Segelhelden Armel le Cleac’h.

„Seglers Wintermärchen!“ So könnte man die derzeitige Stimmung in Frankreich zusammenfassen. Nach dem grandiosen Einhand-Weltumseglungsrekord eines Thomas Coville, der zwischen Weihnachten und Neujahr die französischen Medien regelrecht in Aufruhr brachte (SR berichtete), setzt nun Vendée Globe-Sieger Armel Le Cleac’h mit seinem neuen Streckenrekord der französischen Begeisterung fürs Segeln die sprichwörtliche Krone auf.

Keine andere Sportart konnte seitdem (zufälligerweise?) zeitgleichen Start der Vendée Globe-Regatta und des Einhand-Rekordjägers Coville auf seinem Trimaran so hohe Aufmerksamkeitswerte unter der französischen Bevölkerung erzielen, wie die beiden Segel-Events. Seit dem 6. November ist Segeln zur „Sache der Nation“ in Frankreich geworden – es verging kein Tag, an dem nicht in den großen, überregionalen Medien (Presse, elektronische und digitale Medien) über zumindest eines der beiden Segelevents berichtet wurde.

Vendee Globe, Sieger, Medien

Auch der Sieger verdrückt die eine oder andere Träne © vendée globe

Französischen Medienzählungen zufolge ist es besonders erstaunlich, dass vor allem die Vendée Globe hohe Zuschauerzahlen aus den Reihen der „eher weniger sportlich Interessierten“ anzog: Die Segelei um die Welt wird in Frankreich als das letzte große Abenteuer und nur zweitrangig als Sportereignis verstanden – logisch, dass dann die Sieger wie Helden verehrt werden.

Die Helden gebührend feiern

Und für genau diese Heldenverehrung gibt es keinen besseren Ort und kein besseres Publikum als Les Sables d’Olonnes und die dort versammelten Segelfans. Denn was gestern Abend und heute Morgen für den Sieger (und Gejagten) Armel le Cleac’h und den Zweitplatzierten (und Jäger) Alex Thomson aufgeboten wurde, ist so an kaum einem anderen Ort der Welt möglich.

Ähnlich wie beim Start der Vendée Globe waren wieder Zehntausende gekommen, um auf den Molen und Dämmen entlang des Tiden-Kanals ihre Helden zu feiern. Mit bombastischem Feuerwerk, mit Standing Ovations, Gejohle und Gesang und mit knapp Hundert Booten, die beide IMOCAs während der letzten Meilen bis zum Hafen eskortierten. Es war mal wieder ein Szenario wie im sprichwörtlichen Bilderbuch: Freude, Emotionen, Rührung… alles stand kopf.

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Aufmacher bei L’Equipe © equipe

So simste gestern Abend noch die Deutsche Hochseeseglerin Anna-Maria Renken, die mit ihrer „Gang“ aus Lorient schnell runter nach Les Sables gefahren war: „Wir stehen hier alle und sind am Heulen, so freuen wir uns für Armel!“ Und wer die Live-Bilder auf der Vendée Globe-Website verfolgte weiß, dass die meisten Fans in Les Sables ähnlich gerührt waren…

Heiß ersehnter Sieg

Die Meldung vom heiß ersehnten Sieg des Armel Le Cleac’h machte kurz nach der Zieldurchfahrt die „große Runde“ in den Medien. Mal ganz abgesehen davon, dass die Vendée Globe-Website gestern Abend die mit Abstand höchsten Reichweitenwerte im Millionenbereich erzielen konnte, ließen sich auch andere Medien diese News nicht entgehen.

Auf allen TV-Kanälen wurden die bewegten und bewegenden Bilder des Vendée Globe-Siegers Armel Le Cleac’h im roten Schein seiner brennenden Fackeln gezeigt, einige Prime-Time-Nachrichten eröffneten ihr Programm sogar mit den Sequenzen, in denen Armel sich die eine oder andere Träne verdrückte.

Sogar die ansonsten erklärtermaßen „garantiert sportfreie“ Kult-Radiosendung „Jazz“ des französischen Radiosenders „France Culture“  wurde für die Mitteilung vom Sieg des Armel le Cleac’h bei der Vendée Globe unterbrochen.

Vendee Globe, Sieger, Medien

Alex Thomsons frühmorgendliche Einfahrt in den Hafen © vendée globe

Im Internet überschlugen sich die Klickraten bei den einschlägig bekannten Websites wie etwa die Fachmagazine Voiles et Voiliers, Bateaux oder die als besonders segelaffin bekannte, bretonische Tageszeitung „Le Telegramme“.
Bei allen großen, überregionalen Tageszeitungen war Le Cleac’hs Rekordsieg zumindest eine Headline auf der Titelseite wert.

L’Equipe, die letzte Sporttageszeitung der Welt, brachte Armel le Cleac’h heute Morgen als  einzigen Aufmacher auf die Titelseite. In typischer Equipe-Manier hatten sie einen Fotografen an Bord eines Hubschraubers raus auf See geschickt, um den Sieger im letzten Tageslicht in Heldenpose auf seiner Banque Populaire abzulichten.

Amerikanische Konkurrenz auf den Titelbildern

Bei den großen politischen Tageszeitungen sah man Le Cleac’hs Konterfei jedoch eher selten auf den Titelseiten. im Gegensatz zu Thomas Coville, der einen weltpolitisch eher ruhigen Zeitpunkt „getroffen“ hatte, muss der Bretone Le Cleac’h oftmals dem Konterfei des zukünftigen amerikanischen Präsidenten den Vortritt lassen, der heute vereidigt wird. Wobei die Frage erlaubt sei, ob Le Cleac’h überhaupt neben Trump „auftreten“ wollte…

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Viel Zeit zum Feiern wird nicht bleiben – die Medien warten schon sehnsüchtig © vendée globe

Auch die Berichterstattung über Alex Thomsons zweiten Platz bei der Vendée Globe scheint überaus spannend zu werden. Denn schon jetzt zeichnet sich ab, dass die in Sportfragen äußerst patriotischen Franzosen dem Engländer, der „ihrem“ Armel so viel Kopfzerbrechen während der Vendée Globe bereitete, höchsten Respekt zollen. Nur selten zuvor wurde einem britischen Segler derart viel Sympathie entgegengebracht.

Sicher ist jedenfalls, dass für beide Segler in den nächsten Tagen eine weitere Härte-Etappe der Vendée Globe ansteht: Es heißt, dass sich die an TV-Talkrunden nicht gerade arme französische Medienlandschaft um die beiden förmlich reißt. Wollen wir hoffen, dass die beiden zuvor, nach zweieinhalb Monaten rigorosem Schlafmanagements, zumindest Gelegenheit zum Ausschlafen bekommen werden…

Weitere Stimmen:

Loick Peyron, lebende Segellegende: Das ist eine ganz große Nummer, die Armel hier abgeliefert hat. Respekt! Aber erstaunen tut mich das nicht – der Junge zählt nicht umsonst schon seit Jahren zu den besten Hochseeseglern der Welt!

Francois Gabart, letzter Sieger der Vendée Globe: Bravo, simplement Bravo! Du warst zum Siegen da, und zu nichts anderem. Und Du hast es geschafft!

Vincent Riou, VG-Mitfavorit ohne Foils, der nach Havarie aufgeben musste: ich freue mich sehr für Armel. ich hatte dieses Jahr zwar mal wieder kein Glück, aber man soll sich immer an der Freude der anderen erfreuen. Und genau dafür bin ich hier!

Jean-„Gab“ le Cleac’h, Vater und Mitglied im Shore-Team seines Sohnes: Alles andere als ein Sieg hätte ihn zur Verzweiflung getrieben. Deshalb bin ich besonders froh, dass er es diesmal endlich geschafft hat. Aber wie sagte schon sein Großvater, als er ihm als Knirps das Fischen auf See beibrachte: Das wird mal ein großer Seemann. Na bitte!

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Michael Kunst

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5 Kommentare zu „Vendée Globe: Wie die Franzosen Armel le Cleac’h feiern – Held einer ganzen Nation“

  1. avatar Lars sagt:

    http://segelreporter.com/panorama/segelmacher-sailonet-com-zaehlt-zu-erfolgreichsten-internet-tuch-anbietern-stand-auf-der-boot/

    Kann mir jemand sagen wie der Boottyp heißt von dem Sie runterspringen?
    Danke für die Hilfe

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    • avatar Michael Kunst sagt:

      Lars, das ist eine Muscadet (wie auch kurz im Artikel erwähnt), Vorläufer der Minis. Wird in Frankreich aus nostalgischen Gründen speziell von den Hochseeprofis gerne und häufig wie wild gesegelt. Sozusagen der “Opti für die Hochseechampions”, oder so. Regattafelder mit über 50 Booten an der Atlantikküste sind keine Seltenheit. Grüße. miku

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar poseidon sagt:

    Muscadet

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  3. avatar Firstler sagt:

    In meinem nächsten Leben möchte ich übrigens Bretone sein 🙁

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  4. avatar Andreas Borrink sagt:

    Würde mich interessieren, was die SR-community dazu:

    http://www.dailymotion.com/video/x591qiz_j74-la-reaction-de-jean-le-cam-a-la-victoire-de-armel-le-cleac-h-vendee-globe_sport

    sagt!?

    Da versuchen alle, dieses Rennen als das zu promoten, was es – zumindest an der Spitze – sicher ist, nämlich Leistungssport vom Feinsten. Und dann kommt Monsieur LeCam, gibt sich die Kante und murmelt was von Trafalgar. Ich hatte das Vergnügen, den Mann in den 80ern als Mitglied des Formel 40 Komitees beim Grand Prix in Belgien kennen gelernt zu haben. Ein hochenergetischer, kleiner Bretone, der den ganzen Winter ohne Socken rumläuft und ein echt taffer Segler (aktuell wieder an 4) ist. Das hat mich damals zugegebenermaßen schwer beeindruckt und bis heute stand dieser Mythos. Und nun so ein Rotweindoipng……

    Gibt es in Frankreich kein Wort für Seemannschaft? Sofern das ganze keine aufgesetzte Schmierenkomödie ist – die nicht lustig wäre – stellt sich mir die Frage, wer den unter Einsatz seines Lebens retten soll, wenn er im Brausebrand irgendwo gegensemmelt oder beim Pinkeln über Bord fällt. Da wäre er ja nicht der erste.

    Was meint Ihr!? Bin gespannt!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 10

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