Vendée Globe: Zweitplazierter Sébastien Josse erlebt Ruder-Drama im Süd-Atlantik

Die nächste Kollision

Kurz nach Vincent Riou hat es auch Sébastien Josse mit seiner “Edmond de Rohtschild” erwischt. Der zweitplazierte Franzose (SR Porträt) ist in der Nacht mit gut 20 Knoten Speed gegen ein Objekt im Wasser gekracht. Dabei klappte sein Ruder hoch.

Vendee Globe, Sebastien Josse, Baron de Rothschild, gitana

“Edmond de Rothschild” in voller Fahrt © gitana, Martinez

Eigentlich sollte das kein Problem sein, da die Teams für solche Situationen einen Mechanismus mit einer Sollbruchstelle entwickelt haben, der es erlaubt, das Ruder wieder in Position zu bringen. Aber dieses System hat offenbar Schaden erlitten.

Der 41-Jährige musste sein Boot stoppen und die Situation analysieren. Er kontaktierte sein Gitana Team in Frankreich, das während der Regatta für solche Anrufe auf Standby ist, um Lösungen für das Problem zu besprechen. Mit ihrer Hilfe war er in der Lage, den Schaden zu reparieren.

Gitana, Rothschild, Josse

Die Ruder-Konfiguration auf der “Edmond De Rothschlid”. © Gitana

Es dauerte mehr als vier Stunden, das Ruder-System wieder in Gang zu bringen, und Josse verlor gut 70 Meilen auf den parallel segelnden Armel Le Cléac’h und liegt nun 169 Meilenhinter dem nach wie vor führenden Alex Thomson und liegt  zurück.

Josse war als einer der großen Favoriten in diese Regatta gegangen und hatte diese Stellung mit einer guten Startphase bestätigt. Dann durchlebte er allerdings eine schwächere Phase im Rennen segelte zurückhaltend auf Rang sieben uns sechs. Den Äquator passierte er auf Platz fünf.

New York Vendee, IMOCA

Sebastien Josse in Action auf Seiner “Edmond de Rothschild” © gitana / riou

Im Süd-Atlantik zeigte Josse aber seinen Speed und raste mit einem kürzeren Kurs in der Innenkurve schließlich sogar an Armel Le Cleac’h vorbei auf Rang zwei. Nun hat er den Spee der beiden Führungsboote wieder aufgenommen, die wie er ebenfalls die Front verpasst haben. Alex Thomson ist noch länger im stärkeren Wind gesegelt und konnte den Vorsprung auf Le Cleac’h mit gut 100 Meilen stabil halten.

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Carsten Kemmling

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14 Kommentare zu „Vendée Globe: Zweitplazierter Sébastien Josse erlebt Ruder-Drama im Süd-Atlantik“

  1. avatar Uwe R. sagt:

    Es ist bei solchen Fällen praktisch immer von einer Kollision mit einem “Objekt” die Rede. Ich vermute, dass es sich in vielen dieser Fälle weniger um ein “Objekt”, als vielmehr um ein Meereslebewesen handelt, das von einem Ruder oder Kiel bei 20 Knoten gezweiteilt wird.
    Mir sind jedenfalls auf See deutlich mehr Delfine und Wale begegnet, als Container (0) und Baumstämme (eine Hand voll). Den Rennveranstaltern wird es recht sein, dass niemand genau wissen will, mit was die Rennmaschinen kollidieren. Denn für das Marketing wäre es eher abträglich, wenn die Öffentlichkeit davon ausgehen müsste, dass pro Vendee Globe X Delfine ins Jenseits gesegelt werden.

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  2. avatar Andreas sagt:

    Das ist kompletter Unsinn. Delfine sind unglaublich schlaue und schnelle Tiere. Sie suchen sogar die Nähe solcher Boote und haben augenscheinlich Spaß dabei. Nie ist ein Delfin mit meinem Mini kollidiert, auch nicht beim zusammentreffen mit einer riesigen Definschule und auch nicht bei 15 Knoten fahrt. Es treibt unfassbar viel Müll in den Weltmeeren rum und es steht für mich ausser Frage das es Müll ist der diesen Booten die Schäden zuführt. Wer z.B. Das letzte Volvo Ocean Race verfolgt hat und die Etappe Abu Dabi nach China verfolgt hat konnte sich das Live anschauen und staunen was da alles rum schwimmt.
    Ich würde empfehlen ersteinmal nachzudenken, anstatt solch einen Unsinn zu schreiben. Delfine zweiteilen. Tzzzz

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    • avatar Uwe R. sagt:

      Sachlich geht anders, lieber Andreas. Dann lass es statt Delfinen eben Kleinwale und Schildkröten (bis zu 150 KG schwer!) sein. Ich kenne Segler, die Walkollisionen bzw. Zusammenstöße mit Schildkröten hatten und auch in der einschlägigen Erlebnisliteratur finden sich Berichte von Walkollisionen. Ich selbst bin einmal fast über einen schlafenden (?) Hai gesegelt. Daher bitte abregen und zumindest in Erwägung ziehen, dass Deinen VG Helden das eine oder andere Tier zum Opfer fallen könnte.

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    • avatar Uwe R. sagt:

      PS: einfach mal “dolphin collision” bei Google eingeben. Da gibt es ein paar nette Fundstellen. So “unglaublich schlau” sind offenbar nicht alle…

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  3. HeHe – ganz so unsinnig ist das sicher nicht. So wie Simon mit einem Wal kollidiert ist und dabei nicht unerheblichen Schaden erlitten hat sowie auch die Transatlantik-Ausfälle vor NewYork wohl eher Meereslebewesen zuzuordnen sind , so gilt auch hier – nichts genaues weiß man nicht …

    Wie in Zukunft damit umgehen, wenn immer höhere Geschwindigkeiten und erreicht werden und damit auch die potentiellen Schäden immer größer werden ? VaBanque-Spiel, wonach der Segler eben einfach Glück haben muss oder vorgeschriebene Sicherheitsreserven ? Geht das überhaupt und wie sollen solche Regeln aussehen? VOR hat dem “Immer-Leichter” durch die Einheitsklasse einen Riegel vorgeschoben und auch IMOCA hat mit dem OneDesign-Kiel eigentlich richtig reagiert. Reicht das oder gehört das immer größer werdende “Restrisiko” einfach zum Rennen dazu ? Einen MontBlanc oder K2 – Aufstieg wird man auch nicht sicherer machen können …

    VG, Frank

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  4. avatar dubblebubble sagt:

    Es gab auch schon VG’s wo nach einem Crash ein “Mammal” (Meeressäugetier) als Kontakt genannt wurde.

    Das sind leider bedauerliche Unfälle aber mengenmässig nicht der Rede wert gegen den zigtausendfachen Tod im Beifang der Fischindustrie.

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  5. avatar Andreas sagt:

    Dein Betrag war nicht sachlicher, oder?
    Am Ende sagtst Du damit aus, dass die Ausfälle eher mit Tierkollisionen als mit Müllkollisionen zusammen hängen. Das will ich in Abrede stellen. Wale sind in der Tat ein Risiko, ohne Frage. Aber Du tust ja gerade so, als würden die Veranstalter nur Objekt sagen weil sie vermeiden wollen das Wort Tier oder Wal oder Delfin oder sowas auszusprechen. Und genau das ist völliger Unsinn. Jeder da draussen kennt die Gefahren, auch die Veranstalter. Und keiner ist sich zu schade dafür, dass auch beim Namen zu nennen wenn er den Übeltäter gesehen hat. Meistens siehst Du aber nunmal nicht mit was Du kollidiert bist. Somit nur “Objekt”. Das hat nix mit Marketing zu tun. Sorry.
    In meinen Augen ein völlig überflüssiger Beitrag.

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    • avatar Thomas sagt:

      Übeltäter?

      Jetzt müssen sich die Wale, Haie, Delphine, Schildkröten und sonstige Meeresbewohner auch noch entschuldigen, dass sie sich in ihrem angestammtem Lebensraum “im Weg” befinden, wenn wir Durchgeknallten im Schneller, Höher, Weiter-Modus über die Weltmeere rasen? So schön & spannend das VG auch ist….
      Geht´s noch, Andreas?

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      • avatar Johannes Bahnsen sagt:

        Nu spaltest Du aber Haare.

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      • avatar Andreas sagt:

        Moin Thomas, ich hab die Tierchen auch total gern. So war das ja auch nicht gemeint. Ich betrachte das halt aus der Sicht des Teilnehmers.Und wenn mir durch eine solche Kollision das Schiff abhanden kommt, oder ich die Regatta abbrechen muss ist das sehr ärgerlich. Tut mir leid, aber da geht dann das Mitgefühl verloren und man wird zum Egoisten und betrachtet sein gescheitertes Projekt oder gar den Lebenstraum.
        Niemand von uns würde vorsätzlich einen Meeressäuger töten. Und na klar leben die Tiere im Meer in Ihrem Lebensraum.

        Aber wer sagt denn, dass das Meer nicht auch unser Lebensraum ist. Für einen Offshore Segler ist das Meer “mehr” Zuhause als das Land. Was ein Wortspiel 🙂

        Du machst doch einem Büffel auch keinen Vorwurf wenn er durch die Prärie rennt und dabei zig andere Tiere kaputt trampelt. Mal davon abgesehen das es absolut genauso die Seltenheit ist, dass ein Segler bei seiner Fahrt durch das Waser einen Delfin oder Wal tötet. Das ist super selten und insofern irgendwie absurd sich darüber zu eschofieren und vor alem in den gennannten VG Fällen auch höchst unwarcheinlich. Eine Euro Palette z.B. ist sehr häufig der “Übeltäter”. Ich hoffe über diesen Übeltäter regt sich jetzt keiner auf.

        Wir nutzen alle diesen Planeten. Klar müssen wir alle aufeinander Rücksicht nehmen, aber ein Delfin gehört genauso hierher wie ein Offshore Segler. Es ist ihr Lebensraum wo Sie sich wohl fühlen.
        In diesem Sinne….
        alles Gute

        Andreas

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      • avatar moin sagt:

        Da siehst du aber auch, dass es kein foilender IMOCA sein muss.
        Auch ein “normal schnelles” Schiff wie ne J/120 kann nen Wal treffen.

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  6. avatar Michael Kunst sagt:

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  7. avatar a-cat sagt:

    Man kann sich ja einfach mal überlegen wie das zahlenmäßige Verhältnis zwischen größeren Meereslebewesen und vergleichbarem Treibgut im Oberflächenbereich der Weltmeere ist. Da wird man dann sehr schnell zur Erkenntnis kommen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Kollision mit (menschengemachtem) Treibgut um ein vielfaches größer ist.

    Bei Wahrscheinlichkeiten ist es aber leider so, dass auch immer die unwahrscheinlicheren Fälle irgendwann mal eintreten. Meereslebewesen werden also durchaus schon mal in Mitleidenschaft gezogen, im Verhältnis zu Treibgutkollisionen aber sehr selten.

    Viel gefährlicher sind die tausenden Frachtschiffe, die durchaus auch mal mit 20kn übers Meer pflügen. Da fällt es halt aber nicht auf wenn man den einen oder anderen schlafenden Wal platt macht.
    Der schon genannte kommerzielle Fischfang ist aber mit Abstand die häufigste Todesursache (Beifang oder auch Ausrottung von Nahrungsquellen).

    Also Ball flachhalten und stattdessen lieber auf die Tunfischpizza verzichten wenn einem die Delfine leid tun.

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