Video-Fundstück: Loick Peyron bei der Vendée Globe 89-90

„30 Jahre? Kann jedem passieren!“

Wie es damals war: Bei der Vendée Globe-Premiere im Winter 89-90 wurde „le jeune“ Loick Peyron Zweiter. Nach der lässigen Rettung des gekenterten Poupon krönten ihn die Franzosen jedoch zum Helden der härtesten Regatta der Welt. Der Film zeigt die Höhepunkte von Peyrons erster Vendée Globe.

„Lebe Dein Leben maximal. Du hast nur eines!“ Dies soll Loick Peyron kurz vor dem Start zur ersten Vendée Globe im November 1989 zum Besten gegeben haben. Und viele seiner Kollegen haben angesichts solcher Sprüche nur müde lächelnd abgewunken: „Erst soll er mal die Runde nonstop schaffen,“ meinte etwa Philippe Poupon; der wiederum Wochen später seinem Schöpfer für Peyrons unmittelbare Nähe nach seiner Kenterung danken sollte.

Die Video-Filmsequenzen zeigen deutlich, mit welcher Lässigkeit der aufgehende Offshore-Stern Peyron diese neue, mit reichlich Vorschusshärte belegte Einhand-Nonstop-um-die-Welt-Regatta meisterte.

Selbstverständlich kann man sich, zumindest während der ersten Regatta-Wochen, für die Video-Aufnahmen „zusammenreißen“ und immer entspannt in die Kamera lächeln. Doch später, im Southern Ocean, wo es wirklich ans Eingemachte geht, weicht diese Lässigkeit oft einem eher verspannten Gesichtausdruck – siehe nicht zuletzt die aktuellen Filmsequenzen der Vendée Globe 2012/13.

Nicht so Loick Peyron. Ob er auf See seinen 30. Geburtstag feiert („Boooaff, kann jedem passieren!“), ob er seine Lieblingsstücke mimisch unterlegt (hier waren allerdings Tanguy de Lamotte und Samantha Davies nach ihm deutlich ausdrucksstärker) oder ob auf seiner On-Board-Hammond-Orgel (sowas gehörte damals noch zum Schiffsinventar) ein paar Takte anschlägt… immer ist der kleine, große Franzose ungekünstelt bester Stimmung.

Vendée Globe 1989/90, Loick Peyron, Rettung Poupon,

Blick zurück nach vorn: Loick Peyron während seiner legendären ersten Vendée Globe 1989/90 © vendée globe

Ab Minute 3:30 wird es spannend:

Peyron richtet mit einem simplen, aber gewagten Manöver den gekenterten Zweimaster von Poupon wieder auf. Unglaublich, wie gerupft der Vogel aussieht, als der Mast wieder vertikal nach oben zeigt.

Kurz darauf beeindruckend nah vorbei treibende Eisberge („Uuu lalala! Und direkt voraus noch einer“), das Kap Hoorn, der Atlantik, lockere Video-Sequenzen, wie er mal eben zur ersten Saling aufsteigt (mit oder ohne Bootsmannsstuhl?) und zwischendurch das Schiff von Abfall befreit, indem er denselben einfach verbrennt!  Schließlich kurz vor der Ziellinie dann doch ein leicht resignierter Gesichtsausdruck: „Et oui, weil wir schlecht gesegelt haben, werden wir nicht Erster!“

Nun gut, Zweiter mit berechneten 30 Stunden Abstand ist nach 110 Regattatagen auch nicht so schlecht. Und mit der Rettung von Philippe Poupon war ihm zumindest bei seinen Landsleuten ewiger Ruhm gesichert.

„Aus dem Jungen wird mal was“, soll Tabarly (vor der Regatta) über Peyron gesagt haben. Wie recht er doch hatte…

Tipp: SR-Leser Jannes Wurps

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Video-Fundstück: Loick Peyron bei der Vendée Globe 89-90“

  1. avatar doubletrouble sagt:

    Toller Film über einen super Typen! Man hat das Gefühl, daß er sich bis heute kaum verändert hat.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

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