Volvo Ocean Race: 6100 Meilen nach Auckland – Warum Mapfre den Sack zumacht

Bekking mit der Brechstange

In der Nacht startet die fünfte zählende Etappe des Volvo Ocean Races von Hong Kong nach Auckland. Die Crewlisten belegen, warum Mapfre mit immer noch beruhigendem Vorsprung an der Spitze steht.

Die Volvo Ocean Race Flotte in China. © Pedro Martinez / Volvo Ocean Race

Um 3 Uhr UTC geht es in der Nacht los zur offiziell 6. Etappe –  Abschnitt 5 war nur ein Überführungs-Abstecher nach China und zählt für alle mit einem Punkt – und die Teams haben ihre Besetzungen für den 6100 Meilen langen Trip nach Auckland in Neuseeland bekannt gegeben. 

Dabei passieren die Yachten die nördliche Spitze der Philippinen und müssen einen Weg durch die polynesische Inselkette finden. Strategisch wird diese Etappe erneut von der Flautenpassage durch die Doldrums geprägt. Sie muss diesmal von Norden nach Süden gequert werden. Und die Teams hoffen, dass sie diesmal nicht erneut so quälend lange Zeit in der brütenden Hitze verbringen müssen.

Vorsprung für Mapfre

Mapfre macht sich mit einem beruhigenden vier-Punkte-Vorsprung auf den Weg und kann sich diesmal allein auf Dongfeng als Gegner konzentrieren. Bei der vergangenen Etappe hatten sie sich kurze Zeit von dieser konservativen Taktik verabschiedet und einen hohen Preis bezahlt. Dabei sind die Spanier durch die Vestas-Kollision noch mit einem blauen Auge davongekommen. Sonst hätte ihnen das blaue Boot mit nur zwei Punkten Rückstand im Nacken gesessen.

Dongfeng Skipper Charles Caudrelier betont, wie kompliziert diese Etappe erneut wird, und weiß welche unberechenbare Rolle die Wolken in den Doldrums spielen können. Das ist aber auch seine Chance, dass Underdogs wie Scallywag zu überraschenden Punktgewinnen kommen  und bei glücklichen Konstellationen den Rückstand von Caudrelier auf Mapfre verkürzen können.

Zuletzt sahen die Dongfeng-Segler aber längst nicht wie Gewinner aus, als sich das rote Boot um die Starttonne wickelte. Mapfre dagegen hat nach der Enttäuschung wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden und bei dem China-Aufenthalt seine Stärke dokumentiert.

Wie ein Siegerteam

Auf dem Weg nach Neuseeland kann Xabier Fernandez den Sack schon ziemlich weit zumachen. Dafür agiert Mapfre wie ein Siegerteam. Die Spanier verzichten als einzige Mannschaft auf einen Crewwechsel. Auch die Enttäuschung bei der 4. Etappe hat keine Unruhe oder eine hektische Neuordnung an Bord zur Folge.

Ganz anders die Konkurrenz: Bei Dongfeng geht Kurzzeit-Navigator Franck Cammas von Bord und Pascal Bidégorry kommt zurück. Außerdem wird auf der Frauen-Position rotiert wie auch zwischen den beiden Chinesen.

AkzoNobel scheint nach der starken vierten Etappe seine Stammcrew gefunden zu haben und wechselt auf nur einer Position. Scallywag muss dagegen auf Luke Parkinson verzichten, der lieber SuperFoiler segelt zusammen mit Oracle-Cup-Segler Sam Newton, der Brunel verlässt.

Bekking mit der Brechstange

Bouwe Bekking versucht es diesmal mit der Brechstange und nimmt gleich vier Segler von Bord. Peter Burling ist wieder zurück und darf wohl mehr Verantwortung tragen. Das zeigte sich schon beim Inportrace, als er erstmalig steuern durfte und durchaus erfolgreich war. Im Gegensatz zu den Gegnern ist Brunel laut Liste mit einem Segler – acht statt neun – weniger unterwegs. Schon beim Inportrace probierte er mit dieser leichteren Konstellation und äußerte sich zufrieden. Er spart diesmal eine Frauen-Position ein. Die Amerikanerin Sally Barkow ist einzige Frau an Bord.

Für Dee Caffari ist das keine Option. Sie rotiert munter weiter, und bleibt bei der maximalen Anzahl von zehn Seglern. Gleich vier Crewmitglieder gehen von Bord. Darunter befindet sich der erfahrene Schwede Martin Stromberg, der eigentlich eine Schlüsselposition einnehmen sollte.

So bleibt Turn The Tide nur die Hoffnung auf einen Glücksschlag. Aber der Start des Rennens sieht nicht nach einer solchen Möglichkeit aus 12-15 Knoten aus Nordost weisen auf schnelle erste Tage hin und schließlich Starkwind in der Straße von Luzon.

Crewlisten für Etappe 6

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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