Volvo Ocean Race: Abu Dhabis starke Heimvorstellung – Angst vor der Malakka Straße

Glück des Tüchtigen

Zusammenfassung:

Abu Dhabi beim Etappenstart im Nebel. © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

Abu Dhabi beim Etappenstart im Nebel. © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

Mit einem erstaunlich großen Vorsprung führt das Heimteam Abu Dhabi die Volvo Ocean Race Flotte nach dem Flautenpoker vor der Küste auf den Weg zur dritten Etappe nach Sanya in China. Eine Analyse.

Endzeitstimmung beim Start vor Abu Dhabi. Dichter Nebel umwabert die markanten Hochhäuser der Emirat-Metropole. Die nach dem Ausfall von Vestas auf sechs Boote zusammengeschrumpfte Flotte des Volvo Ocean Races ist von den Zuschauern vor Ort auf der Linie kaum zu sehen.

Die Teams müssen sich auf die elektronischen Hilfen verlassen, um die Luvtonne zu finden. Böen auf dem Wasser sind nicht zu erkennen. Wieder sind die großen Code Zero Vorsegel ausgerollt, mit denen die Wenden so viel Zeit und Meter kosten. Sie müssen vollständig eingerollt werden bis das Schothorn am zweiten Vorstag vorbei auf den neuen Bug gezogen werden kann.

Manöver minimieren

Es geht bei der Taktik auf dem Dreieckskurs vor dem Hafen darum, möglichst wenige Manöver zu segeln. Deshalb startet das Gros der Flotte mit Wind von Backbord. Ziel ist es, mit nur einer Wende zur Luvtonne zu kommen, die links liegen gelassen werden muss.

Start zur dritten Etappe. Brunel hat den besten Start, segelt aber mit Mapfre zu weit nach rechts.  © Warren Little/Volvo Ocean Race

Start zur dritten Etappe. Brunel hat den besten Start, segelt aber mit Mapfre zu weit nach rechts. © Warren Little/Volvo Ocean Race

Brunel hat beim Startschuss den besten Speed an der Linie und setzt im Zweikampf Abu Dhabi aus der Leestellung stark unter Druck. Bei wenig Wind ist die Leeposition besonders stark. Aber Ian Walker schafft es immerhin, sich ziemlich lange in Luv zu halten.

Ein Trimm für maximale Höhe ist notwendig, um nicht auf das Leeboot herunter zu rutschen. Eine Wende ist Walker am Anfang nicht möglich, da Dongfeng den Weg versperrt. Abu Dhabi zeigt in dieser kniffligen Phase seine Klasse, quetscht Höhe bis die Wende vor Dongfeng möglich ist und hat dann das Glück des Tüchtigen.

Im Moment der durch Brunel erzwungenen Wende liegt Walker nicht auf der Anliegelinie. Aber dann schleicht sich in der Mitte des Kurses aus dem Nebel eine Rechtsdrehung des Windes über die Bahn, die ihn exakt auf die Layline zur Luvtonne hochklettern lässt.

Brunel mit großem Umweg

Diese Drehung scheint auf der rechten Seite bei Brunel und Mapfre nicht anzukommen. Sie segeln immer weiter, obwohl Abu Dhabi auf dem neuen Bug schon deutlich höher drücken kann. Als die Drehung schließlich auch bei ihnen eintrifft, sind sie weit vom Kurs abgekommen und segeln einen großen Umweg.

Der neblige Kurs vor Abu Dhabi. © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

Der neblige Kurs vor Abu Dhabi. © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

Perfekt hätte diese schwierige Kreuz für die SCA Frauen ausgehen können. Sie starten als einziges Boot mit Wegerecht auf die linke Seite und könnten nach einer Wende sogar vor Abu Dhabi passieren. Aber dann passiert ein Fehler, der im Nachhinein richtig wehtun muss.

SCA platziert eine Leewende zu Abu Dhabi und will sich direkt vor den Gegnern positionieren. Prinzipiell ein probates Mittel auf solchen kurzen Kursen, um Kontrolle auszuüben. Aber die Wende dauert bei den VO65 mit ihren Code Zeros eben so unendlich lange, dass die Frauen von Abu Dhabi überlaufen werden.

Höchststrafe für SCA Team

Besonders bei dem leichten Wind ist das die Höchststrafe. Denn erst dauert es ewig nach der Wende, bis das Boot einigermaßen in Fahrt kommt, dann geht jeglicher Druck wieder verloren, als die Abwinde des Gegners wirken.

SCA kommt gar nicht mehr in Fahrt, schafft deshalb auch die Anliegelinie nicht, muss zwei weitere Wenden segeln und noch Dongfeng passieren lassen. Statt gleichauf mit Abu Dhabi um die erste Tonne zu gehen beträgt der Rückstand gut 20 Bootslängen. Da war mehr drin.

Aber die Kollegen erwischen die erste Kreuz noch schlechter. Brunel verpatzt auf der rechten Seite die Anliegelinie völlig und und Mapfre muss auf die Wende der Kollegen warten. Alvimedica wird nach dem schlechtesten Start auf der linken Seite von der Rechtsdrehung schwer gebeutelt und muss einen großen Umweg segeln.

Eine solche Startphase mag angesichts der 4670 Meilen vor dem Bug als eher unwichtig erscheinen. Aber allen Teams ist bewusst, dass in einer Onedesign-Flotte ein kleinster Vorteil zu Beginn zu großen Unterschieden führen kann, wenn das führende Boot in frischeren Wind segelt. So hat Abu Dhabi schon nach wenigen Meilen einen Vorsprung von zwei Meilen auf Brunel in der letzten Position herausgesegelt.

Größte Herausforderung des gesamten Rennens

Die dritte Etappe bietet allerdings noch jede Menge Möglichkeiten für große Momente und große Fehler. Besonders die Passage der teilweise nur 1,5 Meilen schmalen Straße von Malakka zwischen Malaysia und Sumatra sorgt bei den Navigatoren für Kopfzerbrechen. Es ist eine der Schifffahrtsstraßen mit dem größten Verkehrsaufkommen der Welt.

“Die größte Herausforderung der gesamten Regatta”, sagt gar Alvimedica Navigator Will Oxley. “Hohe Wellen und starker Wind sind Okay aber die Komplexität dieses schmalen Kanals verbunden mit dem Verkehr sorgt für besonders große Probleme. Nicht schön, wenn da so ein 300 Fuß Stahlkasten mit 20 Knoten auf dich zukommt und man bei wenig Wind wenig Kontrolle über den eigenen Speed hat. ”

Außerdem warten viele heftige Schauerböen auf die Segler und Fischer ohne Navigationslichter, die lange Netze hinter sich herschleppen. Darin könne man sich verfangen oder Kollisionen erleiden. Dazu kommt viel Müll im Wasser, der zu großen Schäden am Boot führen kann. “Das wird ziemlich stressig”, meint Oxley.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://nouveda.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *