Volvo Ocean Race: AkzoNobel segelt von hinten an die Spitze – Heiße Phase mit großem Split

"From zero to hero"

Bei der vierten Etappe des Volvo Ocean Race könnte eine Vorentscheidung fallen. Die Spitzenreiter Mapfre und Dongfeng haben sich weit voneinander entfernt. Andere Teams glänzen plötzlich.

Dieses Volvo Ocean Race ist doch immer noch für Überraschungen gut. Da schien es schon so, als würde sich die übliche Hackordnung wieder einstellen – Mapfre und Dongfeng einsam vorne an der Spitze – und nun spielen plötzlich die anderen Gegner vorne mit.

Insbesondere AkzoNobel ist ein erstaunliches Comeback gelungen. Das Skandal-Team war noch auf der dritten Etappe schwer durch einen Schaden gebeutelt worden und hatte bekundet, durch das brutale Erlebnis zusammengewachsen zu sein. Dann gelang auch ein starker Start in Melbourne, aber schließlich wurde es durch reine Speed-Probleme bis auf den letzten Platz zurückgereicht. Schnell lag das blaue Boot unter holländischer Flagge sieben Meilen achteraus.

Volvo Ocean Race

Extremes Ausreiten auf AkzoNoabel?… © Sam Greenfield/Volvo Ocean Race

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…Nein, irgendetwas hängt am Kiel. Danach läuft’s sehr gut. © Sam Greenfield/Volvo Ocean Race

Aber in der jüngsten australischen Nacht ist ihm ein wundersames Comeback gelungen. Erst lösten sie offenbar das andauernde Speed-Problem und entfernten bremsenden Müll vom Kiel, dann erwischten sie noch eine glückliche Winddrehung.

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Die Ausgangslage für AkzoNobel (blau) um 17 h UTC…

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…Die Situation zwei Stunden später. Akzo kann deutlich tiefer halten…

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…und liegt nach der Halse vorne.

“From zero to hero zwischen zwei Positionen-Updates”, kommentiert Skipper Simeon Tienpont ungläubig. Navigator Jules Salter erklärt, dass die Wolken den Unterschied ausgemacht haben. “Eine kleine Winddrehung, und man holt zwei, drei Boote ein. Man kann nicht bei jedem Dreher halsen, deshalb ist auch die Lanzeit-Strategie wichtig.”

Die stellt sich bei den Führungsbooten erstaunlich unterschiedlich dar. So ließ Salter die direkte Konkurrenz auf Rang zwei und drei sein Kielwasser passieren und hält seitdem stur gen Osten auf die erwartete Rechtsdrehung des Windes zu.  Vestas und Mapfre dagegen segeln weiterhin an der australischen Küste entlang. Dabei ist es besonders interessant, dass Mapfre diesen Split zulässt, denn auch der vermeintlich härteste Konkurrent Dongfeng segelt mit AkzoNobel gen Osten. Der Querabstand beträgt jetzt schon 56 Meilen. So unterschiedlich waren die Meinungen über den schnellsten Weg selten.

AkzoNobel hält stur nach Osten und lässt Mapfre und Vestas alleine nach links unter Land segeln.

Auch Dongfeng hat die Ost-Route eingeschlagen und einen Split von 56 Meilen zu Mapfre generiert. Das wird spannend.

Erstaunlich schwach segelt bisher wieder die niederländische Brunel unter Bouwe Bekking. Das gelbe Boot schlägt sich auf den hinteren Plätzen mit dem Nachwuchs-Team Turn The Tide von Dee Caffari herum (Video: Turn The Tide vor der australischen Küste). Auch der Wechsel von vier Crewmitgliedern hat noch nicht die erhoffte Wirkung.

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Turn The Tide hat Brunel in Sichtweite. © Brian Carlin/Volvo Ocean Race

Besser setzt sich dagegen Scallywag auf dem Weg zum Heimathafen Hong Kong in Szene. Es mag daran liegen, dass Skipper David Witt erstmals mit zwei Frauen segelt und damit seine Crew um einen Segler aufgestockt hat. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass er schon den dritten Navigator einsetzt.

Diesmal darf Libby Greenhalgh ran, die beim vergangenen Volvo Ocean Race dem SCA-Frauenteam den Weg gewiesen hat. Damit könnte David Witt auch zeigen wollen, dass er kein echtes Problem mit Frauen hat, wie es ihm seit der vermeintlichen Belästigung-Geschichte vorgeworfen wird. Der Neuzugang hält nun das überwiegend australisch besetzte Boot besser im Spiel als die Kollegen zuvor.

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17 Frauen sind zurzeit beim Volvo Ocean Race im Einsatz.

Sehr gut kommt offenbar auch Vestas zurecht, obwohl Skipper Enright von Bord musste. Sein Kumpel Mark Towill steht erstmals in der Verantwortung, und bisher ist das Team dadurch eher noch schneller geworden.

Insgesamt 19 Wechsel hat es für diese Etappe gegeben. Das einzige Team, das niemanden ausgetauscht hat ist Mapfre. Und das zeigt, wie sehr sich die Truppe als Einheit präsentiert. Das Motto: “Never change a winning team”. Ob das für einen erneuten Etappen-Erfolg ausreicht? Diesmal wird das Quäntchen Glück eine größere Rolle spielen.

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Die brasilianische 49er FX Olympiasiegerin Martine Grael auf AkzoNobel. © Sam Greenfield/Volvo Ocean Race

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AkzoNobel gibt mächtig Gas. © Sam Greenfield/Volvo Ocean Race

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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