Volvo Ocean Race Analyse: Wie sich Abu Dhabi und Brunel nach vorne geschoben haben

Das Spiel der Sieger

Vestas Vorschiffsarbeit:

Das Volvo Ocean Race entwickelt sich schon in der Anfangsphase der ersten Etappe zum Extremtest für die Crews. Nach wie vor ändern sich alle paar Stunden die Positionen im Feld. An Schlaf ist kaum zu denken.

Die jüngsten Mails von Bord der Volvo Ocean Racer lassen immer mehr erahnen, wie brutal das Leben zurzeit auf den Schiffen ist. Permanente Wind- und Wetteränderungen erfordern eine ständige Präsenz der Crew, die im Vergleich zum vorherigen Rennen ja noch einmal um zwei Personen dezimiert wurde.

Volvo Ocean Race

Schattenspiele auf Mapfre. © Francisco Vignale/MAPFRE/Volvo Ocean Race

Besonders die Taktiker und Navigatoren stehen unter Strom. Denn eine Vorentscheidung steht bevor. Wer zuerst die starken östlichen Winde voraus erwischt, dürfte erst einmal auf und davon sein. Selbst geringste Abstände können sich dann vervielfachen.

Es macht Sinn, bis dahin alles zu geben und durchzuhalten. Beim Raumschots-Glitsch zu den Doldrums ist dann eher wieder Zeit zum Ausruhen. So ist die Intensität des Rennens gerade jetzt unglaublich hoch. Bei sieben gleichen Booten muss jeder Ausbruchversuch gut überlegt sein oder analysiert werden. Denn auch jetzt ist noch nicht klar, wer schließlich die dominierenden Teams sein werden. Auf welchen Ausbruch muss man reagieren?

Newcomer stärker als erwartet

Zuvor war dem Frauenteam von SCA, den Alvimedica Youngstern und dem Dongfeng Team nicht allzuviel zugetraut worden. Aber bisher gibt es keine Indizien dafür, dass sie nicht mithalten könnten. Im Gegenteil. Alvimedica dominierte die jüngste Phase des Rennens auch wenn sie zuletzt dann doch auf Platz sechs zurückgefallen sind, Dongfeng hat sich auf den dritten Platz geschoben.

Volvo Ocean Race

Liz Wardley und Abby Ehler zeigen Biss am Grinder. © Corinna Halloran/Team SCA

Die Frauen kamen nach dem Gibraltar Coup mit einer missglückten Mittelmeerausfahrt wieder zurück auf den Boden der Tatsachen, behielten dann ihre extreme Strategie mit einer Positionierung an den Außenkanten des Feldes bei und rutschten so zeitweilig auf den letzten Platz zurück.

Aber sie fingen sich wieder, beschlossen vielleicht einen Strategie-Wechsel, spielten jedenfalls das Spiel der engen taktischen Manöver im Feld mit und bewiesen, dass sie das auch können.

Das Spiel der Sieger

Beeindruckend verläuft in diesem Sinne bisher das Rennen von Ian Walker mit Abu Dhabi. Er wird seiner Favoritenrolle gerecht und zeigt das Spiel der Sieger. Vermeidung von Extrempositionen zum Feld, kleine Entscheidungen richtig treffen, auf einen Platz unter den Top drei zielen und sich und im richtigen Moment auch die Chance zur Führung nicht verpassen. Das schont die Nerven und ist auf Dauer erfolgreich, wenn die Hausaufgaben gemacht wurden. So segelt auch Brunel und hat sich zuletzt auf Rang zwei vorgeschoben. Die Favoriten liegen vorne.

Volvo Ocean Race

Die Gegner fest im Blick. Abu Dhabi segelt bisher ein beeindruckendes, solides Rennen und liegt in Führung. © Matt Knighton/Abu Dhabi Ocean Racing

Wie es anders auch laufen kann zeigt Chris Nicholson mit dem dänischen Vestas Team. Es ist wahrlich mit erfahrenen Seglern ausgestattet und den besten U-30 Seglern in Dänemark überhaupt. Aber die fehlende Zeit der Vorbereitung scheint sich jetzt bemerkbar zu machen. Eine enorme Speed-Schwächephase nach gut 400 gesegelten Meilen im Atlantik hat sie zu extremen Taktikentscheidungen verleitet.

Sie schienen damit immer wieder herankommen zu können. Aber schließlich kamen sie doch aus dem Rhythmus und liegen jetzt mehr als 20 Meilen achteraus.

Volvo Ocean Race Tracker

Volvo Ocean Race Website

Das Leben auf Alvimedica:

Volvo Ocean Race

Liz Wardley und Libby Greenhalgh brüten über den Wettermodellen. © Corinna Halloran/Team SCA

Alvimedica

Alvimedica setzt kurz vor den Kanaren die größten Impulse, schafft aber dann doch nicht den Absprung. © Amory Ross/Team Alvimedica/Volvo Ocean Race

Volvo Ocean Race

Michel Desjoyeaux (l.) diskutiert mit Xabi Fernandez (r.) Reparatur-. Optionen für ein kleineres Problem. © Francisco Vignale/MAPFRE/Volvo Ocean Race

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Spenden
https://yachtservice-sb.com

4 Kommentare zu „Volvo Ocean Race Analyse: Wie sich Abu Dhabi und Brunel nach vorne geschoben haben“

  1. avatar Christian1968 sagt:

    Ich will ja nicht nörgeln, aber diese Etappe ist noch über 5700 Nm lang, da kann noch eine ganze Menge passieren und vielleicht muss man jetzt noch nicht unbedingt vom “Spiel der Sieger” reden….

    Ahoi

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 8

  2. avatar Lyr sagt:

    Ich denke mit “Spiel der Sieger” ist die konservative, konsequente Taktik von ADOR gemeint.
    Da es hier um eine Taktik geht und nicht um eine Prognose kann man das auch sagen, wenn noch keine Meile gesegelt ist. Es geht ja nicht um “den Sieger”. 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

  3. avatar Sven 14Footer sagt:

    Was man aber bis jetzt sagen kann ist, dass die Frauen serh gut mithalten können und nicht schwächer segeln als der Rest. Taktisch muss man sehen, wer den wirklich guten Deal zum rechten Zeitpunkt macht und davon fährt.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

    • avatar Lyr sagt:

      es ist einfach sauspannend! Was einfach Klasse ist!
      hoffentlich bleibt es so… obwohl, das wäre natürlich schade für die ganzen Meckerköppe, die dann nichts mehr zu meckern hätten 😉

      Ich finde SCA aber auch Dongfeng legen bisher eine echt gute, unerwartete Performance hin.

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *