Volvo Ocean Race: Beeindruckender Auftakt der 2. Etappe unter dem Tafelberg

Spektakuläre Segel-Show

Was für eine Show, welch eine Werbung für den Segelsport. Nach dem spektakulären Start zur zweiten Etappe des Volvo Ocean Races in Kapstadt führt das SCA Team die Flotte um das Kap. Dann passierte wieder ein Fehler.

Volvo Ocean Race

Brunel und Mapfre im Zweikampf. © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

Wie in guten alten Zeiten beim olympischen Dreieckskurs. Die Action geht an der Raumtonne ab. Wer traut sich die Halse zu? Wer vergisst die Angst vor dem Überschlag? Wer geht selbstbewusst in das Manöver?

Genau so geht es der Volvo Ocean Race Flotte an der zweiten Bahnmarke nach dem Start vor Kapstadt. Mehr als 30 Knoten starke Böen knallen über den Tafelberg in die Bucht. Das typische Wolken-Käppi auf dem berühmten Felsen sitzt fransig und schief, als wolle der Wind es auf See wehen.

Bedingungen, bei denen die VO65 in eine 180 Grad Kurve gezwungen werden. Bloß nichts kaputt machen, bloß nicht zu zögerlich sein. Mapfre setzt zuerst das Manöver an. Martinez und Fernandez sind schon deutlich haarigere Halsen auf ihrem 49er gestanden. Und auch hier enttäuschen sie nicht.

Schmetterling vor der scharfen Kurve

Gruß reinkurbeln, vorsichtig genau vor den Wind steuern, der Baum knallt herüber, bloß nicht die Latten brechen, für einen Moment per Schmetterling im absoluten Gleichgewicht, dann kommt die scharfe Kurve.

Die Fock ist nicht schnell genug herein gekurbelt. Das Tuch flattert. Gar nicht gut. Die Segel sind limitiert. Jedes heftige Killen verringert die Lebensdauer und Effektivität. Wie bei der Formel Eins. Die Reifen sollten nicht zu früh überbeansprucht werden.

Aber Mapfre steht nach dem letzten Platz im ersten Rennen schon jetzt mit dem Rücken an der Wand. Es gilt, Impulse zu setzen, Risiken einzugehen, Siegeswillen, Aggressivität zu zeigen. So gehen die Spanier diese Etappe von Beginn an mit dem besten Start an. Und das zeigen sie auch bei der Tonnenrundung. Augen zu und durch.

Die Gegner haben Probleme. Vestas schießt an der Tonne vorbei, als ein Segelwechsel misslingt und plötzlich zwei Focks im Wind flattern. Alvimedica rollt das Vorsegel für die Halse ganz ein und lässt dadurch Brunel vorbei, die einen ganz weiten Bogen um die Tonne fahren.

Q-Wende bei Dongfeng

Dongfeng entschließt sich gar zu einer Q-Wende, als sie die Innenposition ohnehin nicht halten können. SCA kollidiert nach einer extrem langsamen Sicherheits-Halse fast mit Vestas und fällt von Rang vier auf sechs zurück. Und Abu Dhabi schießt mit dem am stärksten gerefften Großsegel vom letzten Platz auf den vierten nach vorne. Was für eine Action zu Beginn des Rennens.

Und es kommt noch besser. An der nächsten Marke bleibt der Wind völlig weg. Sechs Boote dümpeln gleichzeitig um die Tonne, SCA nimmt von hinten die Innenkurve und schiebt sich am ganzen Feld vorbei.

Aber dann verpatzen die Frauen die Anliegelinie zur nächsten Tonne, lassen Brunel und Mapfre durchflutschen. Aber sie schlagen zurück und segeln kurz danach mit einem Kurs näher unter Land wieder bis ganz an die Spitze.

Der Algulhas-Strom. Da müssen die Teams durch.

Der Algulhas-Strom. Da müssen die Teams durch.

Ein erstaunlicher Auftakt, der auf den unterbesetzten Yachten jede Menge Kraft und Nerven kostet. Und doch ist das noch gar nichts im Vergleich zu dem, was die Crews auf ihren wuchtigen Yachten in der Nacht am Kap erwartet.

Brutale Nacht

Sie erleben eine brutale Nacht. Von Null auf Hundert in den bockenden Kisten. Das werden so einige Mägen nicht mitgemacht haben. Besonders der neue Chinese an Bord von Dongfeng dürfte eine harte erste Nacht gehabt haben.

Zu Beginn geht es darum, den entgegen laufenden Algulhas Strom möglichst schnell zu durchqueren, um dann mit den starken südlichen Winden viel Weg nach Osten zu machen.

Die Frauen hatten eine starke Anfangsphase, griffen dann aber wie die Spanier mit einer zu frühen Wende taktisch voll daneben. Auch Vestas sah sich zu zwei Wenden gezwungen, musste sich danach aber wieder gut sechs Meilen hinter der führenden Alvimedica einreihen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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11 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Beeindruckender Auftakt der 2. Etappe unter dem Tafelberg“

  1. avatar Martin sagt:

    By the way: Spielt der Algulhas-Strom auch beim virtuellen VOR eine Rolle?

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    • avatar alikatze sagt:

      Nee, Strömungen im Allgemeinen nicht. Ich glaube, das würde den VR-Server auch n büschen zum weinen bringen. Das Virtual Eye ist ja bei der Darstellung schon kaum zu verstehen 😀

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  2. avatar Hanjo sagt:

    Ich kann die Begeisterung nicht teilen. Ein mieser Tracker, eine wirre Website und ein kaum nutzbarer Youtubechannel. Die Regatta ist cool, aber die mediale Aufbereitung grottenschlecht. Der Route du Rhum Tracker funktioniert perfekt und die Videos laufen auf PC und IPad. Als ich mir gestern Abend das Replay vom Start der zweiten Etappe auf dem IPad ansehen wollte kam “dieses Video läuft nicht auf einem Handy”. Super! Die App brachte einen Zusammenschnitt von Szenen der letzten Etappe statt des Starts. Statt dessen kann ich lesen was wer auf seinem IPod hat. Interessiert mich brennend!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 4

    • avatar eku sagt:

      Schau dir einfach mal den oben verlinkten Film an.
      Ruhig aufm richtig großen Monitor, dann ist Carstens Begeisterung sicher verständlich.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

      • avatar Schnappi sagt:

        Der Live Stream war der Hammer – wer versucht gute Qualität auf einem modilgerät zu schauen, naja das kann nichts werden … ^^

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        • avatar Schlaufuxx sagt:

          Also mein Mobilgerät mit LTE ist sicher schneller als Dein DSL.
          80 mbt/s Down 14 mbt/s Up.
          Hier läuft nichts !!!
          Selbst Virtualeye ist aufm I7 mit 8Gb RAM die Pest.
          Die technischen Umstände (über Optik kann man streiten) der Berichterstattung
          sind einfach nur ein Armutszeugnis.
          Wie oft wurde jetzt die “dynamische” Winddarstellung im Tracker geändert ?!
          Ich schau nichts mehr auf der VOOR Homepage.
          Lieber hier oder in anderen Medien.
          Bin doch kein Beta-Tester.

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  3. avatar <°((( ~~< sagt:

    Super geschriebene Reportage – sehr leidenschaftlich! Als wär man selbst dabei gewesen!

    (und jetzt seh ich mir den Film an)

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  4. avatar nachforscher sagt:

    Die mediale Aufarbeitung von den Volvo Leuten ist ein Witz! Sailinganarchy.com hat meiner Meinung nach aber einen rausgelassen. Die Videos bei youtube und fb sind zwar qualitativ semi, aber inhaltlich gut. Die scheuen keine unangenehme Nachfragen wie sie sonst im Profisport üblich sind, vom Volvo aber nicht gefragt werden

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  5. avatar jorgo sagt:

    Schweineverhältnisse am Kap …. würd` ich sagen!

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