Volvo Ocean Race: Brunel hat das Duell um den Sieg gewonnen – Dongfeng trotzdem froh

Flaute nach dem Sturm

Brunel hat die siebte Etappe des Volvo Ocean Races gewonnen und dabei knapp Dongfeng in Schach halten können. In der Gesamtwertung gibt es massive Wechsel.

Bouwe Bekking hat mit Brunel die siebte Etappe gewonnen und betont, dass seine achte Kap Hoorn Etappe unter den härtesten Wetterbedingungen von allen zustande kam. Nie mussten die Teams so hart kämpfen um das sturmumtoste Kap zu erreichen und schließlich zu runden.

Dongfeng kommt nicht mehr heran.

Umso heftiger wäre es gewesen, wenn das gelbe Boot im letzten Augenblick bei der Flaute vor dem Ziel nicht den verdienten Lohn erhalten hätte. Dongfeng kam heftig von hinten auf und schien noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren. Denn sie hätten einen echten Bigpoint landen können, der gleich drei Punkte wert gewesen wäre.

Schließlich zählt die Etappe doppelt und es gibt wie immer einen Extrapunkt für den Sieg. Aber Bekking verhinderte dieses letzte Überholmanöver mit souveräner Match Race Taktik, indem er sich zwischen Gegner und Ziel platzierte. Die America’s Cup-Spezialisten Peter Burling und Kyle Langford dürften bei der notwendigen Taktik eine große Hilfe gewesen sein.

Die lezten Meter vor der Erlösung.

Dongfeng kam zwar bis auf eine Meile an das gelbe Boot heran, aber am Ende fand Bekking mit Hilfe seiner in den Mast gezogenen “Späher” die wichtigen Windstriche, um sich kurz vor dem Ziel nicht überholen zu lassen.

Wichtige Entscheidung

Die wichtigsten Entscheidungen hat er allerdings vielleicht kurz nach der Kap Hoorn Rundung getroffen. Eine Passage in seinem Blog erklärt, dass es nicht nur darauf ankam Vollgas zu geben. So ist auch Brunel nicht ohne Schäden durch die Wasserwüste gerast. Das J2 Vorsegel ist zweimal gerissen und musste repariert werden.

Dabei half es sogar, dass sie während der Reparaturphase hinter den Falkland-Inseln langsamer segeln mussten. Dongfeng konnte früher nach Norden abbiegen und die Innenkurve nehmen. Bei Brunel traf die Winddrehung erst später ein. Unter Vollgas wäre das holländische Boot noch weiter in eine Ost-Position gelangt und hätte möglicherweise Dongfeng ziehen lassen müssen.

“Wir wussten, dass der Wind um 100 Grad nach links drehen würde und die hinteren Boote eher davon profitieren. Deshalb war es unmöglich, die klare Führung aufrecht zu erhalten.”  Bei einem Positionsreport lag Dongfeng sogar schon vorne. “Da hat es im Fuß gejuckt, bei der neuen Windrichtung Gas zu geben und die Jungs haben schon den großen Masthead Code Zero setzen wollen. Aber nein!”

“Wir werden den Mast verlieren”

Gegen die alte Welle vor der Winddrehung wäre das Schiff brutal über die anrollenden drei bis vier Meter hohen Wellen gesprungen und die Belastung extrem groß geworden. “Es war ein Muss, den Fuß vom Gas zu nehmen. Ich sagte der Crew, dass wird den Mast verlieren würden und der nächste Hafen für uns dann wohl Kapstadt wäre.”

Mit dieser Meinung hat er sich durchgesetzt und schließlich alles richtig gemacht. Schließlich sammelt Brunel mit den Extrapunkten für den Sieg und die Kap-Hoorn-Rundung in Führung liegend sowie der doppelt zählenden Etappe gleich 16 Punkte. In der Gesamtwertung bedeutet das Rang drei. Plötzlich ist Bekking wieder dran.

Der Abstand zu den ersten beiden Booten ist allerdings nach wie vor kaum aufzuholen. Denn die eigentlichen Sieger dieser Etappe sind Dongfeng. Der zweite Platz ist Gold wert, da Mapfre mit dem Segelriss und dem Stopp am Kap in echte Bedrängnis geraten ist.

700 Meilen vor dem Ziel sieht es nicht so aus, als wenn die Spanier sich noch an Turn The Tide vorbei schieben könnten. Das Defizit von 80 Meilen dürfte angesichts der herrschenden Wetterbedingungen nur schwer gutzumachen sein.

Damit würde Mapfre hinter Turn The Tide und AkzoNobel auf Rang fünf landen und in der Gesamtwertung um einen Punkt hinter Dongfeng rutschen. Das Volvo Ocean Race ist sportlich wieder extrem spannend geworden.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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