Volvo Ocean Race: Die Sache mit dem Gras – Brunel hat die Führung übernommen

"Es stinkt"

Beim Volvo Ocean Race ist Brunel am besten durch die Flautenzone gekommen. Offenbar verfügt Bouwe Bekking auch über einen geheimnisvollen Trick, den er nicht preisgeben will.

Der aktuelle Stand:

Brunel hat am Feiertag als erste Yacht der Volvo-Ocean-Race-Flotte die Flautenzone der Doldrums passiert und sich von Rang drei auf eins katapultiert. Die Teams mussten nur kurz im Stillstand verweilen. Nun segeln sie mit Höchstgeschwindigkeit um 20 Knoten nach Newport.

Bekking erklärt: “Wir haben Glück gehabt, konnten einigen großen Regenwolken gut ausweichen, und ein Paar Segelwechsel haben wirklich gut funktioniert.” Bei instabilen Bedingungen kommt es darauf an, Windstärke und Winkel richtig zu antizipieren, und die  Entscheidung zur Segelwahl richtig zu treffen. 

Aber das größte Problem ist das Seegras. Beim Segeln in der Saragasso-See werden zwischen Nord- und Südamerika durch die Strömungen – besonders dem Golfstrom – viele frei im Wasser schwebende Braunalgen (Typ Saragassum) zu großen Teppichen zusammengeführt.

Diese müssen von den Teams möglichst umfahren werden, weil sie extrem bremsen, wenn sie am Kiel, Ruder oder Saildrive hängen. Das ist besonders in der Nacht nahezu unmöglich.

Liz Wardley präsentiert ihre Gras-Ausbeute. © James Blake/Volvo Ocean Race

“Manchmal wird man plötzlich von 18 auf 12 Knoten runtergebremst”, sagt Bekking. “Dann muss man das Gras schnell loswerden. Wir haben einen guten Trick dafür. Aber ich werde nicht sagen, wie wir es machen, denn wir haben in der Nacht viele Meilen gewonnen. Wahrscheinlich weil wir mit weniger Gras gesegelt sind.”

See-Gras an der Reling von Turn The Tide. Schlimmer ist das bremsende Zeugs am Kiel. © James Blake/Volvo Ocean Race

Die VO65 weisen eine Inspektionsfenster im Rumpf auf, durch das sie bremsendes Material unter Wasser erkennen können. Aber die Techniken zu Entfernen des Grases differieren, wie auch beim Fahrtensegeln (Foto). Die Teams werden sich sogenannte Weed-Sticks gebastelt haben, mit denen sie die Luvkanten ihrer Unterwasser-Flächen säubern.

Brunel konnte ein paar bremsende Wolken umfahren. © Sam Greenfield/Volvo Ocean Race

Dee Caffari hat mit Turn The Tide die Spitzenposition zwar verloren, hält sich aber immer noch gut unter den Top drei obwohl auch die zehnköpfige Crew mit dem Gras schwer zu kämpfen hat: “Dieses Zeugs stinkt gewaltig.” Denn es kann an Bord nicht sofort überall entfernt werden.

Nur Scallywag kommt einfach nicht mehr. Die Risiko-Strategie von Navigatorin Libby Greenhalgh hat sich nicht ausgezahlt, aber sie gibt die Hoffnung nicht auf, und glaubt, dass sich das Feld in fünf Tagen noch einmal zusammen schiebt.

Kein gutes Zeichen. Auf Mapfre ist die Genua weggerollt. Skipper Xabi Fenandez sucht die entschwindende Konkurrenz am Horizont. © Ugo Fonolla/Volvo Ocean Race

Dann werde es im Golfstrom erst zu brutalen Bedingungen kommen, mit 45 bis 50 Knoten Wind und hohen Wellen, die große Schäden am Boot erzeugen können. Danach werde es noch einmal sehr flau. Der Zieleinlauf in Newport wird für den 8. Mai erwartet.

Möglicherweise schafft es Mapfre bis dahin noch, etwas aufzuholen. Die Favoriten befinden sich als Fünfte 70 Meilen hinter Platz eins nach wie vor in einer gefährlichen Situation für die Gesamtwertung. Dongfeng auf Rang zwei hat noch gute Möglichkeiten, die Etappe zu gewinnen und den Vorsprung auszubauen. Oder Brunel kommt den Spaniern im Falle eines Etappensieges inklusive Bonuspunkt gefährlich nahe.

Tracker Volvo Ocean Race

Der Stand am 2. Mai

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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