Volvo Ocean Race: Disney Casting Team Alvimedica düpiert Konkurrenz beim Inport Race

Underdogs sorgen für Aufsehen

Überraschend hat das US-Team Alvimedica das Inport Race zum Volvo Ocean Race vor Alicante gewonnen. Es gewann mit einem Vorsprung von fünf Sekunden vor dem favorisierten Abu Dhabi Team.

Volvo Inport Alicante

Vestas segelt nach starkem Start hinterher, die Frauen können noch keine Impulse setzen. © VOR

Vor sieben Jahren wurde für den Disney Film Morning Light aus 538 Bewerbern ein Team von 15 18- bis 23-Jährigen Seglern zusammengestellt, das auf seinem Weg zum Transpac Race begleitet wurde. Der Traum von einer Karriere als Hochsee-Profi wurde lebendig.

Für zwei der damaligen Segler hat diese Entwicklung eine neue Facette bekommen. Charlie Enright ist inzwischen Skipper des Volvo Ocean Race Teams Alvimedica, das von einem türkischen Sponsor finanziert wird. Und auch Mark Towill gehört zu Team, das um die Welt segeln wird.

Die Chancen waren zuvor nicht besonders hoch eingeschätzt worden. Zu jung sei das Team der 26- bis 32-Jährigen. Es fehle einfach die Erfahrung. Aber dann beließ der erfahrene Teamchef Bill Erkelens nur drei Amerikaner im Team, und stellte ein Multi Kulti Team aus Neuseeland, Australien, Frankreich und Italien zusammen und verpflichtete den australische Navigator Will Oxley (50), der bei den vergangenen beiden Volvo Ocean Races mit Camper und Puma auf dem Podium landete. Plötzlich schien das Team zumindest auf dem Papier konkurrenzfähig zu sein.

Alvimedica, Volvo Ocean Race

Das junge Alvimedica Team lässt beim Volvo Ocean Race Inport Rennen die Muskeln spielen. © VOR

Den Beweis seines Potenzials zeigte Alvimedica jetzt eindrucksvoll beim In Port Race. Die Junioren, mit denen SR schon gesegelt ist, gewannen eindrucksvoll vor den Volvo Races Haudegen. Dabei dürfte insbesondere der psychologische Boost von Wert sein. Denn punktemäßig sind die In Port Races im Vergleich zur vergangenen Auflage deutlich abgewertet worden.

Während die Kurzrennen zuvor in abgeschwächter Form in die Gesamtwertung eingingen spielen sie nun nur noch als Tiebreaker einer Rolle. Aber der Verlauf des Rennens vor Alicante lässt durchaus einen Schluss auf die Leistungsfähigkeit der Teams zu, die am kommenden Samstag (11.10 14 Uhr) zur ersten von neun Etappen nach Kapstadt starten werden.

Gute Nerven im Zweikampf

Dabei zeigte Alvimedica ein erstaunlich abgeklärtes Rennen. Geringes Risiko beim Start, richtige Entscheidungen auf den drei Vorwindkursen und gute Nerven im abschließenden Zweikampf mit Abu Dhabi.

Positiv auffällig wurden auch die Chinesen des Dongfeng Teams, die beim Start mit Wind von Backbord ein großes Wagnis auf sich nahmen. Aber mit maximalem Speed fanden sie eine Lücke in der Mitte der Linie und lieferten den perfekten Start ab, der die Führung auf der Startkreuz bedeutete.

Ähnlich gut startete der zweimalige 49er Weltmeister Chris Nicholson für das Vestas Team in das Rennen mit einem starken Leestart. Ein Fehler der Chinesen am Luvgate ließ sein Dänen Team sogar in Führung auf den Vorwindkurs gehen. Aber dann wurden sie überlaufen, ließen sich in eine hektische Halse drängen, wurden von Alvimedica zur erneuten Halse gezwungen und schließlich auf den letzten Platz durchgereicht. Deutlicher kann das Defizit in der Vorbereitung nicht dargestellt werden.

Chinesen ohne Happy End

Auch Dongfeng konnte aus der Führungsposition schließlich nichts machen auch wenn sich Skipper Charles Caudrelier, Sieger beim vergangenen Volvo Ocean Race mit Groupama, konstant in den Top drei hielt. Auf dem letzten Vowind-Kurs verloren die fünf Franzosen mit den beiden Chinesen und dem einen Schweden noch zwei Boote und landeten auf Rang fünf.

Ein enttäuschend schwaches Rennen lieferten die Frauen vom SCA Team ab. Schon der Start verlief unterirdisch. Sam Davies war viel zu spät an der Linie. Man merkte ihr an, dass sie auf kurzen Kursen nur geringe Erfahrung hat.

Auch bei den Manövern half es wenig, dass drei Segler mehr anpacken dürfen. Bei der ersten Luvtonnenrundung ging das Ausrollen des Gennakers völlig in die Hose und die Damen wurden von Brunel überlaufen. Danach konnte SCA kaum noch Akzente setzen. Vielleicht läuft es auf der Offshore Etappe ja besser.

Die Ergebnisse des Inport Races dürfen sicher nicht überbewertet werden, wenn man die Leistungsfähigkeit der einzelnen Teams abschätzen will. Aber es scheint so zu sein, dass die im Vorfeld vermeintlich schwächer eingeschätzten Boote wie Alvimedica und Dongfeng eine bessere Rolles spielen können als angenommen. Wenn jetzt noch die Frauen in Fahrt kommen und zeigen, dass sie konkurrenzfähig sein können, ist dieses Volvo Ocean Race im Jahr eins der Einführung von One Design Yachten tatsächlich so offen und spannend wie nie zuvor. Die Fans dürfen sich freuen.

Ergebnisse Inport Race Alicante

1. Team Alvimedica 14:52:02 – 1pt
2. Abu Dhabi Ocean Racing 14:52:07 – 2pts
3. MAPFRE 14:52:27 – 3pts
4. Team Brunel 14:52:48 – 4pts
5. Dongfeng Race Team 14:53:14 – 5pts
6. Team SCA 14:53:51 – 6pts
7. Team Vestas Wind 14:55:24 – 7pts

 

Replay der Live Berichterstattung:

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Disney Casting Team Alvimedica düpiert Konkurrenz beim Inport Race“

  1. avatar GER1702 sagt:

    Der Moderator war allerdings auch nicht schlecht 😀
    “They have twoooo steering wheels”
    “And a canting keel, the skipper has to get the adjustment right, if he get´s that wrong they´d fall over”
    “Dongfong Racing”
    “Bouwe Bekking did 7 Vendee ocean races”
    “The skipper is 60´ away from the bow”
    And boats always were about to “craaaash”

    Letzte Edition war die Moderation und Coverage um längen besser, Virtual Eye hatte falsche Windrichtungen und BS war in ms gemessen aber als kts angezeigt….Keine onboard Aufnahmen live….Und ein schreiender Moderator, der keine Ahnung von Tuten und Blasen hatte… Dann lieber der Ire aus dem OL Laser Video 😀

    Hoffe die bekommen das bis nächsten Samstag auf die Reihe und besetzen die Stelle kompetent. Sehr schade um
    das Race mit den neuen Booten…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 4

  2. avatar Wilfried sagt:

    ich kann die Analyse nicht wirklich teilen. Die Frauen haben ein sehr gute Bootsgeschwindigkeit gezeigt konnten zwar aufgrund der schlechten Manöver nicht weiter vorne landen aber auf einer Langstrecke sieht es zumindestens bei Leichtwind schon mal gut aus., Die Vorstellung von Vestas war allerdings wirklich grottenschlecht.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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