Volvo Ocean Race: Dongfeng macht den Sieg klar – Brunel mit zwei Minuten Rückstand 5.

Duo infernale

Das chinesisch französische Dongfeng Team hat die dritte Etappe gewonnen und die Gesamtführung beim Volvo Ocean Race übernommen.

Die Vorentscheidung fiel schon am 4. Januar ein Tag nach dem Start zur dritten Etappe in Abu Dhabi. Nach einem extremen Halsen-Marathon am Ausgang der Straße von Hormus erwischte Dongfeng die entscheidende Böe und holte sich die Führung.

Charles Caudrelier jubelt über seinen vielleicht wichtigsten Sieg. © Victor Fraile/Volvo Ocean Race

Charles Caudrelier jubelt über seinen vielleicht wichtigsten Sieg. © Victor Fraile/Volvo Ocean Race

In kürzester Zeit legte Charles Caudrelier über sechs Meilen zwischen sich und das Feld und zeigte seitdem eine solche Dominanz wie sie bei dieser ersten Volvo Ocean Race Auflage im One Design Feld noch nicht gezeigt wurde.

Alle Angriffe meisterte das rote Boot mit Bravour. Am 7. Januar kam Brunel bis auf eine Meile heran, aber die Chinesen schafften erneut den Absprung. Knapp eine Woche später wurde es im Windschatten von Sri Lanka noch einmal sehr eng. Abu Dhabi verkürzte den 40 Meilen Rückstand auf 16. Aber Dongfeng kämpfte sich schneller durch die Flaute und schaffte erneut den Absprung.

Ankern im Gegenstrom

Heimsieg in Sanya. © Victor Fraile/Volvo Ocean Race

Heimsieg in Sanya. © Victor Fraile/Volvo Ocean Race

Am 20. Januar  schöpften die Teams erneut Hoffnung, dass sie die Chinesen stellen könnten. In 24 Stunden dezimierte sich ihr Rückstand von über hundert Meilen noch einmal auf 16, als Dongfeng im starken Gegenstrom der Malakkastraße in der Flaute lag. Aber schließlich erwischte es die vier dicht beisammen segelnden Verfolger noch brutaler. Sie mussten ankern, um nicht wieder zurück gespült zu werden.

Als Dongfeng mit einem Vorsprung von 70 Meilen bei Singapur das Ende der Meerenge erreicht hatte, war das Rennen so gut wie gelaufen. Die Kreuz nach China erlaubte keine großen Angriffe mehr, der Wind wehte frei über das offene Meer, und die Verfolger rieben sich in Bord-an-Bord-Kämpfen auf.

Nach 23 Tagen auf dem Wasser schließt Caudrelier seine Tochter wieder in die Arme. © Victor Fraile/Volvo Ocean Race

Nach 23 Tagen auf dem Wasser schließt Caudrelier seine Tochter wieder in die Arme. © Victor Fraile/Volvo Ocean Race

Am Ende steht ein grandioser Sieg, der umso süßer ist, weil er im Heimathafen gefeiert werden darf. Mehr Aufmerksamkeit hat ein chinesisches Segelprojekt noch nie bekommen. Alle bisherigen Versuche, in der professionellen Segelwelt Fuß zu fassen, sind bisher gescheitert.

Sieg mit Hochsee-Anfängern

Niemand hatte Dongfeng zuvor auf dem Zettel als es um die Benennung der Favoriten für dieses erste Volvo Ocean Race mit Einheitsbooten ging. Da Material keine Rolle spielen sollte wurde der Crew-Zusammensetzung die größte Beachtung zugesprochen. Und da schien Dongfeng ein großes Manko zu haben. Die Segler wurden nicht allein nach Leistung aufgestellt. Das Sponsor Konstrukt verlangt, dass auch chinesische Hochseesegelanfänger in das Team eingebaut werden.

Wenn man bedenkt, was Brunel für eine Aktion gestartet hat, um geeignete Mitsegler zu finden und selbst Starboot Weltmeister Robert Stanjek durch das Raster fiel, dann ist es umso erstaunlicher, dass die Leistung mit den rotierenden chinesischen Neulingen auf einem solch konstant hohen Niveau bleibt.

Ankunft bei Sonnenaufgang.  © Victor Fraile/Volvo Ocean Race

Ankunft bei Sonnenaufgang. © Victor Fraile/Volvo Ocean Race

Auf der dritten Etappe war mit Ying Kit Cheung ein weiterer Rookie an Bord, der mit 34 Jahren nicht einmal in die U-30 Wertung passte. Zwei Segler müssen jünger als 30 Jahre alt sein. Deshalb kam erstmals auch der in England lebende Australier Jack Bouttell zum Einsatz, der während der Etappe seinen 24. Geburtstag feierte.

Umgang mit Schlafdefiziten

Als Absolvent der Artemis Offshore Academy in England konnte Bouttell sich als einer der Aufsteiger im französischen Figaro Zirkus beweisen, der härtesten Einhand-Szene der Welt. 2013 holte mit Platz 21. den wichtigen Preis für den besten Neuling wie Caudrelier 14 Jahre zuvor. 2014  wurde Bouttell 25.

Dongfeng

Duo infernale. Navigator Bidegorry und Skipper Caudrelier. © Sam Greenfield/Dongfeng Race Team

Er passt in die Grupper der französisch geprägten Einhandsegler, aus dem sich das Dongfeng Team rekrutiert. Möglicherweise ist der gelernte Umgang mit Schlafdefiziten einer der wichtigen Schlüssel zum Dongfeng Erfolg. Denn mit acht Seglern sind die Volvo 65 Racer extrem unterbesetzt.

Aber besonders das Duo infernale Caudrelier/Bidegorry scheint perfekt zu harmonieren. So steht die Reputation des Skippers außer Frage, da er nicht nur das Solitaire du Figaro 2004 gewonnen hat, sondern insbesondere mit Franck Cammas beim vergangenen Volvo Ocean Race auf Groupama zum Sieg segelte. Aber als Skipper stand er noch nie so sehr unter Beobachtung, und er scheint das Rampenlicht nicht als Druck zu empfinden sondern es zu genießen.

Bidegorrys Karriereknick

Auch Bidegorry hat einen Figaro Sieg (2000) in seiner Erfolgsliste stehen und machte später Schlagzeilen als Skipper des riesigen Trimarans “Banque Populaire V”. Damit blieben ihm aber die großen Erfolge verwehrt. Er schaffte zwar 2009 den 24 Stunden Rekord mit 908 Meilen und einem Durchschnitt von 37.84 Knoten, aber einen Jules Vernes Versuch brach er 2011 nach einer Kollision ab. Danach musste er das Steuer an Loick Peyron abgeben, der schließlich den Um-die-Welt-Rekord knackte.

Der Moment als sich Dongfeng schon am zweiten Tag nach einem wahren Halsen-Marathon eine klare Führung erkämpft.

Der Moment als sich Dongfeng schon am zweiten Tag nach einem wahren Halsen-Marathon eine klare Führung erkämpft.

Ein Karriereknick für den Basken, aber seitdem war der 46-Jährige immer noch in den vielen französischen Segelteams der IMOCA 60 Fuß Szene (u.a. Safran) wie auch bei den MOD 70 Katamaranen involviert. Als Navigator in der Kombination mit dem Siegertypen Caudrelier scheint er nun seine ganze Erfahrung einbringen und eine perfekte Leistung abliefern zu können.

Großer Verlierer der dritten Etappe war Bouwe Bekking mit seinem Brunel Team. Zuvor punktgleich auf Platz eins liegend hat er durch Rang fünf gleich vier Punkte zu Dongfeng verloren. Als letzter der Verfolgergruppe konnte es viel schlimmer nicht kommen.

Enttäuschende Frauen

Dabei hatte Brunel zur Mitte des Rennens den meisten Druck auf Dongfeng ausüben können. Aber den Eingang der Straße von Malakka erwischte das holländische Boot nicht optimal und verlor über zehn Meilen auf die direkte Konkurrenz. Beim gemeinsamen Ankern lag Bekking wieder gleichauf und schob sich bei Singapur gar auf Platz drei.

Aber schließlich konnte er überraschend das erstaunlich starke Alvimedica Team im direkten Amwind-Zweikampf nicht halten. Und dann zog schließlich auch Mapfre mit einer etwas östlicheren Kursvariante knapp vorbei. Das folgende enge Match Race gewannen die Spanier schließlich mit einem Vorsprung von nur zwei Minuten.

Gesamtergebnis nach drei von neun Etappen

Gesamtergebnis nach drei von neun Etappen

Enttäuschend verlief die dritte Etappe wieder einmal für die Frauen vom SCA Team. Nach guten Ansätzen zu Beginn verloren sie nach etwa einer Woche den Anschluss an das Feld und konnten auch in der Malakka Straße nicht aufholen, als die Gegner einparkten. Am Ende betrug der Rückstand auf der von leichtem Wind geprägten Etappe gut 150 Meilen. Die kleinen taktischen Entscheidungen wollen einfach nicht richtig glücken.

Leistungszuwachs bei Alvimedica

In der Gesamtwertung haben sich jetzt Dongfeng und Abu Dhabi etwas abgesetzt. Ian Walker schwächelte nach starkem Beginn auf der Etappe etwas und konnte trotzdem noch den wichtigen zweiten Platz sichern.

Überraschend war die neue Leistungszuwachs von Alvimedica. Die jungen Amerikaner bahaupteten sich in den engen Zweikämpfen mit den Besten, wo sie zuvor zurückfielen. Auch Mapfre hatte ohne Skipper Iker Martinez seine guten Momente. Platz vier hilft allerdings nicht für eine entscheidende Verbesserung in der Gesamtwertung.

Am 7. Februar startet das In-Port-Race in Sanya. Am 8. Februar beginnt die vierte Etappe über 5264 Meilen nach Auckland in Neuseeland.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Dongfeng macht den Sieg klar – Brunel mit zwei Minuten Rückstand 5.“

  1. avatar Norbert Burkert sagt:

    Danke für den Bericht!

    Kleiner Fehlerteufel in der Datumsangabe zum Schluss! Nicht 7. und 8. Januar sondern Februar!

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  2. avatar lauterbach sagt:

    guter kommentar, endlich mal ohne shitstorm und unterstellungen und sonstigem getöse- daß hier chinesische youngster und überwiegend singlehand-experten abräumen, ist für die ganze szene eine herrliche überraschung.
    weiter so… ich bin allerdings nachwievor bekking-fan, nichtwahr!

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