Volvo Ocean Race: Eine harte Entscheidung für Brunel, aber sie könnte sich auszahlen

Ist der Segelgott doch gnädig?

Das kranke, gebeutelt Brunel Team:

Brunel schien beim Volvo Ocean Race auf dem Weg nach Auckland alles verloren zu haben. Aber eine harte Entscheidung brachte die Holländer wieder zurück ins Spiel. Alles ist offen.

Alvimedica gibt Gas. © Amory Ross / Team Alvimedica / Volvo Ocean Race

Alvimedica gibt Gas. © Amory Ross / Team Alvimedica / Volvo Ocean Race

Es schien doch noch einen gerechten Segelgott zu geben. Bouwe Bekking hatte nach dem ersten Überlaufen durch die Konkurrenz doch noch Fahrt aufgenommen, war mit 20 Knoten Speed eine Zeitlang doppelt so schnell unterwegs wie der Rest und rauschte wieder in Führung.  Sollte Rasmus den Holländern doch gnädig sein? Denkste!

 

Die Kollegen zogen wieder mächtig an, segelten fünf Knoten schneller, deutlich tiefer und segelten vorbei. Der Querabstand wurde immer größer. In einer solchen Situation ist es brutal, sich einzugestehen, dass man auf dem falschen Dampfer ist. Der Durchschnitt-Segler hält weiter raus auf die falsche Seite und hofft darauf, dass das Wunder doch noch kommen mag.

Starker Zwischenspurt der Amerikaner. © Amory Ross / Team Alvimedica / Volvo Ocean Race

Starker Zwischenspurt der Amerikaner. © Amory Ross / Team Alvimedica / Volvo Ocean Race

Aber Bekking und seine Mannen sahen ein, dass sie dieses Gefecht verloren haben. Doch sie wollten noch die Chance wahren, den Krieg auf dieser Etappe zu gewinnen. Deshalb halsten sie in das Kielwasser der führenden drei Boote. Was muss diese Halse schwer gefallen sein. Aber sie zeugt von echter taktischer Weitsicht.

An diesem Punkt hätte Brunel diese Etappe verlieren können. Die Holländer lagen auch so plötzlich 33 Meilen zurück auf Rang fünf. Aber nun könnte es sich auszahlen, dass sie nicht völlig die Nerven verloren haben.

Top fünf auf einer Linie

Die Spitze parkte ein und Brunel konnte wieder aufschließen. Zurzeit liegen die ersten fünf Boote aufgereiht auf einer Linie in der Flaute. Der Unterschied beträgt nur 3,2 Meilen. Nur die Frauen finden den Anschluss noch nicht und sind etwas westlicher unterwegs.

Mapfre im Zweikampf mit Dongfeng © Francisco Vignale / MAPFRE / Volvo Ocean Race

Mapfre im Zweikampf mit Dongfeng © Francisco Vignale / MAPFRE / Volvo Ocean Race

Ob Bekking schließlich doch noch das Windglück hold ist? In der aktuellen Situation wäre es jedenfalls ziemlich hilfreich. Aber die letzten Tage waren offenbar nicht ganz so erbaulich an Bord von Brunel. Drei Tage schickte der Midienmann keine Berichte von Bord. Es herrschte Funkstille. Aber nun scheint der Humor wieder zurück an Bord gekehrt zu sein. In der jüngsten Nachricht vermeldet Stefan Coppers, dass der Navigator Andrew einen Rekord gebrochen hat. 16 Tage trägt er jetzt die gleiche Unterhose. Er blieb aber bescheiden. Sein persönlicher Rekord liege eigentlich bei 20 Tagen.

Matt Knighton von Abu Dhabi erklärt, was zurzeit auf dem Wasser passiert. Die Wolken sind unberechenbar:

Die Heheimwaffe von Dongfeng. Horace siell die roten Glückssocken von Anfang bis Ende der Teappe tragen. © Sam Greenfield / Dongfeng Race Team / Volvo Ocean Race

Die Heheimwaffe von Dongfeng. Horace siell die roten Glückssocken von Anfang bis Ende der Teappe tragen. © Sam Greenfield / Dongfeng Race Team / Volvo Ocean Race

“Diese Wolke hat uns in der Nacht festgenagelt. Die schlimmsten Wolken kann man sehen. Sie sehen aus wie Kriegsschiffe. Man kann nur den dunklen Schatten sehen, etwas dunkler als der ansonsten graue Himmel. Wir konnten sie nicht vermeiden. In einer Minute sank die Windgeschwindigkteit von 16 auf 1 Knoten. 20 Minuten verharrten wir fast im Stillstand. Dongfeng und Mapfre sahen es und segelten um uns herum. Aber sie gewannen nur einige Meilen. Der Umweg war wohl zu groß. Aber das war eine dieser wirklich fiesen Wolken.”

Viel Druck bevor wieder die große Flaute droht. © Amory Ross / Team Alvimedica / Volvo Ocean Race

Viel Druck bevor wieder die große Flaute droht. © Amory Ross / Team Alvimedica / Volvo Ocean Race

Das jüngste Volvo Video zeigt Speed. Auch wenn sich die Situation gerade ziemlich geändert hat:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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